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06.09.2010 10:27
Rubrik: Berater

Privatinsolvenzen: Deutschland auf dem Weg zum Pleite-Rekord

Quelle: Fotolia

69.417 Personen haben im ersten Halbjahr Privatinsolvenz angemeldet, deutlich mehr als im ersten Halbjahr 2009. Nun droht laut Bürgel Schuldenbarometer für 2010 gar ein neuer Negativrekord für Deutschland.

Privatinsolvenzen: Deutschland auf dem Weg zum Pleite-Rekord
Das Jahr 2007 war bislang das schwärzeste, was die Zahlungsunfähigkeit privater Haushalte betraf. 137.000 Fälle von Privatinsolvenzen standen damals zu Buche. Die Halbjahreszahlen, die das Bürgel Schuldenbarometer veröffentlichte, deuten darauf hin, dass zum Jahresende 2010 diese Rekordmarke übertroffen werden könnte.

69.417 Fälle in den ersten sechs Monaten 2010 bedeuten gegenüber dem ersten Halbjahr 2009 (61.517), dass 12,8 Prozent mehr Personen private Insolvenz anmelden mussten. „Die aktuelle Entwicklung droht das bisherige Rekordjahr 2007 mit 137.000 Fällen zu übertreffen“, warnt Norbert Sellin, Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Bürgel, einem Unternehmen für Wirtschafts- und Bonitätsinformationen sowie Inkassodienstleistungen. Entsprechend gehen die Hamburger in ihrer Jahresprognose für das Jahr 2010 von 140.000 Privatinsolvenzen aus.

Nord-Süd-Gefälle bei den Privatpleiten

Die meisten Privatinsolvenzen verzeichnet das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 14.999 Fällen. Aussagekräftiger als die absoluten Zahlen sind die relativen Werte. Demnach schneiden vor allem die nördlichen Bundesländer schlecht ab. Spitzenreiter ist die Hansestadt Bremen mit 167 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner.

Während der Bundesdurchschnitt bei 85 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner rangiert, gehören Niedersachsen mit 115 Privatpleiten je 100.000 Einwohner und Schleswig-Holstein (114) mit zu den Verlierern. Indes kamen Bayern (63 je 100.000 Einwohner), Baden-Württemberg und Thüringen (je 68) mit vergleichsweise moderaten Werten davon.

Fakt ist: Sämtliche Bundesländer sind von einer Zunahme an Privatinsolvenzen betroffen. Am stärksten stiegen die Fallzahlen in Thüringen (plus 49,0 Prozent), Nordrhein-Westfalen (plus 26,0 Prozent) und Berlin (plus 21,7 Prozent).

Größte Steigerung der Insolvenzfälle bei jungen Erwachsenen

In der jüngsten Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen ist die Zahl der Insolvenzfälle im ersten Halbjahr 2010 gegenüber dem Referenzzeitraum des Vorjahrs um 47,9 Prozent gestiegen. Auch die 26- bis 35-Jährigen verzeichnen hier ein zweistelliges Plus von 18,5 Prozent. Den einzigen Rückgang konnten die Über-60-Jährigen verbuchen: Hier sanken die Fallzahlen um 3,3 Prozent.

###BOX_15###

Ursachen einer Privatinsolvenz sind in erster Linie Arbeitslosigkeit, Veränderung der familiären Situation (Trennung oder Scheidung) sowie unpassendes Konsumverhalten bezogen auf das Einkommen. Daneben können auch Krankheiten, Unfälle, Sucht, aber auch gescheiterte Immobilienfinanzierung beziehungsweise Selbstständigkeit sowie dauerhafte Niedrigeinkommen den Weg in die Schuldenfalle weisen.

Laut Bürgel betrifft hohe Privatverschuldung insbesondere jüngere, in Gelddingen unerfahrenere Menschen mit in der Regel geringerem Finanzierungsspielraum.

Von: Oliver Lepold

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Aufmerksamer Leser, 06-09-10 15:42:
und durch die Möglichkeit der Privat-Insolvenz werden in der Folge die in die Insolvenz getrieben, die auf ihren berechtigten Forderungen sitzen bleiben. Es ist ein mehr als zweiseitiges Schwert.
Bei vorsätzlich und betrügerischer Zahlungsverweigerung soll aber häufig ein massives R+P-Inkasso helfen?

Das Wissen um Geld (es kommt nicht aus dem Geldautomaten, so wenig, wie eine Kuh lila ist und die Milch aus dem Kühlregal im Supermarkt kommt)sollte schon in der Schule beigebracht werden. So z.B. dass es eine Gegenleistung (Arbeit, Waren, Dienstleistungen) erfordert.

Aber wenn die Werbung schon sagt: "Kauf heut, zahl morgen!" oder auch nie......
Besserwisser , 07-09-10 14:16:
Stimme "Aufmerksamer Leser" voll zu. Die Möglichkeit der Privatinsolvenz ist m. E. der falsche Weg, er animiert zum Schuldenmachen ohne dafür einstehen zu müssen. Wo bleibt die Eigenverantwortung für das eigene Handeln? Andere bleiben auf ihren Forderungen sitzen und gehen dadurch pleite. Hier ist schon die Schule gefragt. Unsere Kinder kennen sich auf Borneo bestens aus aber die wirklich wichtigen Dinge wie den Umgang mit Geld lernen sie nicht oder zu spät.

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