AWD, DVAG, MLP und OVB: Vertriebstitanen im Vergleich
Schon 2008 verhagelte die Finanzmarktkrise das Ergebnis der großen Finanzvertriebe. Nun liegen die Zahlen für 2009 vor, und es wurde nicht besser – die größten vier bankenunabhängigen Finanzvertriebe Deutschlands im Vergleich.
Zweistellige Rückgänge bei Provisionserlösen und Ergebnis sind derzeit die Regel. Auch die früher so ertragsträchtigen Auslandstöchter brachten den Finanzvertrieben im vergangenen Jahr kein Extra-Plus – ganz im Gegenteil.
Die MLP Finanzdienstleistungen AG verlor 10,1 Prozent der Provisionserlöse und erzielte 424,6 Millionen Euro – komplett im Inland, da das Auslandsgeschäft unter anderem in Österreich und den Niederlanden verkauft wurde.
Damit wies MLP von den vier großen deutschen Finanzvertrieben den geringsten Rückgang auf. Die DVAG erzielte 10,4 Prozent weniger Provisionserlöse, blieb aber dennoch mit 1,097 Milliarden Euro über der Milliarden-Marke. AWD und OVB wurden vor allem im Ausland gebeutelt und erzielten 16,5 beziehungsweise 22,5 Prozent weniger Provisionserlöse als im Vorjahr (siehe Tabelle).
>>zur Vertriebstitanen-Tabelle als PDF
Dennoch landeten drei der vier Vertriebstitanen im Gewinnbereich: Die DVAG wies ein EBIT (Jahresüberschuss vor Steuern und Zinsen) von 217,3 Millionen Euro aus - ein Rückgang um 6,8 Prozent. MLP musste einen Rückgang von 25 Prozent vermelden und wies 42,2 Millionen beim Ergebnis aus. OVB schließlich landete mit 9,6 Millionen Euro noch knapp im grünen Bereich (minus 66,6 Prozent). AWD hingegen schrieb rote Zahlen: Ein Verlust von 41,1 Millionen Euro stand beim EBIT 2009 zu Buche.
Deutschlandgeschäft: Flaute trifft alle gleichermaßen
Betrachtet man nur das Deutschlandgeschäft, so liegen die vier großen Strukturvertriebe absolut gesehen zwar auf unterschiedlichem Niveau, von dem Ausmaß des Geschäftsrückgangs jedoch alle ungefähr auf einer Linie: Zwischen -9,6 Prozent (OVB) und -10,8 Prozent (AWD) bewegte sich der prozentuale Rückgang im Deutschlandgeschäft. Dabei verfolgen die Allfinanzvertriebe DVAG, AWD, MLP und OVB unterschiedliche Geschäftsmodelle:


























Leider haben die Handelsvertreter selber einen erheblich geringeren durchschnittlichen Umsatz. So werden nur ein Teil der Provisionen an diese weitergegeben. Im Fall des AWD ca. 65% (Quelle Halbjahresbericht 2009). Damit sinkt der Pro-Kopf-Umsatz erheblich. Von diesen Einnahmen muss der Handelsvertreter dann selber seine unternehmerischen Kosten (Büro, Auto, Telefon etc.) und seine private Absicherung (KV, Altersversorgung etc.) tragen.
Da bleibt dann nicht mehr viel zum Leben. Da es in jedem Vertrieb immer einige sehr gut verdienende Mitarbeiter gibt, wage ich gar nicht zu berechnen, wie hoch der Umsatz / mögliche Gewinn eines „normalen“ hauptberuflichen Mitarbeiters ist.
Über die Konsequenzen eines nicht ausreichend verdienenden Mitarbeiters möge sich jeder selber seine Gedanken machen. Denn Faulheit kann man den Mitarbeitern im Strukturvertrieb am seltensten vorwerfen.
Wolfgang Ruch
Ruch Finanzberatung GmbH
Umsatzrückgang wodurch? Selbst der dümmste Verbraucher merkt halt irgendwann, ob er beraten oder verkauft wurde!
Dort kann ich schnell und unabhängig vergeleichen und spare noch dabei...
Jetzt frage ich mich, was da wohl dran ist und ob ich mir den beruflichen Umstieg nicht noch einmal gründlich überlegen sollte? Kennt jemand diesen "Machiavelli der europäischen Allfinanz"? Oder kann mir jemand sagen, welches Unternehmen gemeint sein kann?
Kommentar schreiben