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01.12.2009 18:18
Rubrik: Berater

Leseraktion Honorarberatung: Quirin-Banker meldet sich zu Wort

Quirin Bank am Berliner Ku'damm

Es kommt Bewegung in die Diskussion rund um die Honorarberatung und das von der Quirin Bank geforderte Provisionsverbot. Nachdem sich bereits zahlreiche unabhängige Finanzberater zum Thema „Honorarberatung, die bessere Finanzberatung?“ geäußert haben, meldet sich nun der erste Vermögensberater der Quirin Bank zu Wort.

Wie nicht anders zu erwarten, bricht Colin Binnenbruck, Vermögensbegleiter bei der Quirin Bank Köln, eine Lanze für seinen Arbeitgeber und sein Beratungsmodell. Da die Quirin Bank weder offene noch versteckte Provisionen annehme, können sie die Kunden auch klar in den Mittelpunkt der Beratung stellen. „Die Honorarberatung erzwingt im positiven Sinne eine Interessengleichheit von Kunde und Berater“, erklärt Binnenbruck.

"Die Quirin Bank investiert, ohne einen Euro an staatlichen Subventionen, in ein Zukunftsmodell"

In einem Punkt stimmt Binnenbruck seinem Vorredner Michael Deising ("Die Beratungsqualität nimmt durch Honorarberatung nicht zwangsläufig zu") , MD Finanz- und Versicherungsmakler, eindeutig zu: „Richtig ist auch, dass Honorarberatung nicht automatisch die bessere Beratung ist. Auch hier hängt sehr viel von der Kompetenz der Berater ab.“ Die Qualitätskomponente sieht Binnenbruck bei der Quirin Bank mit ihren „ausnahmslos“ gut ausgebildeten und erfahrenen Berater jedoch klar gegeben.

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Den Vorwurf, dass die Quirin Bank bis dato Verluste schreibt und sich das Beratungsmodell folglich nicht rechnet, will Binnenbruck so nicht stehen lassen: Andere Banken häufen aufgrund verfehlter Geschäftspolitiken hohe Verluste an, für die dann der Steuerzahler aufkommen muss. „Die Quirin Bank investiert hingegen, ohne einen Euro an staatlichen Subventionen, in ein Zukunftsmodell“, so der Quirin-Banker. Die Entwicklung verlaufe planmäßig – ab Ende 2010 wollen man schwarze Zahlen schreiben.

"Vermögende Kunden zahlen beim Honorarmodell der Quirin Bank drauf"

Auch Investmentberater Tobias Vonderau („Honorarberater sind keine Samariter“)  macht sich um die Einnahmeseite der Quirin Bank keine Sorgen. Im Gegenteil, seiner Meinung nach kommen vor allem auf gut betuchte Kunden beim Honorarmodell der Quirin Bank deutlich höhere Kosten zu, als bei einer klassischen Beratung gegen Provision. Dabei rührt das Gros der Gebühren nicht aus dem eigentlichen Beratungshonorar, sondern aus der volumenabhängigen Depotvergütung.

„Der Millionär, der sich dem Berater anvertraut, der verdeckte Provisionen vereinnahmt, zahlt also de facto deutlich weniger. Wenn der Berater seine verdeckten Provisionen offenlegt, kann der Anleger vergleichen, welches Modell für ihn das passende ist“, so Vonderau.

Eine Alternative zu den Bestandsvergütungen sieht er jedoch nicht („Honorar- oder Finanzberatung ohne Bestandsvergütung oder eine gewinnabhängige Vergütung würde zum Kollaps sämtlicher Banken führen.“) und hält diese sogar für sehr sinnvoll. Erfolgsabhängige Vergütungen motivieren den Berater, für den Anleger dauerhaft gute Ergebnisse zu erzielen.

"Kernproblem sind Abschlussgebühren aller Art"

Das Kernproblem sieht Vonderau in den Abschlussvergütungen zu denen nicht nur Ausgabeaufschläge bei Fonds und die Provisionen bei Versicherungsprodukten sondern eben auch teure Beratungshonorare gehören. „Hier zahlt der Kunde vorab, ohne wirklich zu wissen, was ihm seine Anlage später einmal wirklich bringt“, so Vonderau.

Vonderau weiter: „Die Diskussion sollte demnach nicht über eine flächendeckende Einführung von Honorarberatung geführt werden, sondern vielmehr über das Verbot von Abschlussvergütungen beziehungsweise Honoraren, die der Anleger zahlt, ohne zu wissen ob seine Anlage später erfolgreich ist oder nicht.“

>> alle Lesermeinungen zum Thema Honorarberatung im Überblick

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Max Million, 02-12-09 15:13:
Werter Herr Binnenbruck,

interessant, was Sie so schreiben, aber ich sehe Ihnen nach, dass Sie das müssen. Allein der Titel Ihres Beitrags suggeriert mir zumindest, dass Sie momentan schwer bemüht sind „fair, anständig und transparent“ zu beraten. Ist es also Ihr Ziel oder machen Sie es schon?

Sie wünschen sich richtigerweise eine sachliche Diskussion. Also, zu Ihren Punkten mit Blick auf das Preisverzeichnis der quirin bank:

1a. Das Hintertür-Modell

quirin zahlt doch die Bestandsvergütungen aus? Anschließend nimmt sie die Bestandsvergütungen aber über die Depotgebühr in Höhe von 1,65 %, min. 1.400 Euro doch wieder ein. Ist es also kein Trick durch die Hintertür? Das klingt vielmehr nach „rechte Tasche, linke Tasche“.

Ihre Depotgebühr ist viel teurer als die klassische Provision für Beratung und Kauf eines Wertpapiers.

Mal ein Beispiel: Ich kaufe für 100T€ ein Rentenpapier mit 5 Jahren Laufzeit. Jetzt muss ich bei quirin jedes Jahr 0,6 % von 100T€, also 600 Euro + 900 Euro Flatrate zahlen. D.h. über 5 Jahre zahle ich insgesamt 7.500 Euro. Wofür? Die Provisionsbank empfiehlt auch ein Rentenpapier und nimmt einmal i.d.R. 0,5% zzgl. eine geringe bis kostenlose Depotgebühr. Also einmal 500 Euro. Das finde ich ehrlich gesagt fairer als in ihrem Modell: Beratung. Kauf. After-Sales-Service. Fertig.


1b. Zwanghafte Wertpapier-(fummelei)

Und das ist der eigentliche Vorwurf: Da ein beträchtlicher Teil der Einnahmen von quirin aus den Depotgebühren resultiert, liegt doch auf der Hand, dass die Berater bemüht sein werden, Ihre Kunden zu Depotanlagen zu bewegen. Wie unabhängig sind Sie also wirklich? Sie können sich nicht dem Vorwurf erwehren, dass man bei ihrem Modell die Kunden in jedem Falle zu Wertpapieranlagen bewegen muss, um ordentliche Erträge für die Bank zu schreiben.

Honorarberater nehmen ja gerne die Lehman-Oma in Schutz, was ich richtig finde, da die Dame eine schlechte bis weniger als gar keine Beratung von der Citibank bekommen hat. Wenn aber doch die Lehman-Oma zu ihnen kommt, dann glaube ich einfach nicht, dass ihr Vermögen nicht in ein Wertpapierdepot gezwängt wird, obwohl vielleicht ein Festgeld die beste Lösung für die Frau wäre. Sind Sie bei der quirin bank (mit den aktuellen Zahlen) in der Situation einen Kunden abzuweisen, weil er nicht zur Bank passt? Oder versuchen Sie den Kunden zu Wertpapieranlagen zu „überreden“?


1c. Wo ist der signifikante Unterschied zur Provision?

Wenn ich jetzt den Rest meiner Million, also 900T€ in verschiedenen Assets anlegen möchte, dann zahle ich für Aktien jedes Jahr 1,20 %. Für eine 15 Jahre laufende Beteiligung zahle ich 0,8 % jedes Jahr - sind summa summarum auch 12%. Einen signifikanten Unterschied zur Provision kann ich hier leider nicht erkennen.

Für mich liegt hier nur der Verdacht nahe, dass man unter dem Deckmantel der Honorarberatung jemanden vorgaukeln möchte, dass man absolut unabhängig ist. Wie unabhängig sind Sie aber wirklich von Wertpapieranlagen? Echtes Private Banking bezieht alle Assets des Kunden mit ein.

2a. Falsche Behauptungen aus dem quirin-Lager

Ich stimme ich Ihnen zu, dass Honorarberatung nicht automatisch die bessere Finanzberatung ist. Aber genau das propagiert quirin zur Zeit, insbesondere durch die Petition. Es wird suggeriert, dass Provisionsberatung schlecht und Verursacher der Krise ist. Das finde ich einfach nicht korrekt. Ich würde mir wünschen, dass Sie diese Werbeaktion stoppen, da es ihnen m.E. auch nur um privatwirtschaftliche, also ihre eigenen Interessen geht.

2b. Mag sein, dass sich quirins Mitarbeiter von der Provisionsberatung freigemacht haben und plötzlich mit Heiligenschein beraten. Provisionsberatung und Interessenskonformität müssen sich aber nicht ausschließen. Wenn das Portfolio vernünftig strukturiert ist und wächst, der Kunde über die Risiken informiert ist, dann spielt die Art der Vergütung auch eine untergeordnete Rolle. Gute Berater wissen das. Und sehr gute Berater wissen auch, dass es sich auszahlt mit den Kunden langfristig zusammenzuarbeiten. Ob die Vergütung dann Provision oder Honorar heißt, ist vollkommen egal.

3. Zu den roten Zahlen: Ich halte es für äußerst unangemessen eine Petition erwirken zu wollen und die Geschäftspraktiken der Banken zu kritisieren, wenn man selbst (vielleicht noch) keine schwarzen Zahlen schreibt. Ich gebe Ihnen recht, wenn Sie sagen, dass Investitionen einen Zeitrahmen brauchen, bis sie sich rechnen. Nur wenn die Krise sich verschärfen sollte und die Menschen sich nach mehr Sicherheit und Stabilität sehnen, dann habe ich Sorge um ihr Geschäftsmodell.
Colin Binnenbruck, 08-01-10 15:27:
Werter Herr Million (oder wer immer sich hinter diesem Namen verbirgt ),

Die Welt der Honorarberatung ist insgesamt deutlich differenzierter zu sehen, als in Ihrem Beitrag suggeriert wird. Deshalb möchte ich mich in der Beantwortung Ihres Beitrags, der viele Themen und Fragen aufwirft , auf ein Beispiel konzentrieren, das Sie selbst angeführt haben: die Thematik der Rentenpapiere.
1. Es gehört nun wahrlich nicht zum Beratungsalltag einer normalen provisionsgesteuerten Bank, ihren Kunden Rentenpapiere für 100 Tausend Euro zu verkaufen. Das Gegenteil ist der Fall. Die normale Bank wird versuchen, ihrem Kunden hauseigene Produkte, Zertifikate, aktiv gemanagte Fonds etc. ins Depot zulegen, also Produkte ,an denen sie deutlich mehr verdient, als in dem von Ihnen genannten Beispiel.
2. Das von Ihnen genannte Beispiel unterstellt, dass die Strategie „Kaufen und Liegenlassen“ auch weiterhin Gültigkeit hat. Wenn uns die Finanzkrise eines gelehrt hat, dann dies: die Buy and Hold-Strategie greift nicht mehr. Was es braucht, ist ein aktives Risikomanagement. Genau dieses muss eine gute Beratung heute mehr denn je leisten. Gerade bei Rentenpapieren zeigt sich bei aktueller Betrachtung im Übrigen, wie wichtig ein solches Risikomanagement ist. Die aktuelle Trendwende an den Rentenmärkten macht dies erneut deutlich
3. Sollte sich wirklich ein Anleger für 100 Tausend Euro Rentenpapiere ins Depot legen wollen, so ist dies sein gutes Recht. Es handelt sich dann in aller Regel aber um einen sogenannten Selbstentscheider. Genau diese Kundengruppe braucht keine Honorarberatung oder wird sie für sich nicht in Anspruch nehmen wollen.

Ihr weiterer Vorwurf der „zwanghaften Wertpapierfummelei“, wie Sie es nennen, hat ebenfalls keinen Bestand. Die quirin bank macht nur Gewinn, wenn der Kunde Gewinn macht. Darin liegt ja gerade die große Stärke des Geschäftsmodells. Deshalb haben wir im kritischen Börsenjahr 2008 auch die Gelder unserer Kundendepots weitgehend in Festgeld allokiert. Nur so ist es gelungen, Kundenvermögen nicht nur zu erhalten sondern darüber hinaus eine positive Rendite zu erwirtschaften. Zum Nutzen unserer Kunden und der Bank!

Und schließlich, was unsere Petition angeht: da lassen sie doch einfach mal die Bürger entscheiden, was die gut und richtig finden. Wir sind an dieser Stelle sehr entspannt und sehen einem weiteren Wettbewerb der beiden Modelle mit großem Interesse entgegen. Und wenn am Ende der Markt entscheidet, ob Provision oder Honorar oder vielleicht beides, dann wäre das aus unserer Sicht auch nicht die schlechteste Lösung.

Wenn Sie wirklich Interesse an einer sachlichen Diskussion und an der Beantwortung der von Ihnen aufgeworfenen Themenstellungen haben, lade ich Sie herzlich in die quirin bank nach Berlin zu einem persönlichen Gespräch ein. Eines darf ich Ihnen an dieser Stelle heute schon versichern: Bei uns schmeckt der Kaffee ebenso gut wie in einer Provisionsbank!

Mit freundlichen Grüßen und allen guten Wünschen für Sie

Ihr Colin Binnenbruck
Max-a-Million , 20-01-10 14:47:
Sehr geehrter Herr Binnenbruck,

kann es sein, dass es Ihr Mittel ist alle "normalen Banken" schlecht zu machen? Mir scheint es so, als wäre es das Mittel der quirin bank, wenn ich mir den gesamten Auftritt anschaue (Mogelpackungen, Provisionsverbot etc.). Das ist wirklich sehr einseitig und pauschal. Sagen Sie doch mal, was Sie - Sie persönlich - dazu befähigt alles besser zu machen?

ZU DEN RENTEN: Sie können ja auch 10 oder 20 verschiedene Staatsanleihen für insgesamt 100TEU kaufen. Die hohen Gebühren von 1.500 EUR jedes Jahr für das Nichtstun bleiben.

ZWANGHAFTE WERTPAPIERFUMMELEI: Das bekommen Sie nicht entkräftet. Sie zwingen die Kunden ihre Gelder "ins Depot zu legen", so wie Sie es nennen. Meines Erachtens wollen Sie nur Depotgebühren und Honorare kassieren und erzählen einem dafür wie schlecht die Banken sind. Dabei kann keiner sagen, ob die Honorarberatung die tatsächlich "bessere Finanzberatung" ist. Oder schicken Sie auch Kunden (mit Blick auf die Geschäftszahlen der quirin bank) wieder weg?
Ihr aktives Risikomanagement klingt für mich nur nach purer Wertpapier-Zockerei. Glauben Sie etwa nicht, dass ein Unternehmen wie ThyssenKrupp seinen Börsenwert über Jahre steigern kann, weil es Jahr für Jahr immer höhere Gewinne ausweist? Was ist also an Buy-and-Hold verkehrt?

ZU DER PETITION: Lassen wir die Bürger entscheiden... Nur Sie haben ja schon entschieden: Um die 1.600 Mitzeichner. Hat die quirin bank nicht über 5.000 Kunden? Da ist man sich wohl noch uneins...

Danke für den Kaffee, aber er scheint ja nicht besser zu sein als bei uns. Und unserer schmeckt richtig schlecht.

Grüße
MM

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