Nach Windreich-Insolvenz So hält man den Markt für Mittelstandsanleihen sauber

Gerhard Rosenbauer, Johannes Führ Asset Management

Gerhard Rosenbauer, Johannes Führ Asset Management

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Nach anfänglicher Begeisterung von Investoren und der Presse für Mittelstandsanleihen haben sich in den vergangenen Monaten mehr und mehr kritische Stimmen zu Wort gemeldet. Es ist an der Zeit, die Entwicklung Revue passieren zu lassen, einen Ausblick zu wagen und zugleich für notwendige Reformen zu plädieren.

Der Markt für deutsche Mittelstandsanleihen entstand unmittelbar aus den Folgen der Finanzmarktkrise. Der mit dieser in den Jahren 2008 und 2009 einhergehende Anpassungsprozess bei Bankinstituten (Deleveraging) führte unter anderem dazu, dass die Finanzintermediäre nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt dazu bereit waren, Unternehmen mit ausreichend Finanzmitteln zu versorgen.

Die bestehenden Kreditengagements (Risiken) wurden sogar massiv zurückgeführt. Schlagworte wie Systemrelevanz oder Stresstest prägten die Tagesordnung bei den Finanzinstituten. Mit der geplanten Einführung von Basel III wurde das Problem noch weiter zugespitzt, da die Eigenkapitalanforderungen von Seiten der Aufsichtsbehörden deutlich angehoben wurden.

Leistungsstarker Mittelstand durch Kreditzurückhaltung eingeschränkt

Von dieser Entwicklung wurde insbesondere der deutsche Mittelstand hart getroffen. Die Refinanzierung der Unternehmen war demzufolge erheblich eingeschränkt. Während Großunternehmen zwar einerseits von diesen Veränderungen ebenso betroffen waren, konnten sie jedoch andererseits zumeist den in- und ausländischen Kapitalmarkt „anzapfen“ und somit ihre Finanzierung sicherstellen.

Diese Möglichkeit ist jedoch vielen mittelständischen und familiengeführten Betrieben zumeist verschlossen und verstärkte auch auf der politischen Ebene die Sorgen um die Wirtschaftslage in Deutschland.

Wie wichtig der Mittelstand für die deutsche Wirtschaft ist, belegt nochmals eine Studie des Instituts für Mittelstandforschung (IfM): So erwirtschafteten im letzten Jahr die mittelgroßen Unternehmen rund 30 Prozent der gesamten wirtschaftlichen Leistung des Landes. Deren Umsätze übertrafen sowohl die der deutschen Wirtschaft insgesamt als auch die der mittelständischen Unternehmen in den drei anderen großen Volkswirtschaften der Europäischen Union (Großbritannien, Frankreich und Italien).

Darüber hinaus leisteten die mittelständischen Unternehmen ihren Beitrag zur - vor allem im europaweiten Vergleich - sehr guten Arbeitsmarktlage in Deutschland. Rund ein Drittel von ihnen stellte 2012 zusätzliche Mitarbeiter ein und schuf über 100.000 neue Arbeitsplätze.

Finanzierungsalternative für deutschen Mittelstand

Mit der Emission der Windreich Aktiengesellschaft wurde im Jahr 2010 am deutschen Finanzmarkt ein neues Kapitel aufgeschlagen. Seitdem ist der Markt auf über 100 Anleihen mit einem geschätzten Emissionsvolumen von rund fünf Milliarden Euro gewachsen, also ein durchaus attraktives Marktsegment für viele Investoren.

Die Schwerpunkte liegen aktuell bei Emittenten aus dem verarbeitenden Gewerbe, bei Anleihen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und Immobilien. Unter den Emittenten finden sich eine Vielzahl bekannter Markennamen aus dem deutschen Mittelstand wie die Spirituosenhersteller Underberg und Berentzen, der Süßwarenproduzent Katjes, die Textilhersteller Eterna und Seidensticker, die Modeunternehmen René Lazard, Laurél und More & More.

In der Regel wurden die Anleihen mit einem attraktiven Kupon von über 6 Prozent ausgestattet und boten daher für viele Investoren eine interessante Alternative zu den deutlich niedrigeren Zinsen von Bundesanleihen oder des traditionellen Anlageklassikers der Deutschen, dem Sparbuch.