Pfusch am Bau
Offene Immobilienfonds sind wieder einmal geschlossen. Der Konstruktionsfehler der Produkte lässt sich nicht durch Kosmetik beheben. Nur ein radikaler Umbau der Regeln kann sie retten.
Julian Taylor hatte keine Wahl. 67 Millionen Euro sollte das schwedische Bürogebäude ihm in die strapazierte Fondskasse spülen. Doch kurz vor dem geplanten Verkauf platzte das Geschäft mit einem deutschen offenen Immobilienfonds: Kein Geld für neue Käufe, hieß es am 3. November aus Frankfurt. Schließlich haben viele offene Immobilienfonds nicht einmal mehr Geld, um Anlegern ihre Anteile abzunehmen. Zwölf Fonds sind derzeit geschlossen.
Taylor zog nach und schloss seinen Aviva European Property für zunächst 28 Tage. Seine Kassenquote sank von 26 Prozent im Januar auf unter 9 Prozent im Oktober, weil immer mehr Anleger flohen. Derweil frieren auch Australier Immobilienfonds ein, Franzosen bewerten die Gebäude in ihren Immobilienfonds neu, und die ungarische Finanzaufsicht hat den Handel mit Immobilienfonds-Anteilen kurzfristig komplett untersagt.
Immobile Werte in mobilen Vehikeln
Einmal mehr erweist sich, wie tückisch es sein kann, immobile Werte in äußerst mobile Vehikel wie Fonds zu verpacken. „Es gibt mittlerweile eine Menge Bedenken darüber, dass diese Fonds als Alternative zu Aktien und Renten verkauft wurden“, sagt Mick McAteer, bei der Europäischen Union Berater der Verbraucherschützer. „Privatanleger müssen die mit den Fonds verbundenen Risiken begreifen, und vor allem die Liquiditätsrisiken sind ihnen häufig nicht klargemacht worden.“
In Deutschland treten sie bereits zum zweiten Mal innerhalb von gut drei Jahren deutlicher hervor, als Anleger sich das wünschen können. Schon Ende 2005 hatte die Deutsche Bank ihren Immobilienfonds geschlossen, und andere Anbieter waren nachgezogen. Verkaufen können Anleger Anteile der betroffenen Fonds, die über rund 40 Prozent der in offenen Immobilienfonds in Deutschland angelegten Gelder verfügen, auch heute wieder allenfalls an der Börse – freilich mit Abschlägen.
Ganz offensichtlich haben die kosmetischen Änderungen an der Regulierung der Fonds, die der Gesetzgeber Ende 2007 vorgenommen hat, zu wenig bewirkt. Jetzt soll es wieder neue Regeln geben. Der Präsident des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI), Wolfgang Mansfeld, glaubt, eine striktere Beschränkung für institutionelle Anleger sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „Wir müssen die Fonds vor institutionellen Investoren schützen“, sagt er. Bereits Anfang 2006 hatte der Verband vorgeschlagen, Großinvestoren mit einem Anlagevolumen von mindestens einer Million Euro über eine einjährige Kündigungsfrist zu disziplinieren.
























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