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07.01.2010 10:59
Rubrik: Märkte

Jim O’Neill: „Die Weltwirtschaft wird von den Bric-Staaten angeführt“

Jim O'Neill

Ein Geschenk von den Goldmännern: Jim O’Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, spricht in „Know How“, dem Anlegermagazin der Bank über die Forschritte der Brics und die Lage in den N-11-Ländern. Das Interview wurde DAS INVESTMENT freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Frage: Die Aktienmärkte sind in den vergangenen neun Monaten gestiegen. Ist die Rezession vorbei und sind die Probleme am US-Immobilienmarkt und an den Kreditmärkten gelöst?

Jim O’Neill: Ja, die Rezession endete im 2. Quartal 2009. 2010 und 2011 dürften die USA ein leicht positives BIP-Wachstum von etwa 2 Prozent erreichen. Die Rezession am Häusermarkt ist dem Ende nahe. Aber wahrscheinlich sind mehr Kreditprobleme im gewerblichen Immobilienmarkt zu erwarten.

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Frage: Wie sehen Ihre Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum im Jahr 2010 aus?

O’Neill: Wir rechnen mit einem globalen BIP-Wachstum von 4,4 Prozent im Jahr 2010 und 4,5 Prozent 2011. Damit sind wir optimistischer als der Durchschnitt. In China wird das Wachstum vermutlich über 10 Prozent liegen, dicht gefolgt von Indien. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird von den BRIC-Staaten angeführt werden. Japan dürfte ein schwaches Wachstum zeigen. Innerhalb der G7 könnte Großbritannien für eine positive Überraschung sorgen.

Frage: Wie sollten die Regierungen mit den Konjunkturpaketen verfahren – sie so schnell wie möglich beenden oder verlängern, um ein erneutes Abrutschen in die Rezession zu verhindern?

O’Neill: Die Regierungen werden damit beginnen, einige Stützungsmaßnahmen auslaufen zu lassen. Mit einer Straffung der Fiskalpolitik sollten sie sich allerdings bis 2011 Zeit lassen, um die Konjunkturerholung nicht zu gefährden.

Frage: Wenn Sie auf die BRIC-Story seit ihren Anfängen zurückschauen:– was hat sich seither geändert? Wo stehen wir auf dem „Weg ins Jahr 2050“?

O’Neill:
Seit 2001, als ich erstmals über die Brics schrieb, hat sich ihr Wachstum stärker entwickelt, als ich selbst im optimistischsten Szenario angenommen hätte. Ich dachte, bis Ende 2010 würden sie maximal 10 Prozent zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt beisteuern. Stattdessen werden es 16-17 Prozent sein. Was den Weg ins Jahr 2050 angeht: China wird Japan im Jahr 2010 überholen. Brasilien könnte an Italien vorbeiziehen. Sämtliche Entwicklungen treten etwa fünf Jahre früher ein als von uns ursprünglich erwartet. China könnte bereits 2027 zu den USA aufschließen – 14 Jahre früher, als wir zunächst dachten. Die Brics als Gruppe dürften bis 2031 so groß werden wie die G7, ebenfalls zehn Jahre eher als angenommen.

Frage: Hat sich die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Brics von den G3 durch die Finanzkrise beschleunigt?

O’Neill: Die Unabhängigkeit der Brics hat seit der Krise definitiv zugenommen. Sie haben gelernt, ohne die „Droge“ der Exporte in die USA zu leben. Die nächste Phase des Aufschwungs wird von der Inlandsnachfrage getrieben werden.

Frage: Sie sagten, eine höhere Verschuldung des privaten Sektors könnte die Brics auf die nächste Stufe des Konsumwachstums heben. Warum ist das so?

Jim O’Neill:
Um die Binnenkonjunktur anzukurbeln, sind niedrigere Sparquoten nötig – vor allem in China. Vor der Krise haben die Brics zuviel gespart.

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