Deutsche-Bank-Analyst über Brasilien: Wer 2010 Präsident wird, spielt keine Rolle
Pech im Spiel, Glück in der Wirtschaft. Bei der Fußball-WM schied Mitfavorit Brasilien bereits im Viertelfinale aus. Doch der guten Stimmung der Analysten tat das keinen Abbruch. Was das Land seit der Präsidentschaftswahl vor acht Jahren erreicht hat und warum es keine Rolle spielt, wer im Oktober Staatsoberhaupt wird, erklärt Markus Jaeger, Analyst bei der Research-Sparte der Deutschen Bank (DB Research).
Seit der letzten Präsidentschaftswahl vor acht Jahren hat Brasilien viel erreicht. Zunächst als Finanzminister, dann als Präsident mit zwei Amtszeiten (1995-2002) hatte Fernando Henrique Cardoso die Hyperinflation besiegt. Allerdings war zur Zeit der Präsidentschaftswahl die wirtschaftliche Stabilisierung in zweierlei Hinsicht unzureichend: Erstens waren die Haushaltsanpassungen nach der monetären Stabilisierung nicht ausreichend und zweitens fehlte ein vollständiger politischer Konsens über eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik. Die Aussicht, der Kandidat der PT – Luiz Inacio (Lula) da Silva – könne die Wahl gewinnen, deckte beide Schwachpunkte auf, was im Jahr 2002 zu einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise führte, die Brasilien fast in die Zahlungsunfähigkeit trieb.
Die Einführung von entschiedenen haushaltspolitischen Anpassungen sowie die Beibehaltung einer Geldpolitik, die auf niedrige Inflation ausgerichtet ist und auf Zentralbankautonomie beruht, vollendete unter der Lula-Regierung nicht nur die wirtschaftliche Anpassung Brasiliens, sondern konsolidierte auch endgültig den breiten politischen Konsens in Bezug auf die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität des Landes.
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Zudem erwies sich die stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik als eine clevere, politisch erfolgreiche Strategie, die es der PT erlaubte, ihren Stimmenanteil in den folgenden Wahlen zu erhöhen, und die 2006 zu Lulas Wiederwahl entschieden beitrug.
Bei der Wirtschaftspolitik sind sich die beiden Kandidaten weitgehend einig
In diesem Jahr wird die Präsidentschaftswahl, bei der zwei Kandidaten, die beide Anhänger des derzeitigen makroökonomischen Konsenses sind, aus kurzfristiger Finanzmarktperspektive ein relativ unbedeutendes Ereignis sein. Im Falle eines Wahlsiegs von Dilma Rousseff, Kandidatin der Arbeiterpartei PT, dürfte die Wirtschaftspolitik weitgehend unverändert weitergeführt werden („dirty float“ des Wechselkurses, Inflationsziel von 4.5 Prozent, ausreichend hohe Primärüberschüsse, um die Nettoverschuldung im Verhältnis zum BIP zu senken). Steigende Staatseinnahmen dank des kräftigen Wirtschaftswachstums werden es der Regierung erlauben, die Ausgaben real zu steigern und ausreichend große Primärüberschüsse zu erwirtschaften, um die öffentliche Verschuldung abzubauen.
Mit José Serra von der sozialdemokratischen Partei Brasiliens (PSDB) an der Spitze könnte die Fiskalpolitik etwas restriktiver ausfallen




















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