Multi-Asset-Experte im Gespräch „Diversifikation über Anlageklassen funktioniert nicht mehr"

Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfoliomanager bei Franklin Templeton Solutions. Der Multi-Asset-Experte gehört dem Haus seit 2008 an.

Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfoliomanager bei Franklin Templeton Solutions. Der Multi-Asset-Experte gehört dem Haus seit 2008 an.

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DAS INVESTMENT: Wie werden sich die Anleihemärkte 2016 entwickeln?

Matthias Hoppe: Das laufende Jahr sollte durch ein schwaches Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten, niedrige Infla¬tionsraten und sehr niedrige Bondrenditen geprägt sein. Renditen von Bonds aus der Eurozone sind teilweise sogar negativ. Angesichts der Notenbankpolitik und der sehr hohen Nachfrage nach Staatsanleihen dürfte sich daran kurzfristig wenig ändern.

Wie bieten Sie diesem Umfeld Paroli?


Hoppe:
Wir verfolgen mehrere Strategien. Für attraktiv halten wir etwa Zinstitel aus den USA, Australien und Neuseeland. Dabei sichern wir Währungsrisiken für Anleger aus dem Euroraum grundsätzlich ab.

Währungsbewegungen bieten aber doch auch Chancen?

Hoppe: Ja, wir nutzen dieses Potenzial aktiv. Stehen wir einer Währung positiv gegenüber, schließen wir jedoch ein separates Geschäft dazu ab. Währungspositionen sind Bestandteil der Strategien, die Franklin Templeton in seinen Multi-Asset-Diversified-Fonds verfolgt. Währungen eignen sich nämlich gut, um Schwankungen zu dämpfen. Das ist auch ein wichtiges Ziel, denn wir wollen Volatilitäten begrenzen.

Dazu achten Sie vermutlich auch auf die Korrelationen Ihrer Investments.

Hoppe: Genau. Allerdings funktioniert Diversifikation allein über die Gewichtung von Anlageklassen nicht mehr: Aktien und Staatsanleihen aus der Eurozone bewegen sich aktuell im Gleichklang, sprich die Korrelation ist hoch. Daher streuen wir über Risikofaktoren statt Anlageklassen. Zudem halten wir nicht nur Aktien und Anleihen. Ergänzt wird dies um Strategien, die marktunabhängige Renditen versprechen.

Geben Sie ein Beispiel?

Hoppe:
2015 haben wir wegen des sich abschwächenden Aufschwungs in den USA darauf gesetzt, dass sich Aktien des Growth-Segments besser entwickeln als Value-Titel. Aktuell vertrauen wir darauf, dass sich ertrags-, und substanzstarke Qualitätsaktien besser behaupten als Unternehmen mit schwachen Kennziffern.

Bieten Ihrer Meinung nach Aktien allgemein den Königsweg zu einer besseren Wertentwicklung?

Hoppe:
Aktuell gilt dies nicht uneingeschränkt. Die KGVs liegen momentan recht hoch. In den USA stiegen die Gewinne pro Aktie vor allem wegen umfassender Aktienrückkäufe. Wir erwarten, dass die Volatilität am Aktienmarkt 2016 zunehmen wird. Positiv überraschen könnten demgegenüber Rententitel aus Schwellenländern sowie ausgesuchte Hochzinsanleihen.