MLP: Neues Vergleichstool errechnet Chancen-Risiko-Profile

Gerhard Frieg, MLP

Gerhard Frieg, MLP

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DAS INVESTMENT.com: Was ist das Problem mit den branchenüblichen Modellrechnungen? Gerhard Frieg: Verstärkt durch die Finanzkrise legen Kunden mehr denn je Wert darauf, einen transparenten Überblick über die Leistungsfähigkeit ihrer Altersvorsorge zu bekommen. Allerdings fehlt es bislang an einer Standardisierung in der Branche und die üblichen Modellrechnungen sagen wenig über die wahrscheinliche Rendite aus. Denn die Beispielrechnungen mit ihren vier fixen, jährlich gleichbleibenden Wertentwicklungen bilden sehr unwahrscheinliche Szenarien ab und führen zu einem Wettbewerb um die höchste ausgewiesene Ablaufleistung. Derjenige mit den höchsten Prognosen hatte im Vertrieb häufig die Nase vorn. Das hilft dem Kunden aber nicht. DAS INVESTMENT.com: Wie funktioniert Ihr Modell der Chancen-Risiko-Profile? Frieg: Da niemand genau wissen kann, wie sich der Kapitalmarkt entwickelt, wenden wir so genannte Monte-Carlo-Simulationen an. In unserem Fall werden für jedes Produkt 10.000 verschiedene Kapitalmarktszenarien durchgespielt. Dabei simulieren wir sowohl die Zins- als auch die Aktienmärkte. Zudem erlaubt unser Simulationsprogramm eine variable Eingabe unterschiedlicherer Parameter wie Volatilitäten und Kosten. DAS INVESTMENT.com: Nennen Sie uns bitte ein Beispiel. Frieg: Nehmen wir eine fondsgebundene Police. Wenn der Kunde dafür einen reinen Aktienfonds wählt, ist er 100-prozentig in Aktien investiert. Für ihn gelten dann ausschließlich die Auswirkungen der Aktienentwicklung. Bei Produkten mit Garantien muss zusätzlich der Garantiemechanismus abgebildet werden. Das heißt zum Beispiel: Bei welchem Szenario schichtet der Fondsmanager oder der Versicherer von Aktien in Renten um? Diese Umschichtungsmechanismen bilden wir für jedes Produkt ab. DAS INVESTMENT.com: Wie ist das möglich? Frieg: Indem wir alle Mechanismen in unserem System darstellen. Zum Beispiel bei den dynamischen Hybriden – dort gibt es die drei Töpfe klassischer Deckungsstock, Wertsicherungsfonds und freie Fondsanlage. Wann umgeschichtet wird, steckt meistens in einem festen Algorithmus in den Computersystemen der Versicherer. Diese Algorithmen betten wir in unserem Simulationsmodell ein. Damit sehen wir genau, wie sich das Produkt bei bestimmten Kapitalmarktszenarien verhält. Und wenn das 10.000-mal durchgespielt wird, erhält man erstmals eine Verteilung von Renditewahrscheinlichkeiten.