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20.04.2009 11:45
Rubrik: Fonds

„Wir erleben eine klassische Bärenmarkt–Rally“

Neil Dwane

Neil Dwane leitet seit 2004 von Frankfurt und London aus das europäische Aktienfondsmanagement von Allianz Global Investors. Gemeinsam mit seinem Frankfurter Kollegen Jörg de Vries–Hippen verantwortet Dwane den ältesten Europa–Aktienfonds einer deutschen Gesellschaft, den im Januar 1959 aufgelegten Industria. Im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com erläutert er, warum er dem jüngsten Kursaufschwung nicht traut, bei ausgewählten Aktien aus der Region aber dennoch zum Kauf rät.

DAS INVESTMENT.com: Sie sind mit dem Industria deutlich besser in Ihr Jubiläumsjahr gestartet als viele andere europäische Aktienfonds. Was waren die Hauptgründe?

Dwane: Für uns hat es sich ausgezahlt, dass wir Finanzwerte nach den frustrierenden Erfahrungen des Jahres 2008 deutlich untergewichtet haben. Zudem haben wir im Rest unseres aus nur rund 60 Unternehmen bestehenden Portfolios eine recht gute Einzeltitelauswahl getroffen, unter anderem im Gesundheitssektor. Wir glauben, dass es auch in den folgenden Monaten sehr stark auf Qualität ankommen wird.

DAS INVESTMENT.com: Derzeit machen die Märkte gar nicht diesen Eindruck. Die größten Kursgewinne seit dem Turnaround erzielen Firmen, die als wenig solide gelten.

Dwane: Das ist einer der Gründe, warum wir der jüngsten Kurserholung nicht über den Weg trauen. Wir erleben eine klassische Bärenmarkt–Rally, geboren in der überverkauften Situation Anfang März. Ermutigt durch die Wucht der Aufwärtsbewegung sehen viele Kommentatoren das Glas nun plötzlich eher halb voll als halb leer. Doch die Welt außerhalb der Börsensäle ist noch genauso rau wie Anfang März, der nahtlose Beginn eines neuen Bullenmarktes folglich recht unwahrscheinlich. Wer im gegenwärtigen Umfeld Aktien kauft, sollte dies nicht nur im Vertrauen auf weiter steigende Kurse tun.

DAS INVESTMENT.com: Sondern?

Dwane: Ein sehr wichtiges Kriterium ist die Dividendenrendite. Bezogen auf den aktuellen Aktienkurs zahlen einige der vielleicht besten Unternehmen Europas 7 bis 9 Prozent, während Staatsanleihen teilweise mit weniger als 3 Prozent rentieren. Das macht die Entscheidung für das Richtige relativ leicht. Natürlich muss sichergestellt sein, dass die Dividende nicht nur in diesem, sondern auch noch in den nächsten Jahren fließt. Bei solide aufgestellten Firmen wie BASF, Eon, RWE oder auch den meisten Telefongesellschaften scheint die wirtschaftliche Basis dafür jedoch allemal gegeben. Hinzu kommt, dass sich die Aktionärsstruktur vieler europäischer Firmen in den vergangenen Jahren verbreitert hat. Sie ist viel internationaler als früher, und das macht es einer Unternehmensführung schwer, die Dividende ohne Not zu kürzen.

Von: Egon Wachtendorf

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