Musterdepot-Kommentar vom 15. April 2016 Turnaround-Depot: Erste Lichter in bislang dunklen Tunneln

Tesla-Modell Roadster Sport: Die abgespeckte Variante „Model 3“ sorgt derzeit für Furore. Das dürfte die Nachfrage nach Lithium-Batterien in die Höhe treiben. Foto: Getty Images

Tesla-Modell Roadster Sport: Die abgespeckte Variante „Model 3“ sorgt derzeit für Furore. Das dürfte die Nachfrage nach Lithium-Batterien in die Höhe treiben. Foto: Getty Images

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Den aktuellen Stand aller vier Musterdepots sehen Sie hier.

Für viele Analysten gab es beim Euro-Kurs im Januar nur eine Richtung: abwärts. Die US-Investmentbank Goldman Sachs etwa prognostizierte für April einen Wechselkurs von 1,04 Dollar, für Juli eine Parität und für das Jahresende einen Kurs von 95 Cent. Bislang sieht es nicht danach aus. Derzeit hält sich die Gemeinschaftswährung beharrlich über der Marke von 1,10 Dollar, Anfang der Woche markierte der Euro gegenüber der US-Währung mit 1,14 Dollar sogar ein Sechs-Monats-Hoch.

Die unerwartete Dollar-Schwäche bekommen alle Fonds zu spüren, die einen mehr oder weniger großen Teil ihres Portfolios an den US-Märkten investieren. Im Trend-Depot von DER FONDS sind das etwa der Nordea Senior Generations Equity und der Robeco Global Consumer Trends – ganz zu schweigen vom Geldmarktfonds Deutsche Floating Rate Notes USD, der ausschließlich auf Dollar lautende Papiere hält. Folgerichtig verlor das Trend-Depot im Vergleich zur Vorwoche noch einmal leicht im Wert und bleibt mit einem Minus von 4,6 Prozent im laufenden Jahr weiter hinter den anderen drei Depots zurück.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich dagegen im Turnaround-Depot. Dort sorgt vor allem der auf Minenaktien spezialisierte Falcon Gold Equity dafür, dass seit Jahresbeginn ein Plus von 1,3 Prozent zu Buche steht (siehe Tabelle). Der in diesem Depot enthaltene Geldmarktfonds Nordea Norwegian Kroner Reserve bekam zudem Rückenwind vom sich wieder erholenden Ölpreis – ebenso wie der Blackrock World Energy.

Turnaround-Depot: Zurück in der Gewinnzone

     
Fonds Datum erste
Aufnahme
Stücke akt. Wert
in Euro
Depot-
Anteil
Gewinn/
Verlust
Aktien Südeuropa UI 31.12.2015 99,767 5.552,04 11,0% -7,5%
Blackrock World Energy 21.01.2015 295,421 4.082,72 8,0% -17,0%
Comgest Growth GEM Prom. Comp. 20.01.2014 445,434 5.732,74 11,3% 13,8%
Falcon Gold Equity 01.08.2011 39,404 8.748,84 17,3% -22,4%
LSF Solar & Sustainable Energy Fund 28.10.2014 53,512 3.127,76 6,2% -16,3%
Nordea Norwegian Kroner Reserve 18.02.2014 396,236 8.249,63 16,3% -7,5%
Sauren Absolute Return 31.12.2015 848,176 9.558,95 18,9% -4,4%
Warburg Value Fund 31.12.2015 39,926 5.578,39 11,0% -7,0%
Gesamt-Depot 50.631,07 100,0%
Depot-Start am 01.12.2009 mit 38.531 Euro Gewinn/Verlust seit
01.01.2016 01.12.2009
1,3% 31,4%
Vergleichs-Ergebnisse von fünf repräsentativen Mischfonds, die ein vergleichbares Anlageziel verfolgen
Franklin Global Fundamental Strategies -5,8% 73,0%
Max Otte Vermögensbildungsfonds -9,5% -
Prometheus Global Turnaround Trends -3,7% -5,1%
Sentix Fonds 1 1,2% -
Starcapital Huber Strategy 1 -1,0% 38,3%
Quelle: DER FONDS/Bloomberg/Infos GmbH Investment Fonds Selection
Auswertungstag: 12. April 2016
Quelle: 12. April 2016


Gleich doppelt – vom schwachen Dollar und vom wieder gestiegenen Ölpreis – profitieren einige Schwellenländer wie Brasilien. Weil mit der möglichen Amtsenthebung der seit Jahren unglücklich agierenden Präsidentin Dilma Rousseff ein dritter Faktor hinzukommt, liegen einzelne Brasilien-Fonds wie der Deutsche Invest Brazilian Equities oder der Aberdeen Brazil Equity seit Jahresbeginn mit fast 30 Prozent im Plus. Auch Rentenfonds wie der HSBC Brazil Bond verbesserten sich in ähnlicher Größenordnung.

Ein kleines Stück dieser jüngsten Entwicklung fängt auch das Turnaround-Depot ein – über den Comgest Growth GEM Promising Companies, dessen Brasilien-Anteil Ende März bei 8,5 Prozent lag. Über die Auswirkungen eines weiter schwachen oder wieder anziehenden Dollars oder eines möglichen Rousseff-Sturzes machen sich die drei für den Fonds verantwortlichen Comgest-Managerinnen Galina Besedina, Juliette Alves und Caroline Maes allerdings wenig Gedanken: Sie suchen ungeachtet aller makroökonomischen Trends nach Unternehmen, die auch in einem schwachen Umfeld über einen längeren Zeitraum überproportional stark wachsen können. In Brasilien fündig geworden sind sie dabei unter anderem beim Autovermieter Localiza und beim Zahnvorsorge-Spezialisten Odontoprev. Dessen mit 2,2 Prozent gewichtete Aktie gehörte im ersten Quartal zu den besten Performern im Fondsvermögen.

Das Portfolio des Comgest Growth GEM Promising Companies ist seit jeher sehr konzentriert – derzeit enthält es 39 Positionen. Ein Active Share von 99,3 Prozent signalisiert zudem, dass es mit dem Vergleichsindex MSCI Emerging Markets nicht allzu viel gemein hat. Zwar sind auch Frontier Markets wie Argentinien, Kenia oder Vietnam Bestandteil des Anlage-Universums, aus diesem Umfeld stammen aber mit Vinamilk und Safaricom lediglich zwei aktuelle Beteiligungen.

Interessante neue Ideen entdecken Lead-Managerin Besedina und ihre beiden Mitstreiterinnen derzeit vor allem in Südostasien. Dort haben sie sich etwa jüngst beim in Hongkong ansässigen Logistik-Dienstleister Kerry Logistics und beim indischen Fahrzeug-Finanzierer Shriram Transport Finance eingekauft und zudem ihre Anteile am chinesischen Molkerei-Konzern Inner Mongolia Yili aufgestockt. Verkauft haben sie dagegen den Schweizer Duty-Free-Spezialisten Dufry und die türkische Coca-Cola-Tochter Coca-Cola Içecek.

Einen klaren Schwerpunkt in Südostasien setzt auch der LSF Solar & Sustainable Energy Fund. Fondsberater Christofer Rathke agiert von Singapur aus und hat derzeit zu rund zwei Dritteln Solar- und Windenergie-Titel aus China in seinem Portfolio. Dabei macht ihm natürlich die Phobie zu schaffen, die viele Anleger derzeit gegen alle Investments in dieser Region hegen. Entsprechend schwach steht sein Fonds momentan da: Seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus auf 20 Prozent, auf Zwölf-Monats-Sicht sind es sogar fast 40 Prozent.

Doch auch branchenspezifisch gibt es einigen Gegenwind. Zum Beispiel von der drohenden Pleite des US-Solar-Riesen Sun Edison, dessen Kurs in den vergangenen zwölf Monaten um 98 Prozent abstürzte. Zwar ist Rathke dort nicht investiert („Wir haben fast unsere komplette Position auf dem Höhepunkt im Juli 2015 verkauft“). Bei anderen großen US-Herstellern wie First Solar oder Sunpower sieht es aber in punkto Wachstum momentan ebenfalls eher mau aus – ihre Aktien performten deshalb im März ähnlich schwach wie die ihrer chinesischen Konkurrenten Jinko Solar oder Trina Solar.

Kurzfristig sieht Rathke nur wenig Anzeichen auf Besserung: „Zwar waren die jüngsten Quartalszahlen vorwiegend gut bis ausgezeichnet, aber der Markt hat sie ignoriert.“ Die kurzfristig wieder aufgekommene Sorge vor Überkapazitäten hält er allerdings für „völligen Unsinn“, schließlich wachse die Nachfrage zurzeit fast genau so schnell wie die Produktion.

Hoffnung schöpft Rathke unter anderem aus dem Hype um das neue Modell 3 des Elektroauto-Herstellers Tesla: „Vorbestellungen in der Größenordnung von 10 Milliarden US-Dollar für ein Produkt, das noch niemand überhaupt gesehen hatte, sind wohl ein Novum in der Wirtschaftsgeschichte.“ Rathke sieht darin „den Startschuss zu einem Wettrüsten der Autohersteller für leistungsstärkere E-Autos“, in dessen Folge sich die Nachfrage nach Lithium bis 2020 mehr als verdoppeln könnte: „Weil nur 3 bis 4 Prozent der Kosten einer Lithium-Batterie auf Lithiumkarbonat entfallen, würden auch stark steigende Preise kaum die Nachfrage dämpfen.“

Vor diesem Hintergrund hat Rathke im März bei Lithium-Produzenten wie SQM, Albemarle und Orocobre zugegriffen. Auch gehören mittlerweile die koreanischen Batterie-Hersteller LG Chemical und Samsung SDI zu seinem Portfolio – nach der jüngsten Korrektur will er dort weiter nachkaufen. Im Gegenzug hat er den Anteil von First Solar und der chinesischen Solar-Hersteller etwas reduziert.

Den aktuellen Stand aller vier Depots per 29. März sehen Sie hier.

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