Nach Dax-Stand von 12.000 Punkten 3 einfache Lehren für die Aktienkultur in Deutschland

Nach Dax-Stand von 12.000 Punkten: 3 einfache Lehren für die Aktienkultur in Deutschland

Langsam nähert sich der Dax-Kursindex wieder seinem Verlaufshoch vom März 2000 bei 6.266 Punkten. Eine gute Gelegenheit, um einen Blick auf die Entwicklung der Aktienkultur in Deutschland zu werfen. Denn nach wie vor haben die Anleger in Deutschland die Auswirkungen der Ereignisse um die Jahrtausendwende nicht verkraftet.

Wer erinnert sich noch an die Zeit, zu der die „Volksaktie“ Deutsche Telekom zu Kursen von über 100 Euro gehandelt wurde und zu der sich Anleger bei jeder noch so kleinen Neuemission zur Zeichnung von Aktien junger Unternehmen am Neuen Markt auf die Lauer legten, um Zeichnungsgewinne einzustreichen? Wir sprechen über den Aktienmarkt in Deutschland zur Jahrtausendwende, während der Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis vom 31-Fachen des Jahresgewinns seiner Unternehmen gehandelt wurde. Zum Vergleich: Heute liegt das Dax-KGV bei etwa 14.

Was ist aus einem Anleger geworden, der damals zum ungünstigsten Zeitpunkt – am 7. März 2000 – in den Dax mit einer Einmalanlage investiert hätte? Er hätte seitdem eine Rendite von etwa 2,3 Prozent per annum erzielt. Obwohl der Dax-Kursindex noch unter seinem Stand von damals notiert, hätten dem Anleger die Dividendenzahlungen der Dax-Unternehmen ins Plus verholfen. Dies wird auch beim Blick auf den Dax-Performanceindex deutlich. Dabei fließen nur etwa ein Drittel der Dividendenzahlungen von Dax-Unternehmen auf Konten deutscher Anleger. Der Großteil der Dividendenzahlungen fließt ins Ausland, was auch die Eigentumsverhältnisse im Dax widerspiegelt.

In der vergangenen Woche hat das Deutsche Aktieninstitut veröffentlicht, dass es in Deutschland im Jahr 2016 knapp neun Millionen Anleger gab, die in Aktien oder Aktienfonds (inklusive Mischfonds) investiert waren. Dies sind rund 3,8 Millionen Anleger weniger als zum Zeitpunkt der Jahrtausendwende. Die starken Kursrückgänge der Jahre 2001 und 2002 im Zusammenhang mit dem Platzen der „TMT“-Spekulationsblase und den Terroranschlägen auf das World Trade Center stecken den Anlegern in Deutschland nach wie vor in den Knochen.

Auch die Subprime-Krise mit der Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008 ist nach wie vor präsent. Besonders tragisch für die Aktienkultur in Deutschland war, dass auch nach den Jahren der Trendwende 2003 und 2008 die Zahl der Aktienanleger in Deutschland weiter gesunken ist. Rückblickend hätten sich gerade in den Jahren 2003 und 2008 Aktienengagements im Dax besonders gelohnt: So hätten Anleger, die mit einer Einmalanlage zu Beginn des Jahres 2003 und 2008 in den Dax investiert hätten, bis heute eine Rendite von 10,47 und 11,68 Prozent per annum erwirtschaftet.

Drei einfache Lehren folgen daraus:

  1. Aktien sind immer dann besonders interessant, wenn sie günstig sind. Antizyklisches Handeln zahlt sich aus!
  2. Bei Aktienanlagen handelt es sich um Langfristanlagen. Je länger der Anlagehorizont, desto geringer das Risiko. In Bezug auf den Dax gab es seit 1966 keine 12-Jahres-Periode in der eine negative Performance erzielt wurde.
  3. Einzelwerte beinhalten ein unternehmensspezifisches Risiko, was man am Beispiel der T-Aktie gut nachvollziehen kann. Risikostreuung ist wichtig.
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Deutschland steht neben der Flüchtlingssituation vor drei großen Herausforderungen: Demographie, Digitalisierung und Elektromobilität. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist es auch wichtig, die Aktienkultur in Deutschland zu fördern. Das Deutsche Aktieninstitut mahnt zu einer staatlichen Förderung von Aktienfondsansparplänen zur Altersvorsorge. Die Fondsgesellschaft Loys hat sich in einem offenen Brief an die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries gewandt, um die Eigenkapitalkultur in Deutschland voranzubringen.

Die Folgen der Digitalisierung und der Elektromobilität werden gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt am Wirtschaftsstandort Deutschland haben. Die Produktivitätszuwächse in der Wirtschaft schreien nach einer größeren Beteiligung der Menschen in Deutschland an Eigenkapitalerträgen. Es wäre doch schön, wenn die Dax-Unternehmen künftig einen Großteil ihrer Dividenden wieder auf Konten von Anlegern in Deutschland überweisen würden.