Aktien Die Volatilität kehrt zurück

EZB-Zentrale in Frankfurt: Marktteilnehmer haben Angst vor Geldpolitik ohne Wirtschaftsstütze.  | © Pexels

EZB-Zentrale in Frankfurt: Marktteilnehmer haben Angst vor Geldpolitik ohne Wirtschaftsstütze. Foto: Pexels

In einem Aspekt war die abgelaufene Kalenderwoche historisch: Nicht nur, dass der Volatilitätsindex (Vix), der von vielen Marktteilnehmern auch als Angstbarometer bezeichnet wird, in den USA um über 100 Prozent auf das höchste Level seit August 2015 stieg. Die tatsächliche Tagesveränderung jener Volatilität des US-amerikanischen Aktienmarktes (S&P 500) war sogar noch nie so hoch seit Beginn der Datenreihe Anfang der 1990er Jahre. Kommt nun jene Volatilität an die internationalen Kapitalmärkte zurück, die über die vergangenen Jahre durch die expansive Geldpolitik der globalen Zentralbanken niedrig gehalten wurde?

Alle Märkte zugleich unter Druck

So kamen nicht nur die Aktienmärkte unter Druck, sondern auch die Rohstoff- und Rentenmärkte. Für Letztere scheinen insbesondere die besser als erwarteten Arbeitsmarkt- und Lohndaten aus den USA ein wichtiger Auslöser gewesen zu sein. Höhere Löhne könnten die derzeit noch verhaltene Inflation steigen lassen und die US-Notenbank (Fed) dazu veranlassen an ihrer Zinsschraube weiter zu drehen.

Zwar können die Gesamtinflationsraten primär durch den Ölpreis erklärt werden, doch die Kerninflation sollte ebenfalls aufgrund sich einengender Produktionslü-cken graduell weiter steigen. US-inflationsindexierte Anleihen preisen jenes Szenario bereits in zunehmendem Maße ein und auch die Wahr-scheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der nächsten Fed-Sitzung im März stieg auf über 80 Prozent an – aus unserer Sicht der erste von drei Zinsschritten im laufenden Jahr.

Doch trotz erster Zinserhöhungen ist die globale Geldpolitik nach wie vor akkommodierend und die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind zudem immer noch günstig. Ungeachtet zuletzt leicht schwächerer Konjunkturdaten aus den USA und China, scheint sich die Verbesserung des globalen Konjunkturumfelds auch zu Beginn des neuen Jahres fortzu-setzen und legt damit die Grundlage für anhaltendes Wachstum der Weltwirtschaft über Potenzial in den kommenden Monaten. Allerdings scheinen sich erste Risse im aktuellen Goldilocks-Szenario (solide wirtschaftliche Expansion, Verbesserung der Unternehmensgewinne und stabile Inflation) aufzutun:

Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen, dass sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr allmählich abschwächen könnte.

Die Bewertung in einzelnen Vermögensklassen ist trotz steigender Unternehmensgewinne mittlerweile teuer geworden (u.a. S&P 500 oder bei Anleihen im Hochzinssegment).

Die Normalisierung der internationalen Geldpolitik im Zuge eines steigenden Inflationsdrucks scheint unseres Erachtens an den Kapi-talmärkten nicht vollständig eingepreist zu sein.

Anzeichen, dass die Märkte zu selbstgefällig geworden sind, indem politische Risiken unzureichend Beachtung finden, die Stimmung unter Investoren extrem optimistisch ist bzw. Anleger geringe Barreserven vorhalten oder die Gewinnrevisionen im Zuge der US-Steuerreform deutlich nach oben hin angepasst wurden (=konträres Signal).

Makroökonomische Ungleichgewichte haben sich über die letzten Jahre aufgebaut (z.B. selektiv überhitzte Immobilienmärkte, Anstieg der Verschuldung im nicht-finanziellen Unternehmenssektor in den USA).