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22.06.2009 13:21
Rubrik: Fonds

„Von 100 Ideen, die wir entwickeln, funktionieren 99 nicht“

Leo Willert

Mit einem selbstentwickelten mathematischen System ließ der Wiener Dachfondsmanager Leo Willert den MSCI–Weltindex seit Anfang 2008 um mehr als 30 Prozentpunkte hinter sich. Im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com verrät Willert, wie viel Energie er Tag für Tag in diesen Erfolg steckt und warum er Fußball–Fragen grundsätzlich mit einem gewissen Augenzwinkern beantwortet.

DAS INVESTMENT.com: Am 5. September kommt Ihr Lieblings–Fußball–Team, die Nationalmannschaft der Färöer–Inseln, wieder nach Österreich. Anlass ist das WM–Qualifikationsspiel in Graz. Ich nehme an, Sie werden im Stadion sein?

Willert: Wirklich? Das wusste ich nicht, den Termin trage ich mir jetzt sofort in den Kalender ein. Aber im Ernst: So sehr schwärme ich gar nicht für dieses Team. Die Antwort auf Ihre entsprechende Frage damals war eher augenzwinkernd gemeint, weil es mit dem österreichischen Fußball im Moment leider nicht allzu weit her ist.

DAS INVESTMENT.com: Das haben wir uns schon gedacht. Gibt es denn für die österreichischen Fans wenigstens Hoffnung auf Besserung?

Willert: Ich fürchte nein. Wobei ich nicht so recht weiß, woran es liegt. Auf internationaler Ebene schneidet Österreich In den U–16– und teilweise sogar noch in den U–19–Meisterschaften gar nicht so schlecht ab. Wir schaffen es aber trotz massivstem Mitteleinsatz nicht, irgend etwas davon in den Profi–Fußball hinüberzutransportieren. Dasselbe gilt auf Vereinsebene: Austria Wien oder Red Bull Salzburg nehmen richtig Geld in die Hand und reißen in den europäischen Wettbewerben trotzdem nichts.

DAS INVESTMENT.com: Bei Ihrem Dachfonds C–Quadrat Arts Total Return Dynamic stellt sich das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ganz anders dar. Sie drücken einmal in der Woche auf ein paar Knöpfe, Ihr Computer spuckt die neuen Favoriten–Märkte aus, und Sie setzen das Ganze dann lediglich eins zu eins um.

Willert: Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Abgesehen von der ursprünglichen Programmierung ist der Aufwand, den wir betreiben, um das System aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, alles andere als gering. Inzwischen beschäftigen sich damit außer mir 13 weitere Mitarbeiter in Vollzeit.

DAS INVESTMENT.com: Wofür konkret betreiben Sie all diesen Aufwand?

Willert: Unter anderem, um neu auf den Markt gekommene Produkte wie Exchange Traded Funds zu analysieren. Noch mehr Zeit verwenden wir allerdings darauf, die dem System zugrunde liegenden Algorithmen zu verbessern. Von 100 Ideen, die wir dabei entwickeln, funktionieren zwar 99 nicht, aber die eine, die es doch tut, verbessert die Performance über die Jahre spürbar.

DAS INVESTMENT.com: Woher nehmen Sie diese Ideen?

Willert: Immer wenn der Computer uns eine Umschichtung vorschlägt, die mir merkwürdig vorkommt, notiere ich das in meinem Trading–Tagebuch und schreibe auch hinzu, was ich selbst stattdessen getan hätte. Hätte ich rückblickend besser abgeschnitten, versuche ich aus dem Grund für meine anders geartete Entscheidung eine Regel zu formulieren – zum Beispiel für die Frage, welche Kennzeichen möglichst treffsicher einen Turnaround an den Aktienmärkten ankündigen. Anschließend untersuche ich den Einfluss dieser Regel auf die Performance der Vergangenheit. Zeigt sich von 1990 an betrachtet in sehr vielen Situationen ein positiver Effekt, baue ich die Regel ins System ein.

Die aktuellen Tabellen der Deutschen Fondsliga, wo der C–Quadrat Arts Momentum Total Return Dynamic in der Gruppe der flexiblen Dach –und Mischfonds seinen Spitzenplatz verteidigt hat, finden Sie hier

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Von: Egon Wachtendorf

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