Nachhaltigkeit-Investments „Neuer Energieschub für Green Bonds zu erwarten“

Windturbinen neben einer Transformatorenstation des Betreibers TenneT im Offshore-Windpark „Amrumbank West“ bei Helgoland | © Getty Images

Windturbinen neben einer Transformatorenstation des Betreibers TenneT im Offshore-Windpark „Amrumbank West“ bei Helgoland Foto: Getty Images

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Christopher Wigley, Senior Fixed Income Portfolio Manager

Was genau macht eine Anleihe zu einem Green Bond? Warum geben immer mehr Unternehmen und Regierungen diese Zinstitel aus? Und welche Marktbereiche wachsen am stärksten? Das erklärt Christopher Wigley, Portfoliomanager bei der auf nachhaltige Investments spezialisierten Tochtergesellschaft von Natixis Asset Management, Mirova, anhand von sieben Fragen zum Markt für Green Bonds:

Was ist der Unterschied zwischen einem Green Bond und einer normalen Anleihe?

Christopher Wigley: Green Bonds sind strukturiert wie herkömmliche Anleihen. Sie werden gegenüber Staatsanleihen mit einem Aufschlag (Spread) gehandelt, während die Liquidität identisch ist. Das Besondere an einem Green Bond ist, dass damit ökologische Projekte finanziert werden, etwa in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Wasserwirtschaft. Außerdem verpflichtet sich der Emittent, regelmäßig – meist jährlich – über die Umweltleistungen dieser Projekte zu berichten. Die Zielsetzung ist bei einem Green Bond also nicht nur finanzieller,  sondern auch ökologischer Natur.

Wie ist dieser neue Markt entstanden?

Der erste Green Bond wurde 2007 von der Europäischen Investitionsbank ausgegeben. In den ersten Jahren waren die Emittenten ausschließlich große multinationale Entwicklungsbanken, wie eben die Europäische Investitionsbank oder die Weltbank. Doch ab 2012 kam es im Zuge der weltweiten Finanzkrise zu einem exponentiellen Wachstum. Denn die Emittenten wollten ihre Anlegerbasis diversifizieren. Seither wächst der Green Bond-Markt jedes Jahr deutlich, abzulesen am stetig steigenden Emissionsvolumen. Auch 2016 war ein starkes Jahr, mit einem Volumen für Neuemissionen von über 49 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtmarkt hat mittlerweile ein Volumen von 112 Milliarden US-Dollar erreicht.

Eine weitere interessante Entwicklung besteht darin, dass nicht mehr nur multinationale Entwicklungsbanken, sondern auch Unternehmen Green Bonds ausgeben. Und obwohl alle Bereiche wachsen, übertrifft der Corporate-Bereich – mit einem Anteil von etwa 28 Prozent am Volumen aller Neuemissionen – die anderen Bereiche inzwischen deutlich.

Insbesondere die Versorger möchten sich zu nachhaltigen Unternehmen entwickeln und ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren. Deshalb setzen sie verstärkt auf erneuerbare Energien. Auf dieser Grundlage haben in Europa zuletzt Versorger aus Spanien, Österreich, Italien und den Niederlanden neue Green Bonds ausgegeben. In den USA ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. So hat etwa der Stromversorger Southern Power, der dabei ist, sich zu einem der größten Anbieter von erneuerbarer Energie zu entwickeln, im November 2016 einen Green Bond mit einem Volumen von 900 Millionen US-Dollar aufgelegt – den siebten Green Bond des Unternehmens insgesamt.

Weshalb war das Wachstum im Vorjahr 2016 besonders stark?

Ein wesentlicher Grund für den starken Anstieg bei den Neuemissionen 2016 waren sicherlich die Impulse durch das Pariser Klimaabkommen. Über 100 Länder, darunter mit China, den USA und Indien die drei größten Verursacher von Treibhausgasemissionen, haben sich auf das Ziel geeinigt, die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Damit verbunden sind umfassende politische Zusagen durch die Regierungen.

Die Europäische Union verpflichtet sich, ihre CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, während die USA eine Reduzierung um 26 bis 28 Prozent bis zum Jahr 2025 zugesagt haben. Natürlich sind dies im Moment erst einmal Ankündigungen. Doch die dahinterstehenden Bemühungen werden jetzt als notwendig anerkannt und von Bürgern, Regierungen und Unternehmen akzeptiert.