Portrait: Ein Hamburger Jung
Vor zehn Jahren erhielt Yasin Sebastian Qureshi eine Banklizenz. Damals war der heutige Varengold-Vorstand und erfolgreiche Manager eines Hedge-Dachfonds 25 Jahre alt – jünger als jeder andere Gründer eines deutschen Geldhauses.
Die entscheidende Schlacht verliert das Piratenschiff von Playmobil vor 24 Jahren. Yasin Sebastian Qureshi bekommt 1984, mit elf Jahren, einen Commodore 64. Der Computer, kurz C 64 oder des Aussehens wegen „der Brotkasten“, ist das Hightech-Spielzeug der 80er Jahre. Er bereitet Millionen von Kindern auf die digitalen Dekaden vor, und für Qureshi ist der PC der Beginn einer Leidenschaft und die Basis seiner Karriere.
Qureshi ist der jüngste Gründer einer deutschen Bank. Mit nur 25 Jahren erhält er 1998 eine Banklizenz. Heute ist er Vorstand der Varengold Bank, leitet einen der erfolgreichsten Hedge-Dachfonds, den es auf dem deutschen Markt gibt, und ist besessen von Zahlen: „Sie sind ein Versuch, die erheblich komplexere Realität zu verstehen.“ Qureshi ist ein typischer Hamburger Jung. Bei einem Treffen in einem italienischen Bistro am Hamburger Hafen fehlt ihm jede Attitüde eines arrivierten Hedge-Fonds-Managers oder klassischen Bankers.
Er ist schlaksig, groß, schüchtern und verschmitzt, ein norddeutscher Michel mit indischen Wurzeln. Ein paar Stockwerke höher, im lichtdurchfluteten Büro der Bank, werden Handelshistorien einzelner Fonds, die als Investment für den Hedge-Dachfonds infrage kommen, überprüft. Rückrechnungen von Einzeltransaktionen können schnell zum Problemwerden. Das Kalkulationsprogramm Excel lässt nur rund 65.500 Datenzeilen zu. Ein Ärgernis für die diplomierten Zahlenfresser. „Der Herr Diehl, der kann sich da schon mal mächtig aufregen“, sagt Qureshi. Der Herr Diehl, Leiter des quantitativen Portfoliomanagements, isst gerade eine zweite Vorspeise und lächelt. Während sich die Mitarbeiter untereinander duzen, schätzt die Führungsebene „das professionelle hanseatische Sie“.
„Menschliche Psyche ist nicht rational“
Qureshi ist ein Kind der Achtziger, Jahrgang 73 – indischer Vater, daher Yasin, deutsche Mutter, daher Sebastian. Er wächst in Hamburg-Barmbek auf. Barmbek ist nicht der feine Salon der Hansestadt, eher der aufgeräumte Werkraum; ein ehrliches Viertel, viel Backstein, viele Arbeiter – und ganz viel HSV: „Da bin ich undiplomatisch, hart und direkt.“ Am Commodore wird er 1984 zum Eroberer von Basic, Bits und Bytes, und Piratenschiffe legen nur noch virtuell in den Spieleklassikern „Hanse“ und „Kaiser“ ab. Er ist ein erster Nerd im Zeitalter der Datasette und liebt das Programmieren, die Formeln und entdeckt als Teenager den Terminmarkt. Die selbst geschriebenen PC-Programme lassen die künstliche Computerintelligenz handeln: „Die menschliche Psyche ist zum rationalen Handeln auf den Finanzmärkten nicht imstande“, sagt Qureshi.
























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