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27.05.2010 15:24
Rubrik: Märkte

Weltmeister-Bonus? Schwellenmarkt-Experte von Allianz GI über die Börseneffekte der Fußball-WM

Michael Konstantinov

Beeinflusst der Ausgang der Fußball-WM die Börsen? Diese und andere Fragen, die sich um die Verbindung zwischen dem Aktienmarkt in den Schwellenländern und der Fußball-WM in Südafrika drehen, beantwortet Michael Konstantinov. Konstantinov leitet das globale Schwellenmarkt-Aktiengeschäft bei RCM, einer Tochtergesellschaft von Allianz Global Investors, und managt den Schwellenmarktfonds RCM Bric.

Das Interview wurde uns freundlicherweise von Allianz GI zur Verfügung gestellt.

Frage: Fußball ist ein Millionengeschäft geworden. Welche Aktien und Branchen hängen stark vom Fußball ab?

Michael Konstantinov: Insbesondere Sportartikelhersteller wie Adidas, aber auch Anta Sports oder Li Ning, beide aus China, hängen in ihrer Geschäftsentwicklung vom Fußball ab. Allerdings ist dies keine lineare Beziehung. Vielmehr müssen Sportartikelfirmen versuchen ihren Markenkern auf andere Bereiche zu übertragen. So hatte es Puma vor einigen Jahren geschafft, sich als Lifestyle- und Modemarke zu etablieren und neue Käuferschichten zu erschließen, die wenig direkten Bezug zum Fußball hatten. Darüber hinaus sollte man einen Blick darauf werfen, wer im Umfeld von sportlichen Großereignissen profitiert. So stehen aktuell einige Unternehmen im Fokus, die vom Ausbau der Infrastruktur für die Austragung der Fußball-WM in Südafrika profitieren wie zum Beispiel Bauunternehmen.

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Frage: Beeinflusst der Ausgang der Fußball-WM die Börsen?

Konstantinov: Es gibt keinen statistisch signifikanten Weltmeister-Effekt an den Börsen. Allerdings erfährt das Austragungsland eine ungeheure weltweite Aufmerksamkeit in den Medien, die man ideal für eine Neupositionierung des Landes im internationalen "Bild" nutzen kann. China hat es bei den Olympischen Spielen vorgemacht. Südafrika und Brasilien werden diese medialen Mega-Ereignisse ebenfalls dazu nutzen. Das heißt, dass Millionen von Menschen weltweit und natürlich auch die internationalen Investoren sehen, dass Südafrika trotz vieler Probleme auch ein durchaus modernes Land ist, das als Brücke zum afrikanischen Kontinent dient und über einen interessanten Binnenmarkt mit hochentwickeltem Kapitalmarkt verfügt.

Frage: Inwieweit profitiert das Austragungsland Südafrika von der WM und wie ist Ihr Ausblick für das Land?

Konstantinov: Unser Ausblick auf Südafrika ist mittelfristig positiv. Das Land profitiert von einer soliden Haushalts- und Geldpolitik, einem robusten Binnenmarkt, der sich unter anderem wegen der Infrastruktur-Investitionen und dem starkem Verbrauchervertrauen auch in der weltweiten Krise gut gehalten hat. Natürlich gibt es weiterhin die Probleme, wie zum Beispiel die hohe Verbreitung des Aids-Virus oder die hohe Kriminalitätsrate, doch werden diese inzwischen angegangen. Wir gehen davon aus, das sich das starke Wachstum in den Sub-Sahara-Staaten auch positiv auf Südafrika auswirken wird.

Frage: Ist der ökonomische Einfluss solcher Großevents in Schwellenländern besonders groß?

Konstantinov: Er ist wahrscheinlich proportional größer als in den westlichen Dienstleistungsgesellschaften, aber ich würde den wirtschaftlichen Einfluss nicht überbewerten. Schließlich werden in der Regel überfällige Infrastrukturinvestitionen im Hinblick auf die Fußball-WM forciert. Ich sehe den Imagegewinn des Austragungslandes als wichtigsten Faktor, insbesondere bei Schwellenländern, denen sonst deutlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird. Allerdings lässt sich dieser Effekt nur schwer quantifizieren.

Frage: Welche Schwellenländer stehen unabhängig von der WM bei Ihnen hoch im Kurs?

Konstantinov: Die vier Bric-Länder Brasilien, Russland, Indien und China stehen bei uns im Fokus. Mit einem Anteil an der Weltbevölkerung von 42 Prozent und mit einer schnell wachsenden Mittelschicht, deren Konsum auf die nächsten Jahre das Binnenwachstum vorantreiben wird, sehen wir diese Länder auf nachhaltigem Wachstumskurs.

Frage: Ihr persönlicher WM-Favorit?

Konstantinov: Sicherlich kein Geheimtipp, Brasilien.

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