Jim O’Neill: „China ist meine Nummer 1 unter den Bric-Ländern“
Jim O’Neill ist der Auslöser des Bric-Hypes. Mit „Dreaming with the Brics – The Path to 2050“ hat der Goldman-Sachs-Chefvolkswirt bereits 2003 den Grundstein für das Schwellenländer-Quartett gelegt. Im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com erklärt er, warum China als Gewinner aus der Finanzkrise hervorgehen wird.
DAS INVESTMENT.com: Welches der vier Bric-Länder ist auf lange Sicht Ihr Favorit?
Jim O’Neill: Langfristig ist China meine klare Nummer 1. Es hat die aktuelle Krise als Chance genutzt. Nun erreicht das Land die nächste Entwicklungsstufe. Die Inlandsnachfrage ist nach wie vor sehr stark. Wir haben vor Kurzem die Prognosen für 2009 und 2010 angehoben. Nun erwarten wir für 2009 ein chinesisches Bruttoinlandsprodukt von 8,3 statt 6 Prozent und im kommenden Jahr 10,9 statt 9 Prozent.
DAS INVESTMENT.com: Ist China ein Gewinner der Krise?
O’Neill: Ein klares Ja. Die chinesische Regierung hat als erste ein Fiskalpaket auf den Weg gebracht und zügigst umgesetzt. Wichtig aus meiner Sicht ist auch, dass China versucht, weg vom Export zu kommen, und den Binnenkonsum nachhaltig stimuliert. Die großen Konjunkturpakete der Wirtschaft wecken die Einkaufslust der Chinesen. So sind beispielsweise die Einzelhandelsumsätze im Jahresvergleich in den letzten Monaten um 15 Prozent gestiegen. Das sieht in den USA ganz anders aus. Dort gingen die Umsätze im gleichen Zeitraum um 12 Prozent zurück.
Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (August 2009).
Titelgeschichte: BRIC-Staaten - Comeback der Super-Märkte
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DAS INVESTMENT.com: Wie ordnen Sie das Quartett –von bester zu schlechtester wirtschaftlicher Situation – auf kurzfristige Sicht?
O’Neill: Kurzfristig betrachtet gefällt mir besonders Brasilien. Es folgt Russland, vor China und Indien.
DAS INVESTMENT.com: Seit Beginn des Jahres feiern die vier Börsen ein fulminantes Comeback. Erleben wir lediglich eine Erholungsrally, oder findet eine Abkopplung von den etablierten Märkten statt?




















Im Immobiliensektor gibt es hohe Leerstände und bei Investitionen wird ausschließlich auf Wertsteigerungen gesetzt. Ich bezweifle stark, ob diese eintreten werden. Ein ähnliche Meinung wie aktuell in China hat bei den US-Immobilienbesitzern zur jetzigen Weltwirtschaftskrise entscheidend beigetragen.
Des Weiteren halte ich einen relativen Anstieg der Konsumausgaben für unwahrscheinlich. Alles in allem betrachtet, geht die chinesische Erfolgsstory schweren Zeiten entgegen. Wer auf China als Lokomotive der Weltwirtschaft setzt könnte bald eines Besseren belehrt werden.
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