Nachhaltigkeit „Die rationale Überlegung steht im Vordergrund“

Raphael Lüscher, Fondsmanager des Swisscanto Equity Fund Green Invest Emerging Markets

Raphael Lüscher, Fondsmanager des Swisscanto Equity Fund Green Invest Emerging Markets

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Sie setzen mit dem Swisscanto Equity Fund Green Invest Emerging Markets auf die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch. Ist ein schlichtes Weiterso wirklich nicht möglich?

Raphael Lüscher: Langfristig müssen die Schwellenländer in diesen Mechanismus investieren – und sie machen es auch. Denn zum einen werden die Menschen immer aufgeklärter und dulden das verantwortungslose Wachstum nicht dauerhaft. Zum anderen bringt das Ausmaß an Umweltverschmutzung immense Folgekosten mit sich.

Ein Beispiel?

Nehmen Sie China. Die Luftverschmutzung beeinträchtigt die Gesundheit, was wiederum immense Ausgaben für das Gesundheitswesen nach sich zieht. Pekings Bürgermeister hat aufgrund der starken Luftverschmutzung seine Stadt unlängst als nicht mehr lebenswert bezeichnet. Die Botschaft ist bei den Entscheidungsträgern angekommen. Es sind also rationale Überlegungen die im Vordergrund stehen. Die bereits getroffenen Maßnahmen genügen allerdings noch nicht, es müssen strengere Standards eingeführt werden und auch ökonomische Anreize geschaffen werden. Zudem müssen bei Nichtbeachtung die Bußen auch vollstreckt werden.

Ihre Grundüberzeugung übersetzen Sie in die Investmentstrategie über acht Schlüsselbereiche. Wie kommen Sie auf die?

Die Anzahl ergab sich aus der Themenfindung. Wir haben für unseren Fonds die Bereiche definiert, die wichtig sind im Transformationsprozess der Schwellenländer hin zu einem ressourceneffizienteren und sozialverträglicheren Wirtschaftsmodell. Diese Schlüsselbereiche wirken gewissermaßen als Katalysatoren für ein nachhaltigeres Wachstum. Aufgrund dieser Prüfung entwickelten wir acht relevante Schlüsselbereiche, darunter zum Beispiel Wasser, Gesundheit und Mobilität.

Warum gewichten Sie derzeit die Schlüsselbereiche „Zugang zu Finanzdienstleistungen“, „Energieversorgung und -effizienz“ und „Bildung und Digitale Innovation“ am stärksten?

Die drei genannten Bereiche verfügen jeweils über ein breites Aktienuniversum und weisen aktuell interessante Investmentchancen auf. In vielen Schwellenländern ist beispielsweise der Zugang zu klassischen Finanzdienstleistungen für große Teile der Bevölkerung schwierig. Hier gibt es Banken, die innovative Geschäftsmodelle aufweisen, und beispielsweise über Mikrokredite der Bevölkerung helfen, selbst unternehmerisch tätig zu werden. Bei der Energieversorgung und -effizienz sehen wir hohes Potenzial, die häufig vorhandene Umweltbelastung mit wettbewerbsfähigen Technologien deutlich zu verringern. Und von den Themen Bildung und Digitale Innovation erwarten wir eine höhere Wertschöpfung, die fundamental wichtig für jede Volkswirtschaft ist.

Gehen Sie Top-Down an diese Sektorengewichtung heran oder ist die Positionierung Beiprodukt eines puren Bottom-up-Auswahlprozesses?

Die Schlüsselbereiche sind in der Tat aus einer Top-Down-Perspektive identifiziert. Die Portfoliozusammensetzung und die entsprechende Sektorengewichtung erfolgt ausschließlich aufgrund des Bottom-up-Auswahlprozesses.