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03.12.2009 09:58
Rubrik: Märkte

Robert Halver: „Ja zur Jahresend-Rally“

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse
bei der Baader Bank

Richtig oder Falsch? Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, kommentiert zehn Thesen der DAS INVESTMENT.com-Redaktion zur aktuellen Wirtschaftslage im Allgemeinen und zur Situation an den Börsen im Speziellen.

DAS INVESTMENT.com-These 1: Die Wirtschaftskrise liegt nun endgültig hinter uns. Was Konjunkturforscher und Wirtschaftsindikatoren erst seit kurzem belegen, lässt sich an der Börse, als zuverlässigster Konjunkturindikator, bereits seit einigen Monaten ablesen: Eine nachhaltige Konjunkturerholung.

Robert Halver: Falsch. Der aktuelle Aufschwung ist massiv gesponsert durch eine extrem großzügige Geld- und Finanzpolitik. Deren Schützenhilfe ist noch geraume Zeit nötig, um ein erneutes deflationäres Abgleiten in die Rezession zu verhindern. Ziel ist es, konjunkturelle Steherqualitäten zu erreichen. Daher sind zurzeit eindeutige Exit-Strategien zum Abschöpfen der massiven Finanzmittel so wahrscheinlich wie Schnee im Hochsommer.

DAS INVESTMENT.com-These 2: Alle Beteiligten haben aus der Finanzkrise ihre Lehren gezogen, sodass wir einen Bankenkollaps dieser Art in den kommenden 50 Jahren nicht mehr erleben werden.

Halver: Auch falsch. Angesichts der dramatischen Liquiditätsausweitung ist die Frage nicht, ob wir neue Finanzblasen bekommen, sondern wie stark diese ausfallen werden. Aufblähungen, wie wir sie bereits im Bereich von Staatsanleihen sehen, liefern aber nicht zuletzt für Banken die benötigten Ertragspolster, um für die kommende Hungerkur von Kreditausfällen gewappnet zu sein. Entscheidend wird bei einer nachhaltigen Konjunkturerholung sein, zügig eine - und zwar global koordinierte - Liquiditätsabschöpfung folgen zu lassen, um weltweit übertriebenen Blasenproblemen mit der Gefahr eines erneuten Finanzmarktkollaps vorzubeugen. Auch aufgrund unterschiedlicher Stabilitätsansichten der Länder wird dies eine wahre Herkulesaufgabe, sozusagen der ultimative Stresstest für die Finanzwelt.

DAS INVESTMENT.com-These 3
:Die Wirtschaft wächst, weltweit werden Investoren wieder risikofreudiger und die Liquidität ist extrem hoch: In den USA liegen immer noch über drei Billionen Dollar in Geldmarktfonds - Tendenz fallend -, die wieder rentierlich angelegt werden wollen. Aktien bieten deshalb auf Sicht der kommenden Jahre das beste Chancen-Risiko-Verhältnis unter allen Anlageklassen.

Halver
: Richtig. Man kann fast von einer Vollkaskoversicherung sprechen. Denn wenn einerseits die Konjunktur anspringt, ist dies über eine Gewinnverbesserung auch für Aktien positiv. Sollte andererseits die Wirtschaft schwächeln, bleibt das Liquiditätsargument so lebendig wie ein junges Reh. So oder so ist also von einer klaren Begünstigung von Sachkapital - auch aus Inflationsschutz - auszugehen. Aktien als verbrieftes Sachkapital sind daher in der Vermögensaufteilung weiter überzugewichten. Aus Risikosicht ist auf eine breite Streuung - zyklische Branchenführer, Substanz- und Dividendentitel, Rohstoff- und Edelmetallminen sowie Schwellenländer - zu achten. Wer streut, rutscht nicht! Unabhängig von Aktien sollte die eigengenutzte Immobilie nicht vergessen werden.

DAS INVESTMENT.com-These 4
: Es wird zu einer Jahresend-Rally im Dezember kommen.

Halver: Richtig. Das noch nicht abzusehende Ende der Liquiditätsoffensive, die aus Chance-Risiko-Sicht mangelnden Anlagealternativen und der noch geringe Investitionsgrad bei Aktien sprechen für einen grundsätzlich freundlichen Dezember.

DAS INVESTMENT.com-These 5
: Aufgrund der massiven Geldmengenausweitung müssen wir in naher Zukunft mit starken bis mittelstarken Inflationsraten rechnen.

Halver
: Richtig. Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral. Für die Weltrettung jetzt müssen wir später einen hohen Preis bezahlen. Die Geldmengenausweitung nährt eine Asset-Preis-Inflation. Und um die überbordende Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen, ist ohnehin eine spürbare Inflationierung willkommen. Allerdings wird diese erst ab Ende 2010 einsetzen. Aber gerade dieses Argument dient vor allem den USA als Alibi für ihre anhaltend sehr freizügige Notenbankpolitik.

Von: Felix Hannemann

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