Musterdepot-Kommentar vom 24. März 2016 Offensives Depot: Nicht alle Eier in einen Korb

Setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Starcapital-Chef Peter E. Huber (links) und Allianz-GI-Manager Harald Sporleder

Setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Starcapital-Chef Peter E. Huber (links) und Allianz-GI-Manager Harald Sporleder

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Den aktuellen Stand aller vier Musterdepots sehen Sie hier.

Die Aktienmärkte werden wohl noch für eine ganze Weile recht volatil bleiben. Ängste um Konjunktur und Weltwirtschaft sowie die expansive Geldpolitik der Notenbanken sorgen weiter für Unsicherheit. Ganz zu schweigen von der allgegenwärtigen Bedrohung durch islamistische Terroranschläge wie ganz aktuell in Brüssel.

Breit gestreute Investments über diverse Anlageklassen hinweg reduzieren die Risiken eines Portfolios. Die Universität Bochum hat allerdings herausgefunden, dass 35 Prozent der im Rahmen einer repräsentativen Studie ausgewerteten deutschen Depots alles andere als optimal strukturiert sind. Sie bestehen lediglich aus ein bis vier Aktien. Waren Fonds beigemischt, enthielten diese zudem oft dieselben Titel.

Von Diversifikation also keine Spur. Dabei wies Harry Markowitz bereits vor mehr als 60 Jahren die Vorteile eines gut strukturierten Depots nach. In allen Musterdepots setzt die Redaktion deshalb generell auf einen ihrer Meinung nach chancenreichen und gleichzeitig risikooptimierten Mix verschiedener Anlageklassen und Stile.

Im Aufschwung mag das zwar einige Prozentpunkte kosten. Im derzeit volatilen Umfeld zeigen die Depots jedoch eine gewisse Robustheit gegenüber Indizes wie dem Dax, der seit Jahresbeginn einen Verlust von rund 7 Prozent ausweist.

Die Aktienfonds im offensiven Musterdepot (siehe Tabelle) konnten sich nach den herben Verlusten zu Jahresbeginn recht deutlich erholen. Die größten Sprünge im Verlauf des vergangenen Monats machten der global ausgerichtete Invesco Global Structured Equity und der als Mischfonds konzipierte Schwellenländerfonds BL Emerging Markets. Beide konnten sich im Monatslauf um jeweils rund 5 Prozent verbessern.

Offensives Depot: Rückenwind vom Rentenfonds Starcap Argos

     
Fonds Datum erste
Aufnahme
Stücke akt. Wert
in Euro
Depot-
Anteil
Gewinn/
Verlust
Acatis Gané Value Event UI 12/31/2015 31,872 6.956,02 14,2% -0,6%
Allianz Discovery Europe Strategy 12/31/2015 62,859 6.639,82 13,5% -5,1%
BHF Value Leaders FT 12/31/2015 88,771 5.741,68 11,7% -4,3%
BL Emerging Markets 12/31/2015 33,44 5.136,43 10,5% 2,7%
Danske Europe Long-Short Dynamic 12/31/2015 590,57 6.982,87 14,2% -0,2%
Invesco Global Structured Equity 12/31/2015 139,49 5.589,70 11,4% -6,8%
Starcap Argos 12/31/2015 37,453 5.150,51 10,5% 3,0%
Value Intelligence Fonds AMI 12/31/2015 71,174 6.925,98 14,1% -1,1%
Gesamt-Depot 49.123,01 100,0%
Depot-Start am 31.12.2015 mit 50.000 Euro Gewinn/Verlust seit
01/01/2016
-1,8%
Vergleichs-Ergebnisse von fünf repräsentativen Mischfonds, die ein vergleichbares Anlageziel verfolgen
BHF Flexible Allocation FT -4,4%
Blackrock Global Allocation -3,9%
DJE Concept -4,7%
FvS Multiple Opportunities 0,7%
M&G Dynamic Allocation -0,7%
Quelle: DER FONDS/Bloomberg/Infos GmbH Investment Fonds Selection
Auswertungstag: 22. März 2016
Quelle: 22. März 2016


Die beste Entwicklung seit Auflegung des offensiven Musterdepots vor drei Monaten zeigt jedoch aktuell der Starcap Argos von Peter Huber. Der Rentenfonds erwirtschaftete ein Plus von knapp 3 Prozent und gehört damit zu den besten seiner Kategorie im aktuellen Jahresverlauf.

Peter Huber ist bekannt für seine antizyklischen Anlagestrategien im Aktienbereich. Aber auch bei Anleihen geht er gern auf Schnäppchenjagd. Ein großes Thema für ihn sind aktuell die stark gefallenen Energie- und Rohstoffpreise, die nicht nur Aktien aus diesem Sektor in den Keller beförderten, sondern auch Anleihen entsprechender Unternehmen.

„Das hat uns Einstiegschancen eröffnet“ sagt Huber. So hat er etwa bei Unternehmensanleihen großer Gesellschaften wie Glencore, Petrobras oder Anglo American zugeschlagen, denn er geht nicht davon aus, dass diese pleitegehen. Im Gegenteil. Die Konzerne streichen eher Dividenden oder nehmen neues Kapital auf, um ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern, glaubt er und ergänzt: “Schlecht für Aktionäre, aber gut für Anleihebesitzer.“ Ganze 20 Prozent hat er in diesem Bereich investiert.

Der zweite antizyklische Block, in den sich der Vermögensverwalter aus Oberursel nach und nach vorsichtig einkauft, sind auf Fremdwährung lautende Staatsanleihen. Hier setzt er auf verfallene Rohstoffwährungen wie den Brasilianischen Real, den Russischen Rubel oder den Australischen Dollar. Bei europäischen Staatsanleihen sieht Huber dagegen angesichts der Nullzins-Politik der EZB nur wenig Chancen. Da hält er lieber eine hohe Kassaquote von aktuell 27 Prozent.

Etwas mehr Geduld braucht es derzeit für den Allianz Discovery Europe Strategy. Aktuell belastet er das Depot mit einem Minus von 5 Prozent. Allianz-Manager Harald Sporleder kann seinen Fonds marktneutral aufstellen, indem er außer auf klassische Long-Positionen in europäischen Aktien auch auf fallende Titel setzt. Aufgrund der guten Ergebnisse in der Vergangenheit ist das Fondsvolumen auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Um den Fonds weiter optimal verwalten zu können, wurde er im Februar für frische Gelder geschlossen.

Die jüngsten Kursturbulenzen machen allerdings auch dem Long-Short Portfolio zu schaffen. Auf der Long-Seite hat vor allem Yoox, ein italienischer Online-Einzelhändler für Luxusartikel, trotz Bekanntgabe attraktiver Geschäftszahlen unter der fehlenden Risikobereitschaft am Markt gelitten und die Wertentwicklung des Fonds belastet.

Demgegenüber entwickelte sich die Short-Position in Électricité de France am besten. Sporleder setzt mit der Position auf sinkende Strompreise und nachlassenden Verbrauch von Atomenergie, während das Geschäft mit erneuerbaren Energien stetig steigt. Insgesamt bevorzugt der Manager defensive Sektoren wie Gesundheit und Telekommunikation. Short geht er dagegen bei Verbrauchsgütern, denn hier seien die Bewertungen deutlich zu hoch.

Das aktuelle Marktumfeld sieht der Allianz-Manager als sehr herausfordernd an. Ständige Stimmungswechsel ließen derzeit keine klaren Trends erkennen. „Erst im zweiten Halbjahr könnten sich die Märkte nach unserer Einschätzung stabilisieren“, sagt er.

Den aktuellen Stand aller vier Depots per 22. März sehen Sie hier.

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