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15.04.2009 16:00
Rubrik: Märkte

Roundtable Finanzberatung: „Umsatz auch in der Baisse“

Von links: Wolfram Lohre, Ralf Mielke, Thomas Heß,
Achim Wilhelm-Wittschier, Karsten Dümmler
(Foto: Ingo Heyer)

Beraten in der Krise: Finanzberater und Experten von Fondshäusern, Versicherungen, Pools und Vermögensverwaltungen diskutierten mit DAS INVESTMENT.com. Eingeladen hatten die Fondsgesellschaft Robeco und das Emissionshaus SHB als Sponsoren des „Gourmet Festivals“ auf Schloss Reinhartshausen.

>> Die Teilnehmer der Diskussionsrunde im Überblick

DAS INVESTMENT.com: Die Wirtschaftskrise macht auch vielen unabhängigen Finanzberatern und -vermittlern schwer zu schaffen. Die Bestände brechen ein, Neukundenakquisition ist schwierig. Wie viele Finanzmakler werden sich mittelfristig aus dem Markt verabschieden, Herr Dümmler?

Karsten Dümmler, Netfonds: Statistisch kann ich das für unseren Pool nicht eins zu eins auswerten, weil ja nicht alle bei uns angeschlossenen Makler ihr Gesamtgeschäft über Netfonds abwickeln. Doch wenn wir die Zahlen mit denjenigen zu Anfang 2007 vergleichen, dürften es absolut gesehen zum Ende des Jahres zwischen 20 und 30 Prozent weniger Makler sein, die am Markt sind. Es ist zu erwarten, dass diese entweder ganz aus dem Markt ausscheiden oder sich irgendwo als Produktverkäufer anstellen lassen.

DAS INVESTMENT.com: Wie viele Chancen hat vor diesem Hintergrund die reine Produktvermittlung noch?

Claudia Rankers, Rankers Finanzstrategien: Nach meiner Ansicht sind die zukünftigen Erfolgsaussichten für den reinen Produktverkauf eher gering. Es geht doch heute mehr und mehr um die Lösungskompetenz auf der Beraterseite, also um das Denken aus der Perspektive des Kunden - und weniger um den Produktvertrieb, wo ich mit ein oder zwei Produkten eine attraktive Provision bekomme. Es kommt hinzu: Die Verbraucher werden kostenbewusster und die Bereitschaft, die in den Produkten enthaltenen Vertriebsprovisionen zu zahlen, nimmt ab.

Thomas Heß, JDC
(Foto: Ingo Heyer)

DAS INVESTMENT.com: Haben Vertriebsformen wie der Strukturvertrieb damit ausgedient?

Thomas Heß, Jung, DMS & Cie.: Weder heute noch in Zukunft stellt sich wirklich die Kardinalsfrage, welche Vertriebsgattung überlebt und welche nicht. Strukturvertrieb ist zu Unrecht immer noch mit einer gewissen Anrüchigkeit behaftet. Ich habe mich in letzter Zeit mit leitenden Verantwortlichen bei großen Strukturvertrieben darüber unterhalten, an welchen Projekten die arbeiten. Da sieht man, dass die Vertriebe - genau wie die großen Maklerpools - sehr große Investitionen in Beratungstechnologie tätigen, und zwar teils auf allerhöchstem Niveau: Dort wird ein medienbruchfreier, durchgerouteter Beratungsprozess durchgesetzt. Ich wage sogar die These: Wenn der Gesetzgeber weiter alle Formen des Vertriebs zulässt, wird auch der Produktverkauf weiter funktionieren. Das sehen Sie zum Beispiel an der privaten Krankenversicherung: Es gibt sehr erfolgreiche Spezialvertriebe, die sich auf diese Sparte konzentriert haben. Das ist dann eben Ausschnittsberatung und nicht Geschäft in der Breite – was, das muss man ehrlicherweise sagen, im Gegensatz zu manchem Universaldilettanten dann eben höchstprofessionell betrieben wird.

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