Musterdepot-Kommentar Offensives Depot: In dubio pro ratio

Nur die Guten ins Töpfchen: Fondsmanager Harald Sporleder (Allianz Global Investors, links) und Stefan Rehder (Value Intelligence Advisors)

Nur die Guten ins Töpfchen: Fondsmanager Harald Sporleder (Allianz Global Investors, links) und Stefan Rehder (Value Intelligence Advisors)

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Den aktuellen Stand aller vier Musterdepots sehen Sie hier.

In der Theorie ist ein Long-Short-Fonds eine feine Sache. Der Manager kauft auf der einen Seite fundamental hochwertige Aktien, von deren Substanz er überzeugt ist. Auf der anderen Seite wettet er gegen aus seiner Sicht überbewertete Titel der jeweils gleichen Branche, bei denen Fehler in der Strategie oder schwache Geschäftszahlen früher oder später zu Enttäuschungen bei den Anlegern führen müssen. Ein auf diese Weise zusammengebautes Portfolio entwickelt sich nicht nur völlig marktneutral, sondern birgt auch beste Chancen für solide Renditen: Alles, was es dazu braucht, ist eine relative Outperformance der guten gegenüber den schlechten Aktien.

Doch was tun, wenn in der Praxis die Aktien der schlechten Unternehmen steigen und die guten nicht vorankommen oder sogar völlig unerwartet Schwäche zeigen? Ein Szenario, das gar nicht mal so selten ist – extrem ausgeprägt war es beispielsweise auf dem Höhepunkt des New-Economy-Booms um die Jahrtausendwende zu beobachten. Einem Long-Short-Manager, der im Vorfeld gewissenhaft seine Hausaufgaben gemacht hat, bleibt da nur, die zwangsläufig entstehenden Wunden zu lecken und auf bessere Zeiten zu warten.

Ein wenig an das aus Börsensicht verrückte Ende der 90er Jahre erinnert fühlt sich in diesen Wochen Harald Sporleder. „Hätte ich zu Jahresbeginn die schlechten Unternehmen gekauft und gegen die guten gewettet, stünde mein Fonds heute super da“, sagt der Manager des im offensiven Musterdepot von DER FONDS vertretenen Allianz Discovery Europe Strategy. Dass er dies nicht getan hat, zeigt das seit Anfang Januar eingefahrene Minus von 9,1 Prozent (siehe Tabelle).

Offensives Depot: Long-Short-Fonds drücken das Gesamtergebnis

     
Fonds Datum erste
Aufnahme
Stücke akt. Wert
in Euro
Depot-
Anteil
Gewinn/
Verlust
Acatis Gané Value Event UI 12/31/2015 31,872 7.049,72 14,0% 0,7%
Allianz Discovery Europe Strategy 12/31/2015 62,859 6.365,75 12,6% -9,1%
BHF Value Leaders FT 12/31/2015 88,771 5.936,97 11,8% -1,1%
BL Emerging Markets 12/31/2015 33,44 5.659,44 11,2% 13,2%
Danske Europe Long-Short Dynamic 12/31/2015 590,568 6.653,34 13,2% -5,0%
Invesco Global Structured Equity 12/31/2015 139,488 5.934,65 11,8% -1,1%
Starcap Argos 12/31/2015 36,422 5.416,05 10,8% 8,3%
Value Intelligence Fonds AMI 12/31/2015 71,174 7.335,95 14,6% 4,8%
Gesamt-Depot 50.351,87 100,0%
Depot-Start am 31.12.2015 mit 50.000 Euro Gewinn/Verlust seit
01/01/2016
0,7%
Vergleichs-Ergebnisse von fünf repräsentativen Mischfonds, die ein vergleichbares Anlageziel verfolgen
BHF Flexible Allocation FT -3,6%
Blackrock Global Allocation 0,9%
DJE Concept -1,7%
FvS Multiple Opportunities 5,7%
M&G Dynamic Allocation 1,8%
Quelle: DER FONDS/Bloomberg/Infos GmbH Investment Fonds Selection
Auswertungstag: 10. August 2016
Quelle: 10. August 2016


Wie aus vergleichbaren Situationen im realen Leben bekannt, kommt gerade in solchen Phasen häufig noch Pech hinzu. Im Falle des Allianz Discovery Europe Strategy war dies eine größere Short-Position im britischen Halbleiter-Produzenten ARM Holdings. „Fundamental sprach fast alles gegen die Aktie – bis plötzlich im Juli der japanische Telekom-Konzern Softbank ein um 43 Prozent über dem Marktpreis liegendes Übernahmeangebot abgegeben hat“, erzählt Sporleder. Die Aktie machte einen Satz nach oben, und Sporleder blieb nichts anderes übrig, als die Position mit Verlust zu schließen. Allein das bescherte seinem Fonds ein Minus von knapp 1,1 Prozent.