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11.10.2011 12:45
Rubrik: Märkte

Dax: Depot-Konstrukteure sind gefragter als Prognostiker

Quelle: Getty Images

Die meisten Dax-Prognosen sind das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen, meint Markus Spieker, Bereichsleiter Vermögensstrukturierung beim Berliner Vermögensverwalter Avesco Financial Services. In seinem Gastbeitrag für DAS INVESTMENT.com erklärt er warum.

In unsicheren Zeiten suchen viele Investoren nach Orientierung. Wie sehr gefährdet die Eurokrise das Vermögen? Steigen die Goldpreise wieder an oder setzen sich die Septemberverlust (-11 Prozent) fort? Fallen die Aktienkurse weiter oder ist es der richtige Zeitpunkt, um günstig einzusteigen? Medien bieten als Antwort eine Heerschar von Experten auf, die uns verraten, wie sich die Preise entwickeln. Zum Jahreswechsel werden sie wieder ihre Prognosen für den DAX Ende 2012, ihre Zinserwartungen und die Zukunft des Euros veröffentlichen.

Die meisten dieser Prognosen sind das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Sicher: Einzelne Vorhersagen treffen auch dieses Jahr zu, aber eine stehengebliebene Uhr zeigt auch zweimal am Tag die richtige Zeit an. Die Börsenzeitung vergleicht jeweils zum Jahreswechsel die Daxprognosen mit der tatsächlichen Kursentwicklug. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die durchschnittliche Abweichung auf Jahresfrist liegt bei über 19 Prozent. Im besten Fall (2009) hatten die Prognosen im Schnitt nur um acht Prozent daneben gelegen. Im schlechtesten Fall, dem Jahr 2008, wurde allerdings aus dem erwarteten knapp siebenprozentigen Plus ein Minus von über 40 Prozent.

Diese und viele weitere Fälle belegen was die ökonomische Theorie längst weiß: Es gibt keinen besseren Prediktor als die heutigen Preise. Außerdem: Die Finanzindustrie ist natürlich an möglichst guten Aussichten für die Börsen interessiert. Nur dann steigt die Bereitschaft, neue Depots anzulegen und risikoreiche Käufe zu veranlassen. Obwohl immer einzelne Verwalter vor sinkenden Kursen warnen, ist es auffällig, dass im Durchschnitt immer positive Entwicklungen der Kurse vorausgesagt werden. Das schafft insbesondere in schlechten Börsenjahren eine massive Lücke.

Die riesige Differenz von Ausblick und Wirklichkeit – für Ende 2011 hatten die Experten einen Dax-Stand von 7593 Punkten vorausgesehen - wird die meisten Anleger trotzdem nicht abschrecken, weiter den Auguren zu lauschen. Unsicherheit macht unsicher. Doch Sicherheit bringen nicht immer mehr Prognosen, sondern richtig konstruierte Depots. Geeignete Konstrukteure sind übrigens schlechter zu finden und seltener zu hören als Prognostiker.

Von: Markus Spieker

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