Mobilfunkinfrastruktur-Fonds: „Entwicklungshilfe für die USA“

Oliver Schulz

Oliver Schulz

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DAS INVESTMENT.com: Was ist am US-Mobilfunkmarkt so spannend? Oliver Schulz: Was wir erleben, ist nichts weniger als eine mobile Revolution. Seit dem zweiten Quartal 2006 ist das übermittelte Datenvolumen des größten Mobilfunkanbieters AT&T um fast 5.000 Prozent gestiegen. Das explosionsartige Wachstum hatte man nach der Versteigerung der Mobilfunklizenzen im zweiten Quartal 2007 völlig unterschätzt – und das ist sogar noch heute der Fall. Während ein Blackberry eine Überragungsleistung von im Schnitt rund 100 Megabit pro Monat erzeugt, ist es beim iPhone bereits das Sechsfache, das neue iPad erzeugt das Zehnfache an Datentransfervolumen. Um ein Beispiel zu geben: Wenn Sie ein Video von Youtube runterladen, ist das so, als wenn Sie eine halbe Million SMS versenden würden. DAS INVESTMENT.com: Entfällt auf die reine Telefonie nur ein Bruchteil der Kapazitäten?
Schulz: Ja. Das für die Voice-Übertragung benötigte Datentransfervolumen ist seit 2007 konstant, Prognosen sehen auch keinen weiteren Bedarf bis über 2018 hinaus. Den Analysten von Cisco Systems zufolge wird sich aber die benötigte Datentransfermenge für Smartphones allein bis zum Jahr 2013 weltweit in jedem Jahr verdoppeln. Um dieses Wachstum bewältigen zu können, muss in erheblichem Maße in die US-Mobilfunkinfrastruktur investiert werden – die US-amerikanischen Netze sind massiv überlastet. Das führte nach dem Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr zu der kuriosen Situation, dass AT&T seine Kunden aufrief, die mobilen Dienste bitte weniger zu nutzen. Insofern ist hier Entwicklungshilfe für die USA zu leisten. DAS INVESTMENT.com: Wie lange dauert es, bis ein neuer Mobilfunkmast genehmigt ist? Schulz: Ruckzuck geht das nicht, dafür ist die Änderung des jeweiligen Flächennutzungsplans vonnöten. Und das zieht sich in der Regel zwischen zwei und vier Jahren hin. DAS INVESTMENT.com: Nehmen Sie es nicht übel – aber immer, wenn deutsche Fonds in den USA ihr Glück machen wollen, kommt schnell der Spruch vom „stupid german money“ in den Sinn, das haufenweise für die Produktion von Filmen verbraten wurde, die dann keiner sehen wollte. Warum sollten US-Investoren gerade uns Deutschen einen lukrativen Markt vor ihrer Haustür überlassen? Schulz: Ich kann die Skepsis verstehen, doch ist der Fall hier völlig anders gelagert. Erstens sind wir seit 2007 im amerikanischen Mobilfunkinfrastrukturmarkt mit einer eigenen Tower Development Company aktiv, die das Geschäft im Auftrag der Netzbetreiber abwickelt. In der Liste der größten Mastbetreiber liegen wir auf Platz 21. Das heißt, sie können davon ausgehen, dass wir die Netzpläne und Prioritäten sehr gut kennen. Zweitens gibt es in den USA kaum mittelständische Unternehmen in diesem Markt. Auf drei große, börsennotierte Player entfällt ein Anteil von insgesamt 20 Prozent. Den Rest bilden sogenannte Mum-and-Pap-Shops, die meist nur einen Mast auf dem hauseigenen Acker aufgestellt haben. Drittens gilt staatlicher Bestandsschutz für jeden Mastbetreiber. DAS INVESTMENT.com: Das heißt? Schulz: In den USA gibt es das sogenannte Regulatory Monopoly, das von der staatlichen Behörde FCC überwacht wird. Es sichert gesetzlich zu, dass erst bei Vollvermietung eines bestehenden Masts ein zusätzlicher Mast im Umkreis von fünf Meilen errichtet werden darf. Die Regelung, dass für jedes Mobilfunkunternehmen eigene Masten errichtet werden dürfen, gilt in den USA seit den 1990er-Jahren nicht mehr.