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01.04.2009 16:21
Rubrik: Fonds

„Markowitz funktioniert nicht mehr“

Alexander Seibold

Im Chaosjahr 2008 stieg der Dachfonds Constant Profit Global (WKN A0M13T) um fast 20 Prozent. Zum positiven Ergebnis haben vor allem Indexfonds beigetragen. DAS INVESTMENT.com sprach mit Fondsmanager Alexander Seibold von der gleichnamigen Vermögensverwaltung über den Erfolg in der Krise und die Rolle einer Asset Allocation

DAS INVESTMENT.com: Bis Mitte 2008 ging es für Ihren Fonds fast 30 Prozent nach unten. Ende des Jahres stand dann ein Plus von 20 Prozent. Zumindest der Chart sieht abenteuerlich aus. Können Sie dieses Geschaukel einordnen?

Alexander Seibold: Wie fast jeder Investor sind wir im Januar 2008 auf dem falschen Fuß erwischt worden und waren schneller 6 Prozent hinten, als uns lieb war. Das ging alles wahnsinnig fix. Im Juni haben wir dann auf eine erste Besserung gehofft, vergebens. Dann haben wir das Portfolio glatt gestellt. Als dann die Probleme um Fannie Mae und Freddie Mac kamen, und dazu das Lehman-Desaster, haben wir das Portfolio gedreht. Wir haben Short-Indexfonds gekauft, und daraufhin von den fallenden Märkten enorm profitiert.

DAS INVESTMENT.com: Welche Lehren ziehen Sie aus dem vergangenen Jahr?

Seibold: Ein erfolgreiches Management kann nur noch über einen risikogesteuerten Ansatz umgesetzt werden. Ich habe noch nie etwas von diesen typischen Berateranätzen gehalten: Ziehe von 100 dein Lebensalter ab, und das Ergebnis verrät dir, wie viel Prozent an Aktien dein Portfolio verträgt. Das ist Blödsinn. Eine Lehre aus 2008 muss sein: Buy-and-hold, kaufen und liegenlassen, funktioniert nicht, und Markowitz funktioniert auch nicht mehr.

DAS INVESTMENT.com: Sie stellen den Aufbau einer Asset Allocation in Frage.

Seibold: In der Theorie kennt Markowitz nur das unkorrelierte Risiko. Gäbe es das, wäre eine Asset Allocation in der Tat ein sehr gescheiter Ansatz. Aber dem ist nun mal nicht so: In der Krise geht alles runter. Das hat 2008 gezeigt. Universitätsstiftungen haben massiv verloren, der riesige norwegische Pensionsfonds hat Milliarden verloren. Ich habe in Handelsabteilungen gearbeitet und gelernt, jeden Trade gemäß seines Risikos zu kalkulieren. Wenn ich weiß, dass sich eine Welle vier Meter hoch aufbäumen kann, dann muss ich den potenziellen Schaden kalkulieren und mich schützen. Ich kann nicht im Nachhinein feststellen, dass alles kaputt ist, und mir attestieren, dass die Zerstörungen nun mal in der Natur solcher Ereignisse liegen.

Von: Malte Dreher

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