Reguliert bis über beide Ohren
Noch schwer im Magen liegen der Vertriebsbranche die einschneidenden Regulierungen der vergangenen Jahre. Die Angst geht um: Führt die aktuelle Finanzkrise zu neuen Auflagen, Vorschriften und Beschränkungen für Berater und Vermittler?
Elf Tage Verwaltungsarbeit extra pro Jahr allein durch die Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) – die Hochrechnung der Marktforscher von Psychonomics überrascht nicht: Demnach fühlt sich die Hälfte der Vermittler noch nicht optimal auf die Veränderungen in den Vertriebsprozessen vorbereitet und glaubt sich zu wenig von den Produktgebern unterstützt.
Vor allem die im Sinn von Transparenz und Verbraucherschutz eingeführten aufwendigen Beratungs-, Informations- und Dokumentationspflichten für die Vermittlung von Versicherungen lassen die Betroffenen aufstöhnen. Neben der VVGReform haben aber auch die Versicherungsvermittler- (VVR) und die Finanzmarktrichtlinie (Mifid) zu einschneidenden Veränderungen geführt.
Der 1. Januar 2009 ist dabei ein wichtiger Stichtag: Das Vermittlerregister, das als Auskunftei sowohl für Verbraucher als auch für Versicherungsgesellschaften dienen soll, ist dann scharf geschaltet. Bis Jahresende 2008 müssen prinzipiell alle Vermittler registriert sein, die Zeit drängt.
„Monatelang lagen wir bei täglich 250 Registrierungsanträgen, derzeit erreichen uns bis zu 500“, sagt Tino Müller, Projektleiter für das Vermittlerregister beim Deutschen Industrieund Handelskammertag (DIHK).Müller rechnet damit, dass die Bugwelle der Anträge auch noch ins erste Quartal 2009 hinüberschwappt, denn längst nicht alle Anträge werden vollständig eingereicht.
200.000 Vermittler im Register
Dank dem Vermittlerregister existiert erstmals eine offizielle Zahl, wie viele Vermittler auf dem deutschen Markt tatsächlich agieren. Wurden in der Vergangenheit immer wieder Schätzungen von rund einer halben Million Berater und Vermittler genannt, wird nun klar: Es sind deutlich weniger registriert, aktuell knapp über 200.000. Jedoch: „Das Register ist noch weit entfernt, eine valide Beraterzahl zu liefern“, schränkt Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistungen, ein. Grund: Viele Berater, insbesondere die nebenberuflichen, werden sich in den vom Register nicht erfassten Tippgeberstatus begeben. Sie liefern ihren registrierten Kollegen nur Kundenkontakte zu.


























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