MLP-Vorstand Manfred Bauer: „Laienberatung schadet der Branche“

Manfred Bauer, MLP

Manfred Bauer, MLP

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DAS INVESTMENT.com: Sie sind jetzt seit 100 Tagen Chef-Produktmanager bei MLP. Zeit für ein erstes Fazit.

Manfred Bauer:
Es ist spannend, wieder auf der Beraterseite zu arbeiten. Ich war ja früher lange bei MLP, wechselte dann als Vorstandsvorsitzender zum Versicherer Janitos und bin nun wieder zurück. Nach fünf Jahren Sachversicherung ist das Aufgabenspektrum jetzt wieder deutlich breiter. Das macht Spaß.

DAS INVESTMENT.com:
Was ist der größte Unterschied in Ihrem Arbeitsalltag?

Bauer: Bei Janitos musste ich bei der Produktentwicklung vor allem dafür sorgen, dass die Produkte versicherungstechnisch funktionieren. Das hatte sehr viel mit Risikoselektion und Mathematik zu tun. Heute steht eher die Arbeit mit unseren Produktpartnern im Mittelpunkt.

DAS INVESTMENT.com:
Gibt es Erfahrungen aus diesen fünf Jahren Versicherungswelt, die Ihnen bei Ihrer jetzigen Arbeit nützen?

Bauer:
Ja. Zum Beispiel, dass ein gutes Produkt nicht alles ist. Natürlich ist die Produktqualität die Eintrittskarte. Aber wer als Versicherer im Maklermarkt erfolgreich sein möchte, muss sich vor allem über gute Prozesse und einen intelligenten Service differenzieren. Der Produzent muss den einzelnen Berater bestmöglich unterstützen und seine Prozesse immer weiter optimieren. Studien zeigen, dass Makler wegen der zunehmenden Regulierung des Gesetzgebers heute etwa 70 Prozent ihres Arbeitsalltags mit Papierkram und Bürokratie zu tun haben. Nur 30 Prozent können sie tatsächlich in die Beratung investieren. Das ist pervers.

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DAS INVESTMENT.com: Nun soll ja wieder reguliert werden, Stichwort Anlegerschutzgesetz.

Bauer:
Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich halte eine vernünftige Marktregulierung für sehr wichtig. Ich finde es zum Beispiel schade, dass der Gesetzgeber eine Entscheidung um das Anlegerschutzgesetz verschoben hat. Natürlich gibt es in diesem Bereich viele gegenläufige Interessen, das ist ein Geziehe und Gezerre. Aber im jetzigen Umfeld ist es essentiell, Vertrauen der Anleger wiederherzustellen. Und dafür brauchen wir vernünftige Regeln.

DAS INVESTMENT.com:
Wie könnten die aussehen?

Bauer:
Es kann zum Beispiel nicht sein, dass ein Kunde das gleiche Produkt bei Anbieter A und Anbieter B kauft, A dabei eine ordentliche Dokumentation vorweisen muss, B aber nicht. Mit einer Einheitlichkeit über die verschiedenen Produktgruppen hinweg und klaren Dokumentationsrichtlinien wäre schon viel gewonnen. Aber das ist nicht das einzige.

DAS INVESTMENT.com:
Was halten Sie noch für sinnvoll?

Bauer:
Geschützte Berufsbilder und eine fundierte Ausbildung sind die Basis. Laienfinanzberatung darf es nicht mehr geben, das schadet den Kunden und der Branche.