Nach dem Brexit-Referendum „Aus Investorenperspektive ist der Ärmelkanal breiter geworden“

Björn Jesch ist seit September 2012 Geschäftsführer der Union Investment Privatfonds und leitet das Portfoliomanagement von Union Investment mit knapp 250 Mitarbeitern und rund 190 Milliarden Euro Assets under Management.

Björn Jesch ist seit September 2012 Geschäftsführer der Union Investment Privatfonds und leitet das Portfoliomanagement von Union Investment mit knapp 250 Mitarbeitern und rund 190 Milliarden Euro Assets under Management.

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Aus wirtschaftlicher Sicht kennt das Ergebnis nur Verlierer. Allen voran wird das Vereinigte Königreich unter der Entscheidung leiden. Bislang war die Inselnation für Unternehmen aus Asien und Amerika das Tor zu Europa. Dieser Vorteil geht nun verloren.

Wir rechnen bei Union Investment schon für 2016 mit einem Rückgang des britischen Wirtschaftswachstums auf 1,6 Prozent (nach 2,3 Prozent im Vorjahr). Wäre der Brexit abgewendet worden, hätte das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) viel deutlicher zulegen können. Nach unseren Berechnungen verzichten die Briten auf ein knappes Drittel ihres Wachstums für 2017.

Verglichen damit ist die Einsparung des britischen Netto-Beitrags an die EU von neun Milliarden Pfund fast schon ein „little something“. Zudem ist ungewiss, wie die mehrheitlich pro-europäisch eingestellten Schotten und Nordiren auf das Referendum reagieren. Im schlimmsten Fall könnte der Bestand des Vereinigten Königreichs auf dem Spiel stehen.

Ein Schock für Europa

Für Kontinentaleuropa ist es ebenfalls ein Schock. Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen droht ein institutioneller Dammbruch, denn auch in anderen Ländern dürfte die Austritts-Diskussion an Fahrt gewinnen: in den Peripherieländern (zum Beispiel Italien) als verheißungsvoller Ausweg aus dem deutschen ‚Spardiktat‘, in den Kernländern (wie den Niederlanden), weil finanzielle Lasten ohne die Briten auf noch weniger Schultern verteilt werden.

An den Kapitalmärkten wir daher zunehmend die Möglichkeit einer Kettenreaktion gesehen, das heißt es die Sorge vor einem Zerfasern des europäischen Projektes (inklusive der Währungsunion) wird verstärkt eingepreist.

Nächste Weiche: Spanien-Wahl

Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt die am Sonntag, dem 26. Juni, anstehende Parlamentswahl in Spanien zusätzlich an Gewicht. Dort sagen die Umfragen ein starkes Abschneiden der europakritischen Podemos voraus. Es zeichnet sich abermals eine Hängepartie bei der Regierungsbildung ab.

Verliert das pro-europäische Reformlager wieder einmal eine Wahl, droht ein Erlahmen des Veränderungswillens. Kann in Madrid aber eine stabile und zudem reformfreudige Regierung gebildet werden, dürfte das Signal auch über die iberische Halbinsel hinaus positiv wirken.