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10.03.2009 18:29
Rubrik: Hintergrundinformationen

Immergrüne Theorie

Die Portfoliotheorie von Harry Markowitz bleibt der Grundstein jeder Asset Allocation. Selbst die Finanzkrise setzt sie nicht außer Kraft ­ wenn man ein paar Besonderheiten beachtet.

Der 602A ist ein Wunderwerk moderner Technik. Er ist so groß wie ein Reisekoffer beherrscht die vier Grundrechenarten und stanzt die Ergebnisse auf eine Lochkarte. Historische Bedeutung erlangt der Steinzeitrechner aus dem Hause der International Business Machines Corporation (IBM) jedoch durch einen ganz besonderen Bediener: Harry Markowitz. Der damals 32-jährige Kapitalmarktnovize berechnet in den 50er Jahren mit einem 602A der Welt erstes Idealportfolio. Die Zutaten: neun Aktien und Cash.

,,Ich wollte eigentlich ein Portfolio aus 25 Aktien berechnen, aber wir haben es nicht hinbekommen", erzählt er fast ein halbes Jahrhundert später in einem Gespräch mit Steve Buser vom amerikanischen Finanzverbund. Schon bei diesen wenigen Aktien habe er damals genug Zeit für ein gutes Buch gehabt, während der Rechner rappelte. Was am Ende herauskommt, ist ein kleines Depot für ihn, aber ein großes für die Menschheit: Markowitz öffnet den Zugang zu einer völlig neuen Dimension, bestehend aus einer Vielzahl von Modellen und theoretischen Annahmen.

Doch das Fundament des Markowitz'schen Theoriegebäudes bröckelt. Eigentlich grundverschiedene Geldanlagen verlieren in der aktuellen Finanzkrise in verheerender Eintracht an Wert, ganze Märkte brechen zusammen. Schon werden Stimmen laut, die die heile Welt der Modelle infrage stellen. ,,Die moderne Portfoliotheorie ist tot", heißt es von manch frustriertem Marktteilnehmer. Aber ist sie das wirklich?

Die Grundlagen

Mit den Zutaten eines idealen Aktienportfolios beschäftigt sich Markowitz bereits als Student. Ein deutlich niedrigeres Risiko als einzelne Aktien soll es haben und dabei mindestens ebenso hohe Gewinne abwerfen, schreibt der spätere ,,Mann des Jahrhunderts" (,,Pension Magazine") 1952 in einem 15-seitigen Aufsatz. Um das zu erreichen, nutzt Markowitz aus, dass sich Aktien zuweilen unabhängig voneinander bewegen. Ihm gelingt es als Erstem, die gegenläufigen Aktien so zu kombinieren, dass am Ende ein Portfolio entsteht, das sich insgesamt deutlich ruhiger bewegt als jede einzelne Aktie.

Von: Andreas Scholz

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