Musterdepot-Kommentar vom 22. April 2016 Offensives Depot: Auf dem Weg in die Gewinnzone

Reduzieren Schwankungen im Fondsportfolio auf unterschiedlichen Wegen: Invesco-Manager Thorsten Paarmann (links) und Marc Erpelding von Banque de Luxembourg Investments

Reduzieren Schwankungen im Fondsportfolio auf unterschiedlichen Wegen: Invesco-Manager Thorsten Paarmann (links) und Marc Erpelding von Banque de Luxembourg Investments

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Den aktuellen Stand aller vier Musterdepots sehen Sie hier.

Die Bandbreite der Ergebnisse bei eher offensiv ausgerichteten Mischfonds reicht von beeindruckenden 47,7 Prozent (ASVK Substanz & Wachstum) bis zu einem abschreckenden Minus von 17,9 Prozent (Green Benefit Nachhaltigkeit Plus). Wobei sich die Begeisterung für das Ergebnis des vor allem in Goldminen- und Rohstofffonds investierten Spitzenreiters beim Blick auf längerfristige Zahlen schnell relativiert: Auf Sicht von drei Jahren beträgt das Plus lediglich 1,1 Prozent, über fünf Jahre gingen fast 30 Prozent des investierten Kapitals verloren.

Insgesamt weisen zum Stichtag 20. April nur 24 von 293 Vergleichsfonds ein positives Ergebnis aus. Davon kommt wie der Spitzenreiter nur jeder dritte auf ein Volumen von weniger als 10 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund ist das Minus von 1,0 Prozent, das das von DER FONDS geführte offensive Musterdepot aufweist, gar nicht einmal so schlecht – auch wenn der wohl prominenteste Vergleichsfonds für dieses Depot, der von den führenden Ratingagenturen als flexibler Mischfonds kategorisierte Flossbach von Storch Multiple Opportunities, mit einem Zuwachs von 1,0 Prozent einen Tick besser dasteht.

Offensives Depot: Zwei Bausteine liegen seit Jahresbeginn deutlich im Plus

     
Fonds Datum erste
Aufnahme
Stücke akt. Wert
in Euro
Depot-
Anteil
Gewinn/
Verlust
Acatis Gané Value Event UI 31.12.2015 31,872 6.929,25 14,0% -1,0%
Allianz Discovery Europe Strategy 31.12.2015 62,859 6.724,68 13,6% -3,9%
BHF Value Leaders FT 31.12.2015 88,771 5.799,38 11,7% -3,3%
BL Emerging Markets 31.12.2015 33,44 5.273,87 10,7% 5,4%
Danske Europe Long-Short Dynamic 31.12.2015 590,568 6.946,85 14,0% -0,8%
Invesco Global Structured Equity 31.12.2015 139,488 5.655,42 11,4% -5,7%
Starcap Argos 31.12.2015 36,422 5.211,93 10,5% 4,2%
Value Intelligence Fonds AMI 31.12.2015 71,174 6.958,72 14,1% -0,6%
Gesamt-Depot 49.500,10 100,0%
Depot-Start am 31.12.2015 mit 50.000 Euro Gewinn/Verlust seit
01.01.2016
-1,0%
Vergleichs-Ergebnisse von fünf repräsentativen Mischfonds, die ein vergleichbares Anlageziel verfolgen
BHF Flexible Allocation FT -3,9%
Blackrock Global Allocation -3,5%
DJE Concept -1,8%
FvS Multiple Opportunities 1,0%
M&G Dynamic Allocation -1,1%
Quelle: DER FONDS/Bloomberg/Infos GmbH Investment Fonds Selection
Auswertungstag: 19. April 2016
Quelle: 19. April 2016


Für das relativ gute Abschneiden des offensiven Depots zeichnen momentan vor allem zwei Bausteine verantwortlich: zum einen der von einem leichten Turnaround bei Hochzinsanleihen profitierenden Starcap Argos (siehe Depotbericht vom 29. März) und zum anderen der auf Schwellenländer spezialisierte Mischfonds BL Emerging Markets. Letzterer erzielte mit einem Plus von 5,4 Prozent seit Anfang Januar hinter dem Falcon Gold Equity im Turnaround-Depot das zweitbeste Ergebnis aller von DER FONDS berücksichtigten Depot-Bausteine.

Einer der Hauptgründe, warum der von Marc Erpelding betreute Fonds mit einem Fünf-Jahres-Zuwachs von knapp 40 Prozent auch in einem für Schwellenländerfonds eher schwierigen Zeitabschnitt eine gute Figur macht, liegt sicher in der weitgehenden Freiheit, was die Aktienauswahl betrifft. „Niemand drängt uns, irgendein Unternehmen zu kaufen“, betont Erpelding seine Unabhängigkeit vom Vergleichsindex MSCI Emerging Markets. Findet er keine attraktiv bewerteten Unternehmen, kann er überdies bis zu 40 Prozent des Portfolios in Cash oder kurzlaufenden Anleihen halten.

Die eine oder andere Einschränkung legt sich Erpelding allerdings selbst auf. So kauft er in aller Regel weder Aktien von Banken noch von Versorgern oder Rohstoffunternehmen – was die Performance in den vergangenen Jahren sicher ebenfalls begünstigt hat. „Wir tun uns mit der Beurteilung der Erfolgsaussichten von Firmen aus den genannten Branchen schwer“, erläutert Erpelding. Bei Banken komme hinzu, dass in eine solche Bewertung zwangsläufig auch makroökonomische Faktoren einfließen müssten: „Genau das wollen wir aber nicht, wir sind reine Stockpicker.“

Als solcher interessiert sich Erpelding in erster Linie für Firmen, die vornehmlich den lokalen Markt bedienen und trotz moderater Bewertung über einen längeren Zeitraum ein überdurchschnittliches Wachstum erwarten lassen. Hat er einen solchen Titel gefunden, hält er ihn vergleichsweise lange: Die Umschlagsrate seines Fonds liegt bei lediglich 20 Prozent pro Jahr. Von den rund 60 Titeln, die sich derzeit im Portfolio befinden, gehören rund ein Dutzend bereits seit sieben Jahren oder länger dazu – unter anderem der Halbleiter-Hersteller TSMC, der Nahrungsmittelproduzent Want Want China und der türkische Getränke-Konzern Anadolu Efes.

Generell beurteilt Erpelding die Aussichten für die von vielen Anlegern nach wie vor gemiedenen Schwellenländer wieder etwas günstiger als noch vor einigen Monaten: „Einige vom Markt abgestrafte Unternehmen sind mittlerweile durchaus attraktiv bewertet.“ Durch Zukäufe wie Tencent, den thailändischen Kino-Betreiber Major Cineplex oder den Zigaretten-Hersteller BAT Malaysia stieg der Aktienanteil seines Portfolios seit Jahresbeginn von 78 auf 83 Prozent.

Die im Vergleich zum MSCI Emerging Markets am stärksten übergewichtete Region bleibt Lateinamerika und dort speziell Brasilien mit einem aktuellen Anteil von rund 10 Prozent. Auch türkische Aktien sind in Erpeldings Portfolio mit rund 7 Prozent prominent vertreten, während er der von vielen anderen Schwellenländer-Managern geschätzten indischen Börse nur sehr wenig abgewinnen kann: „Der Markt war immer schon recht teuer, und seit dem Amtsantritt von Regierungschef Narendra Modi sind einige Bewertungen in geradezu absurde Höhen gestiegen.“ Derzeit einzige Beteiligung auf dem Subkontinent ist das Logistik-Unternehmen Container Corp of India, dessen Marktanteil am Schienentransport innerhalb Indiens bei rund 80 Prozent liegt.

Ähnlich wie Banque-de-Luxembourg-Manager Erpelding versuchen auch Michael Fraikin und Thorsten Paarmann, die Volatilität der von ihnen betreuten Portfolios zu reduzieren – allerdings nicht durch die zeitweise Beimischung von Renten oder Cash, sondern durch die systematische Auswahl besonders schwankungsarmer Aktien. Ein Konzept, das beim Invesco Pan European Structured Equity Fund auf europäischer Ebene schon seit 2006 sehr gut funktioniert. Seit 2008 setzen die beiden Invesco-Manager es auch global um. Dabei können sich die Ergebnisse des Invesco Global Structured Equity Fund ebenfalls sehen lassen: Auf Sicht von fünf Jahren hat sich das Kapital für einen Euro-Anleger glatt verdoppelt, während der Vergleichsindex MSCI World nur einen Zuwachs von 76 Prozent schaffte.

Nicht ganz so positiv fällt die Bilanz im bisherigen Jahresverlauf aus. Zum Stichtag 19. April liegt der Fonds auf Euro-Basis mit 5,7 Prozent im Minus – was sich zum Teil auf den schwachen US-Dollar zurückführen lässt, zum Teil aber auch auf die Zusammensetzung des Portfolios. „Einige der von uns gehaltenen Banken und US-Technologiewerte haben sich 2016 eher schwach entwickelt“, erläutert Paarmann und nennt als Beispiel J.P. Morgan, Citigroup, Apple und Intel. Hinzu kommt, dass Rohstoffwerte im Invesco Global Structured Equity Fund ebenso wenig vertreten sind wie im BL Emerging Markets. In den entwickelten Ländern gehörten diese Werte aber in den vergangenen Monaten mit zu den besten Performern.

Größere Veränderungen haben Fraikin und Paarmann trotz der jüngsten Underperformance nicht vorgenommen. „Wir nehmen weiter so viel Risiko ins Portfolio, wie es braucht, um eine angemessene Rendite zu erzielen – aber eben auch nicht mehr“, bekräftigt Paarmann. Rohstoffwerte bleiben deshalb weiter tabu, und auch an der recht breiten Streuung auf etwa 100 Einzelwerte, von denen keiner mehr als 2 Prozent einnimmt, soll sich nichts ändern.

Wie für die drei anderen Depots gilt auch für das offensive Depot, die derzeit anfallenden Gewinne laufen zu lassen. Umschichtungen sind bis auf weiteres nicht geplant.

Den aktuellen Stand aller vier Depots per 5. April sehen Sie hier.