Multi-Asset-Strategien „Das Volatilitätsziel ist genauso wichtig wie das Renditeziel“

Goldmine in Mexiko: „Gold entwickelt sich unkorreliert zum Aktienmarkt, und gern setzen wir Währungen ein“ (Fabien Ize) | © Getty Images

Goldmine in Mexiko: „Gold entwickelt sich unkorreliert zum Aktienmarkt, und gern setzen wir Währungen ein“ (Fabien Ize) Foto: Getty Images

Fabien Ize, Product Manager bei Franklin Templeton Multi-Asset-Solution

Herr Ize, wo sehen Sie derzeit Ihre größten Herausforderungen?

Fabien Ize: Schauen wir auf die Märkte, ist die politische Großwetterlage ein Unsicherheitsfaktor. Des Weiteren sind die Bewertungen für Anleihen und Aktien bereits relativ hoch. Als Multi-Asset-Investor sind wir jedoch in der komfortablen Lage, mehrere Asset-Klassen nutzen zu können. So versuchen wir, unsere Portfolios so zu diversifizieren, dass wir uns nicht von einem einzigen Szenario abhängig machen.

Was bedeutet das konkret?

Ize: Nehmen wir ein Beispiel. Wir investieren sowohl in Schwellenländer-Anleihen als auch in Emerging-Markets-Aktien. Die Risikoanalyse spielt hier eine zentrale Rolle. Wenn man etwa in eine auf den brasilianischen Real nominierte Anleihe investiert, ist es wichtig zu verstehen, welcher Risikoanteil aus der Währung und welcher aus der Bewegung der Zinskurve kommt. Selbst kleine Portfoliopositionen können überproportionale Risikobeiträge aufweisen. Das Währungsrisiko etwa kann schnell die Überhand gewinnen und am Ende die Wertentwicklung maßgeblich beeinflussen – positiv wie negativ. Erst diese detaillierte Betrachtung liefert ein besseres Bild über die Risiken. Denn die prozentuale Allokation entspricht nicht dem Beitrag zum Risiko.

Sind dann feste Quoten für Asset-Klassen bei Multi-Asset-Fonds noch sinnvoll?

Ize: Feste Quoten können hinderlich sein, zum Beispiel das Festhalten an Benchmarkgewichten. Mit  aktiven Entscheidungen hingegen können wir von Markttrends partizipieren. Ein Beispiel: Das britische Pfund hat durch die Brexit-Diskussion stark eingebüßt, davon konnten die exportbasierten Firmen profitieren. Das hatte primär nichts mit der Unternehmensqualität zu tun. Durch aktives Management kann in so einem Fall  ein Mehrwert generiert werden.

Stichwort aktives Management: ETFs drohen zumindest in der öffentlichen Debatte den aktiv gemanagten Fonds immer stärker den Rang abzulaufen. Wie gehen Sie damit um?

Ize: Wir müssen unterscheiden: Es gibt passive ETFs und aktive ETFs. Letztere gewichten die Titel nicht rein nach Marktkapitalisierung, sondern nach bestimmten Faktoren, so wie die von Franklin Templeton im vergangenen Jahr gelaunchte Franklin LibertyQ Produkte. Uns ist es dabei sehr wichtig, nicht nur auf die kurzfristige Wertentwicklung zu schauen, sondern auch die Risiken genau im Blick zu haben. Um das zu tun, muss man aktive Entscheidungen treffen können. Dafür sind wir als Fondsmanager ja schließlich verantwortlich, und das können passive ETF alleine natürlich nicht darstellen.

Noch nicht so populär wie ETFs, aber doch immer weiter verbreitet sind Alternative Investments. Nutzen sie solche?

Ize: Unter Alternative Investments wird ein sehr breites Spektrum an Strategien zusammengefasst. Es ist also eine Definitionsfrage. Wir nutzen solche Investments, etwa im Bereich systematischer Risikoprämien. Aber auch viel banaler: Gold. Wir haben in Gold investiert, als sich die politische Unsicherheit inbesondere zwischen USA und Nordkorea erhöht hatte. Gold ist in solchen Phasen gut zur Absicherung von Risiken. Darüber hinaus setzen wir gern Währungen ein. Wir haben zum Beispiel im vergangenen Jahr Norwegische Kronen gekauft und Kanadische Dollar verkauft. Die Konjunkturlage in Norwegen war sehr gut, die Exporte in Kanada liefen hingegen enttäuschend. In Kanada sollten die Zinsen also nicht steigen, in Norwegen eventuell schon. Solche Positionen setzen wir ein, weil sie unkorreliert sind zum Rest des Portfolios.

Bisher schien Multi-Asset insbesondere ein Thema für Privatanleger zu sein. Wie sieht das Interesse bei institutionellen Investoren aus?

Ize: Große institutionelle Investoren können oft selbst ihre Allokation strukturieren. Bei mittelgroßen und kleineren Institutionellen sehen wir verstärkt Interesse an einer Zusammenarbeit. Ich glaube, dass hier besonders die angesprochenen alternativen Anlageklassen interessant als Renditealternative zu Hochzinsanleihen und Aktien sind.

Also hat Multi Asset nach Ihrer Einschätzung weiterhin Potenzial?

Ize: Ja. Anleger sind in der Regel risikoavers. Das belegt die Forschung: Ein zu erwartender Verlust von 10 Euro wiegt in unserer gefühlsmäßigen Risiko-Kalkulation stärker, als ein zu erwartender Gewinn von 10 Euro. Darum glauben wir, dass bei einem Investment das Volatilitätsziel genauso wichtig ist wie das Renditeziel. Diese Steuerung können Multi-Asset-Fonds leisten. Wir bieten darum drei unterschiedliche Fondsprofile an. Die Spanne reicht hier von 3 bis 5 Prozent Volatilität mit einer Rendite von 2 Prozent über dem Geldmarktsatz Euribor bis zu 8 bis 11 Prozent Volatilität mit einem Renditeziel von Euribor plus 5 Prozent.