Nachhaltigkeits-Experte von LBBW AM 2 Wege, ein Portfolio CO2-neutral aufzustellen

Steffen Merker managt den Fonds LBBW Nachhaltigkeit Aktien bei LBBW Asset Management

Steffen Merker managt den Fonds LBBW Nachhaltigkeit Aktien bei LBBW Asset Management

Nachhaltigkeit liegt im Trend. Ob Bio-Lebensmittel, Car-Sharing oder Fair-Trade – Umweltbewusstsein und nachhaltiges Handeln sind gefragter denn je. Aber nicht nur Verbraucher, sondern auch Unternehmen beginnen, Konsequenzen zu ziehen und stellen ihre Investitionen auf den ökologischen Prüfstand.

Ihnen bleibt nichts anderes übrig: Denn auch die Politik hat klar Stellung bezogen. Mit dem 2015 in Paris geschlossenen UN-Klimaschutzabkommen haben sich fast 200 Staaten dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Das bedeutet unter anderem, dass laut Daten der Carbon Tracker Initiative (2013) bis 2050 nur noch maximal 565 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen werden dürfen – das ist ein Fünftel der Menge, die beim Verbrauch der vorhandenen kohlenstoffhaltigen Ressourcen entstehen würde, zum Beispiel beim Verbrennen dieser Rohstoffe für die Energiegewinnung.

Die Folge: Bei Aktien von Unternehmen, die fossile Brennstoffe anbieten oder verbrauchen, könnten die Reserven falsch bewertet sein. Die Aktien dieser Unternehmen könnten massiv an Wert verlieren, wenn sie ihre Geschäftsmodelle nicht überdenken.

Institutionelle Investoren werden klimaneutral

Schon heute spielt die von vielen Experten in diesem Zusammenhang erwartete „Carbon Bubble“ – also die Kohlenstoffblase – eine immer zentralere Rolle bei Anlageentscheidungen von großen institutionellen Investoren. Sie setzen im ersten Schritt auf sogenannte Divestments, also den Verkauf von besonders kontroversen Unternehmen, die mit einem hohen Treibhausgasausstoß verbunden sind. Ein Beispiel für ein solches Vorgehen liefert der mit einem verwalteten Vermögen von rund 840 Milliarden Euro größte Staatsfonds der Welt, der Norwegische Pensionsfonds. Das Fondsmanagement verkaufte in den vergangenen Jahren bereits bedeutende Beteiligungen an Kohleunternehmen.

Damit steht der Norwegische Pensionsfonds nicht alleine da: Der Rockefeller Brothers Fund, der ein Vermögen von etwa 860 Millionen US-Dollar verwaltet, verkündete 2014 den Ausstieg aus der Öl- und Kohleindustrie. Große Versicherer wie Axa und Allianz haben nachgezogen und investieren inzwischen verstärkt in erneuerbare Energien. Die verschärfte Neufassung der EU-Pensionsfondsrichtlinie (IORP II) wird diesen Trend unter institutionellen Investoren voraussichtlich noch verstärken. Denn diese sieht vor, dass ab 2019 alle Pensionskassen in Europa verpflichtet sind, mögliche Klimarisiken in ihren Portfolios aufzudecken und zu kommunizieren.

Dies geht einher mit einer Zunahme nachhaltiger Investments. Laut einer Studie der Global Sustainable Investment Alliance (GSIA) werden mittlerweile mehr als ein Viertel der weltweit verwalteten Vermögenswerte nachhaltig gemanagt. Im Jahr 2016 betrug das Volumen insgesamt rund 23 Billionen US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 25 Prozent gegenüber 2014. Ein Trend, der sich weiter fortsetzen und entsprechende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben dürfte.