Mark Mobius: Das Wirtschaftswachstum in vielen Grenzmärkten ist höher als bei den Industrienationen
Nigeria, Saudi-Arabien, Ägypten, Vietnam und Kasachstan sind nur einige der Grenzmärkte, denen Mark Mobius, Schwellenland-Guru von Templeton, in Zukunft eine größere Bedeutung zuschreibt.
Das Interview wurde DAS INVESTMENT.com freundlicherweise von Franklin Templeton zur Verfügung gestellt.
Frage: Was sind Grenzmärkte?
Mark Mobius:Mit dem Begriff Grenzmärkte beschreibt man im Allgemeinen eine Untergruppe von Schwellenmärkten, die sich durch eine geringere Marktkapitalisierung und Liquidität als die weiter entwickelten Schwellenmärkte auszeichnen. Vor allem sind sie Märkte, die von der Mehrheit der Anleger noch nicht „entdeckt“ wurden. Es handelt sich um Märkte, zu denen nur in begrenztem Umfang Untersuchungen und Recherchen für Anleger vorliegen.
Grenzmärkte mögen in der Regel kleiner und weniger entwickelt als Schwellenländer sein, aber sie verzeichnen ein ungebrochen starkes Wirtschaftswachstum und können eine niedrige Verschuldungsquote vorweisen. Sie stehen jetzt dort, wo viele Schwellenmärkte vor 20 Jahren standen. Nach unseren Erwartungen dürften diese Märkte – zumindest manche davon – in Zukunft eine recht wichtige Rolle spielen und sich früher oder später zu ausgewachsenen Schwellenländern entwickeln.
Frage: Warum investieren Sie in diese Länder und wie sieht der Kern Ihrer Anlagestrategie aus?
Mobius:Das Wirtschaftswachstum in vielen Grenzmärkten ist nach wie vor hoch, sogar schneller als das mancher Schwellenländer, und stellt das Wachstum in Industrienationen bei weitem in den Schatten. Hierbei handelt es sich nicht nur um Wirtschaftswachstum, sondern auch um Wachstum an Kapitalmärkten. Einige dieser Länder entwickeln sich von kleinen und illiquiden zu großen und liquiden Märkten. Viele Grenzmärkte sind auch führende Produzenten von Öl, Gas und Edelmetallen und sind gut aufgestellt, um von der hohen weltweiten Nachfrage nach diesen Ressourcen zu profitieren.
Da außerdem die Volkswirtschaften von Grenzmärkten expandieren, steigen auch die Investitionen in Infrastruktur. Daraus ergeben sich wertvolle Möglichkeiten in den Industriesektoren Bau, Transport, Bankwesen und Finanzen sowie Telekommunikation. Der steigende Konsum verschafft diesen Volkswirtschaften starke Kaufkraft und die Fähigkeit, durch Ausgaben Wachstum zu erzielen. Grenzmärkte wurden und werden außerdem durch beträchtliche Investitionen von größeren Schwellenländern wie China, Indien, Russland und Brasilien unterstützt.
Die wirtschaftlichen Triebfedern in den Grenzmärkten sind unterschiedlich. Zum Beispiel führt Botswana, einer der weltgrößten Diamantenexporteure, Call-Center und Datenverarbeitungszentren ein. In Kasachstan, das reich an Öl und anderen natürlichen Ressourcen ist, werden dagegen bedeutende Investitionen in die Infrastrukturentwicklung getätigt. Diese unterschiedlichen wirtschaftlichen Schwerpunkte der einzelnen Grenzmärkte stellen ein diversifiziertes Portfolio sicher.
Frage: Und warum sollten sich Anleger für Grenzmärkte interessieren? Sind Schwellenländer nicht bereits „riskant“ genug?
Mobius:Grenzmärkte sind tatsächlich nicht riskanter als Schwellenländer oder Industrienationen. Zwar herrscht viel Unsicherheit, da Anleger allgemein nicht die erforderlichen Ressourcen haben, um diese Märkte zu studieren, und daher eher ein allgemeiner Kenntnismangel über diese Märkte besteht, aber die eigentlichen Risiken unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer Märkte. Auch wenn die einzelnen Märkte volatil sein können, so könnten sie doch kombiniert in einem diversifizierten Portfolio für weniger Unbeständigkeit sorgen als dies bei einem Portfolio von Wertpapieren aus Industrienationen der Fall wäre.
Frage: Wie fließen die Katastrophe in Japan (und ein möglicherweise langsameres Wachstum in Japan sowie die Unruhen im Nahen Osten in die Analyse von Grenzmärkten ein?
Mobius:Grenzmärkte sind von den Ereignissen in Japan und im Nahen Osten nicht stärker betroffen als andere Märkte irgendwo auf der Welt. Natürlich war bei einigen der Märkte im Nahen Osten ein gewisses Maß an Volatilität festzustellen. Aber dank der großen Vielzahl an Schwellenmärkten – von Nigeria über Vietnam bis hin zur Ukraine – haben Ereignisse in Ländern wie zum Beispiel Ägypten keine allzu große Auswirkung auf die anderen Märkte.




















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