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09.12.2009 15:38
Rubrik: Märkte

Mitten in Afrika: Die zwei Seiten des Paul Kagame

Der deutsche Investor Christian Angermayer (links)
und Ruandas Präsident Paul Kagame (fuchtelnd)
Foto: Andreas Scholz

Wenn es um wirtschaftlichen Aufschwung und Image seines Landes Ruanda geht, kennt Präsident Paul Kagame kein Pardon. Das kommt nicht überall gut an - bei Investoren aber schon.

Paul Kagame schaut auf Fotos fast immer ernst. Und es gibt viele Fotos von ihm. In fast jedem öffentlichen Gebäude in dem afrikanischen Staat Ruanda hängt ein Bild mit dem Konterfei des Präsidenten. In Banken, Unternehmen, Supermärkten.

Das erinnert ein bisschen an Erich Honecker. Auch der Staatschef der längst untergegangenen DDR war in seinem Land via Fotopapier überall präsent. Doch während sich Honecker vor der Kamera meist noch an einem Lächeln versucht hatte, schaut Kagame ernst.

Das passt zu der ernsten Mission, auf die er sich begeben hat: Investoren für sein noch immer armes Land anzulocken. „Investments yes, corruption no“ - das Schild an der Straße, die vom Flughafen in die Hauptstadt Kigali führt, fasst die Marschrichtung Ruandas in vier knackige Worte zusammen.

In seiner über neunjährigen Amtszeit hat Paul Kagame sein Land sichtlich aufgeräumt. Es dürfte das einzige Schwellenland sein, das nicht mehr wie eine Müllhalde aussieht. Keine Zigarettenkippen liegen auf dem Bürgersteig, PET-Wasserflaschen schon gar nicht, Bettler gibt es nur wenige, und Plastiktüten hat der Präsident kurzerhand im ganzen Land verboten.

Sanierungsarbeiten gibt es jedoch nicht nur im Kleinen: Die Slums in Kigali will der Präsident, der im August 2003 - zumindest offiziell - mit 94 Prozent der Stimmen gewählt wurde, abreißen lassen. Die Bewohner sollen in neue Wohnungen mit Stromanschluss und fließend Wasser umziehen.

6.500 Dollar werde eine eher durchschnittliche Wohnung kosten, sagt Kigalis Bürgermeisterin Aisa Kirabo Kacyira. Für ihre alten Wellblech-Lauben würden die Umsiedler immerhin Geld bekommen. Wie viel, das sagt sie nicht.

Und wenn sie sich die neuen Bauten trotzdem nicht leisten können oder gar nicht dorthin ziehen wollen? „Die neuen Wohnungen sollen lediglich eine Alternative sein“, antwortet Kacyira. So ist das in Kigali: Was hässlich ist, kommt weg - wie auch immer. Im Jahr 2005, so Kigalis Regentin, seien 33 Slum-Bewohner durch Schlammlawinen gestorben. Ein undurchdachtes Manöver kann man ihr also nicht gerade vorwerfen.

Onkel Tom, 10-12-09 14:13:
Ja, ein netter Herr, der Herr Kagame. Wie Herr Honecker. Und Herr Obama. Eine tolle Reihe, in die er da gerückt wird. Aber hätte man nicht zumindest erwähnen können, dass gegen Kagame seit einigen Jahren in Paris wegen Mordverdachts ermittelt wird? Dass ihm vorgeworfen wird, in den Abschuss der Präsidentenmaschine seines Vorgängers Juvénal Habyarimana und somit die Ermordung von Habyarimana, Cyprien Ntaryamira, dem Präsidenten von Burundi sowie der Crew verstrickt zu sein? Dass ihm die Pressereise, die die Journalisten vermutlich auch auf seine Kosten in sein Land führte, wohl sehr gelegen kam, weil er wohl verhaftet würde, würde er versuchen, in die EU einzureisen? Dass zum Beispiel seiner Protokollchefin Rose Kabuye 2008 am Flughafen Frankfurt genau das passiert ist: Sie wurde verhaftet. Ich finde, zu einer ausgewogenen Berichterstattung über Herrn Kagame gehören auch diese Details (und nicht nur, dass er Hände schüttelt und die Lacher auf seiner Seite hat). Kann natürlich auch sein, dass man all das gar nicht wusste. Und dass man sich vielleicht fragt, ob man die Geschichte überhaupt geschrieben hätte, hätte man es gewusst.
Klaus , 11-12-09 18:17:
Meines Wissens war die Veranstaltung in Berlin, zumindest war ich dahin eingeladen. Also nix mit Verhaftung, oder?
Andreas Scholz, 12-12-09 14:35:
Kagame war im Oktober in Berlin und traf dort unter anderem Bundespräsident Horst Köhler. Das hatte mit dieser Reise hier nicht direkt zu tun.
Réne , 18-12-09 09:43:
Onkel Tom, wer sich mal die Mühe macht und etwas intensiver recherchiert, wird schnell feststellen, dass die Vorwürfe des französischen Untersuchungsrichters, der Haftbefehle aussprach, nicht auf der Basiss eines UN-Bericht über den Flugzeugabschuss sehr fragwürdig erscheinen. Allerdings wird an zahlreichen Stellen auf politische Motive für einen solchen Haftbefehl durch die Franzosen hingewiesen.

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