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17.01.2012 14:12
Rubrik: Fonds

Michael Keppler: „Die preiswertesten Aktien gibt es in Osteuropa “

Michael Keppler, Manager des GAF Major Markets High Value
und des GAF Major Markets Emerging Markets

Ihr spezieller Managementansatz bescherte den Value-Klassikern GAF Major Markets und GAF Emerging Markets über viele Jahre hinweg Top- Renditen. Derzeit läuft es dagegen überhaupt nicht rund. Fondsmanager Michael Keppler erklärt warum

DAS INVESTMENT.com: Was hat 2011 mit Ihrer Länderauswahl nicht gestimmt?

Michael Keppler: 2011 war ein Jahr, in dem Sie alle Erfahrungen des Investierens an den internationalen Aktienmärkten vergessen mussten, um erfolgreich zu sein.

Nehmen Sie beispielsweise den MSCI World, der seit 1969 inklusive Dividenden eine Rendite von 6,1 Prozent jährlich erzielt hat. Da die kleinen Märkte langfristig eine höhere Wertsteigerung haben als die großen, kam die gleichgewichtete Variante im selben Zeitraum auf 8,8 Prozent. Eine Kombination der preiswertesten Top-Value-Märkte erzielte sogar 11,5 Prozent pro Jahr.

In den vergangenen zwölf Monaten dagegen war diese Relation auf den Kopf gestellt: Der MSCI World hatte mit minus 2,4 Prozent die höchste Rendite, gefolgt von der gleichgewichteten Variante mit minus 10,9 Prozent. Die preiswertesten Aktienmärkte dagegen verloren 16,7 Prozent. Da gab es für uns keinen Blumentopf zu gewinnen.

DAS INVESTMENT.com: Welche Börsen haben Ihnen denn im vergangenen Jahr die größten Verluste beschert?

Keppler: In den etablierten Märkten waren es unter anderem Österreich, Frankreich und Deutschland, in den Schwellenländern Russland, Polen und Ungarn. Gerade in Osteuropa sind jedoch derzeit die preiswertesten Aktien überhaupt zu finden.

DAS INVESTMENT.com: Auch in italienischen Titeln sind Sie derzeit prominent vertreten. Erwarten Sie, dass die Euro-Krise 2012 zu einem positiven Ende kommt?

Keppler: Ich persönlich halte von Frau Merkels Sparpolitik jedenfalls mehr als von Herrn Bernankes Ankurbelungsbemühungen auf Pump. Sieht man von einigen Finanztiteln ab, geht es den Unternehmen in Europa sehr gut. Mit 4,2 Prozent liegen die Dividendenrenditen dort im Durchschnitt fast doppelt so hoch wie jene amerikanischer Aktien, die zurzeit mit 2,2 Prozent rentieren.

Wir wissen aus Erfahrung, dass hohe Dividenden für den langfristigen Anlageerfolg sehr wichtig sind. Insofern sind die Aussichten für europäische Aktien deutlich besser als die Aussichten für den US-Markt. Ob sich das bereits 2012 bemerkbar macht, wird sich zeigen.

DAS INVESTMENT.com: Im Major-Markets-Fonds gehört Japan mittlerweile zu den größten Positionen – obwohl Sie dem Land gegenüber viele Jahre lang sehr negativ eingestellt waren. Wann hat sich diese Meinung geändert und was erwarten Sie 2012 von der Tokioter Börse?

Keppler: Abgesehen von einem kurzen Intermezzo zwischen 1994 und 1995 waren wir in Japan seit Mitte der 80er Jahre nicht mehr investiert. Ende 1989 waren japanische Aktien fast dreimal so teuer wie der amerikanische Aktienmarkt vor dem Crash im Oktober 1929. Darüber hinaus fiel die Überbewertung auch noch mit einer Immobilienblase zusammen. Erst Anfang vergangenen Jahres – leider vor dem Tsunami – haben wir uns dort wieder engagiert.

Nach 22 Jahren haben sich viele der Ungleichgewichte in Japan bereinigt. Insbesondere reizen uns die attraktiven Buchwerte und Cashflows der japanischen Unternehmen. Die Dividendenrenditen sind zwar absolut mit 2,7 Prozent nicht so üppig wie unsere durchschnittlichen Dividendenrenditen im GAF Major Markets von rund 4,4 Prozent. Im Vergleich mit japanischen Renten sind sie jedoch sehr attraktiv.

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DAS INVESTMENT.com: Welche anderen Länder haben Sie 2011 neu in Ihre Fonds aufgenommen?

Keppler: Im GAF Major Markets haben wir im August Norwegen gekauft und im Gegenzug England abgestoßen – im Rückblick leider ebenfalls etwas zu früh. Im GAF Emerging Markets finden sich nach mehrjähriger Abstinenz erstmals wieder chinesische Aktien. Sonst gab es dort keine Veränderungen.

DAS INVESTMENT.com: Und welche Länder stufen Sie derzeit als besonders unattraktiv ein?
Keppler: Bei den Industriestaaten gilt das derzeit unter anderem für Kanada, Schweden, die Schweiz, die USA und Dänemark. Im Bereich der Emerging Markets halten wir Chile, die Philippinen, Indonesien und Mexiko für zu teuer.

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