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19.05.2009 16:57
Rubrik: Märkte

„Brot-und-Butter-Schiffe kommen früher aus der Krise“

Dirk Schildwächter

Dirk Schildwächter, Vorstand des Schiffsemissionshauses Gebab, über die Marktaussichten für Containerfrachter, die Vorteile einer AG und unternehmerisch denkende Anleger.

DAS INVESTMENT.com: Die Wirtschaftskrise schlägt auf den Schiffsmarkt durch. Gegenwärtig sind rund 480 Containerfrachter ohne Beschäftigung. Das entspricht mehr als 10 Prozent der Gesamtflotte, die Überkapazität beträgt 1,3 Millionen Containerstellplätze (TEU). Wird sich die Situation nochzuspitzen?

Dirk Schildwächter: In den kommenden Monaten wird weitere Tonnage an den Markt kommen, was die Überkapazitäten verstärken und die Charterraten noch weiter unter Druck setzen wird. Doch sollte man den Markt nicht pauschal beurteilen, denn die 200 noch abzuliefernden großen Containerfrachter verzerren das Bild.

DAS INVESTMENT.com: Wie wird das Bild denn stimmig?

Schildwächter: Wir haben beim Bremer ISL Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik eine Studie über den Ausblick für Containerschiffe in Auftrag gegeben. Ergebnis dieser Studie ist, dass sich insbesondere für kleinere Schiffe der Größenordnung bis zu 3.000 TEU ab 2010 die Nachfragelücke deutlich verkleinern wird und wir dort noch im Jahr 2012 mit einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage rechnen können. Damit ist Licht am Ende des Tunnels – auch wenn es noch um die Ecke scheint. Für die größeren Schiffe entspannt sich allerdings laut ISL erst ab 2013 der Markt langsam.

DAS INVESTMENT.com:  Und woran liegt das?

Schildwächter: Die größten Wachstumsraten verzeichneten in den vergangenen Jahren Schiffe mit mehr als 4.000 und bis zu 12.000 TEU. Die noch vergleichsweise jungen großen Containerfrachter, von denen auch noch eine ganze Zahl in den Orderbüchern steht, übernehmen vorrangig den Langstreckenverkehr etwa zwischen Europa, USA und China. Sie sind damit besonders stark von der Eintrübung der Weltwirtschaft betroffen. Die unteren Größenklassen sind flexibler, da sie auch kleinere Häfen anlaufen können und überdurchschnittlich oft auf kleineren Rundreisen im Einsatz sind. Zudem gibt es im „Brot-und Butter"-Schiffssegment bis 3.000 TEU ein erhebliches Verschrottungspotenzial, da etliche Schiffe über 25 Jahre alt sind und wenige Neubauablieferungen dieser Größe noch kommen. Damit kann der Überkapazität gegengesteuert werden. In die ISL-Studie ist übrigens die aktuelle, nochmals nach unten korrigierte Prognose des Internationalen Währungsfonds eingeflossen, die für 2009 einen Rückgang des Welthandels um rund 11 Prozent erwartet.

Von: Markus Deselaers

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