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10.03.2009 15:24
Rubrik: Berater

Berliner Brainstorming: Neue Regeln für den Finanzvertrieb

Quelle: Fotolia

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner sieht gute Chancen für eine Vereinbarung von Mindeststandards für Finanzberater. In Gesprächen mit Branchenvertretern hätten diese sich offen für eine möglichst gleiche Qualifizierung der Berater gezeigt, sagte die Ministerin während einer Fachkonferenz. Es gebe das Interesse, „einheitliche Standards einzuführen und die Spreu vom Weizen zu trennen“.

Noch bestehen, je nach Finanzprodukt, für den Vermittler große Unterschiede hinsichtlich der Anforderungen, die er erfüllen muss. So sind in Deutschland laut Finanzmarktrichtlinien-Umsetzungsgesetz (FRUG) weder die Beratung zu Investmentfonds noch die zu geschlossenen Fonds erlaubnispflichtig. Wer hingegen Versicherungen verkaufen will, muss eine Sachkundeprüfung ablegen und sich bei der regionalen Industrie- und Handelskammer (IHK) registrieren.

Für die Fachtagung „Anforderung an die Finanzvermittlung – Verbraucherschutz im Zeichen der Finanzmarktkrise“ hatte Aigner die Vertreter von Banken, Versicherern, Verbraucherorganisationen und der freien Finanzdienstleister eingeladen, um den Dialog über Vorschläge für die weitere Regulierung des freien Finanzvertriebs zu führen. Die Ministerin sprach sich dabei für eine Mindestqualifikation analog zur Versicherungsbranche aus. Auch die „Anreizsysteme“ für Finanzberater gehörten auf den Prüfstand, sagte die CSU-Politikerin. Es könne nicht sein, dass viele Vermittler nicht von den Bedürfnissen des Kunden, sondern von Anreizsystemen, sprich der Provision gelenkt würden.

Möglichkeiten für einen Kompromiss sieht Aigner auch bei der Honorierung der Berater. Als Alternative zu den üblichen Provisionen komme hier eine Vermittlungs- und Beratungsgebühr in Betracht, die der Kunde zu zahlen habe.

Checkliste für Verbraucher

Die Fachkonferenz in Berlin mit 200 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft soll laut Aigner den Startschuss für eine „Qualitätsoffensive Verbraucherfinanzen“ geben. „Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher sich durch die Finanzwelt bewegen, brauchen sie einen verlässlichen Routenplaner für die Finanzberatung", sagte sie.

Aigner kündigte darüber hinaus an, ihr Ministerium werde kommende Woche eine Checkliste veröffentlichen, die den Verbrauchern wichtige Tipps zur Vorbereitung für ein Beratungsgespräch liefere. Der Kunde könne sich daran orientieren, was er genau mit seiner Geldanlage erreichen wolle und welche Fragen er stellen sollte. Damit solle „stets das Produkt ermittelt werden, das für die Bedürfnisse des Kunden am besten geeignet ist, unabhängig davon, wer berät“, sagte die CSU-Politikerin. Zugleich dringt die Ministerin darauf, für alle Vermittler verbindliche Mindestqualifikationen einzuführen. Bislang dürfe sich jeder unabhängig von der Ausbildung Finanzberater nennen.

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