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01.09.2011 11:30
Rubrik: Märkte

Max Otte: „Anleger sind manisch depressiv“

Max Otte, Fondsmanager und Eurozonenkritiker

Er warnte vor der Finanzkrise und veröffentlichte vor kurzem die Streitschrift „Stoppt das Euro-Desaster!“. Max Otte leitet das Institut für Vermögensentwicklung und managt den Aktienfonds PI Global Value (WKN: A0NE9G). Und er fordert eine kleinere Eurozone.

DAS INVESTMENT.com: Zeiten wie diese fühlen sich an wie zuletzt 1989 und 90. Hier passiert doch gerade was ganz Großes.

Max Otte: Der Vergleich ist gar nicht so schlecht. Ich fühle mich aber eher an 1979 bis 81 erinnert. Damals kämpfte der US-Notenbank-Chef Paul Volcker gegen die extreme Inflation. Er änderte den ganzen Rhythmus der Weltwirtschaft. Heute haben wir zwar keine Inflation, dafür aber ein Schuldenproblem. Wir müssen das, was sich über 15 oder 20 Jahre aufgebaut hat, brutal ändern.

DAS INVESTMENT.com: Wie?

Otte: Über Geldvernichtung. Das kann über Inflation oder Deflation passieren. Bei Deflation würde es brutaler werden als 1929. Wir bekämen den totalen Wirtschaftszusammenbruch. Deshalb bevorzuge ich die Inflation.

DAS INVESTMENT.com: Die aber nicht so richtig kommen will.

Otte: Wir erleben gerade ein Tauziehen der Kräfte. Die Notenbanken wollen Inflation erzeugen, indem sie Geld in das Bankensystempumpen. Dadurch steigt die Geldbasis. Die Privaten Akteure – insbesondere Banken – haben aber Angst vor der Krise und horten Geld. Die Geldmenge sinkt als Konsequenz, und deshalb haben wir auch noch keine Inflation.

DAS INVESTMENT.com: Würden Sie auch den riesigen US-Schuldenberg von mehr als 14 Billionen Dollar weginflationieren wollen?

Otte: Die Staatsschulden teilweise ja. Parallel müssen die Amerikaner aber auch Schulden zurückzahlen, sich also deleveragen.

DAS INVESTMENT.com: Schuldenabbau im Einzelnen könnte Inflation verhindern.

Otte: Ja, aber es reicht nicht. Wenn alles über Schuldenabbau laufen sollte, wäre das wie eine Vollbremsung für die Wirtschaft.

DAS INVESTMENT.com: Gehen die Amerikaner unter, oder kriegen sie noch die Kurve?

Otte: Das Gedächtnis Amerikas ist kurz. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie reinen Tisch machen und neu starten. Sie werden eine große Wirtschaftsmacht bleiben, aber kräftig an Bedeutung verlieren. Das ist vergleichbar mit den Engländern im 19. Jahrhundert.

DAS INVESTMENT.com: Wie sieht die ideale Eurozone für Sie aus?

Otte: So wie jetzt abzüglich Irland, Spanien, Portugal und Griechenland. Was wir zusammengeschweißt haben, kriegen wir auch wieder auseinander. Die Restzone muss den Märkten ein Zeichen der Stärke setzen. Dass sie zum Beispiel keinen Sozialismus für Banken mehr betreibt. Und dann können wir über Euro-Bonds reden.

Schlechtmensch, 02-09-11 01:11:
Otte möchte also, wenn ich das richtig interpretiere u.a. die Franzosen wie auch die Italiener weiter im dann etwas langsamer sinkenden EUro-Boot haben, während die Deutschen weiter gleichzeitig Löcher stopfen und fleißig Wasser schöpfen...
...Herr Otte hat zwar die Finanzkrise vorausgesehen, aber mit etwas Hintergrundwissen über unser derzeitiges schuldenbasiertes Falschgeldsystem konnte das schon Anfang 2000 jeder halbwegs mit Hirn gesegnete ! Auch heute sollte man tunlichst SELBST sein Zukunftsszenario entwerfen und danach handeln, an statt sich auf hochgejubelte "Experten" zu verlassen !
Wirtschaftsexperte, 03-09-11 07:56:
@Schlechtmensch
Bei einem starken Exporteinbruch wie z.B. 2008/9 wird auch Deutschland unter die Räder kommen. Die Wirtschaft ist global vernetzt.
Der Euro ohne die Pigs-Staaten wäre übrigens eine sehr starke Währung und wir hätten eher das Problem einer raschen Aufwertung wie z.Zt. die Schweizer. Die nächste Geldvernichtung wird wahrscheinlich neben den Staatsanleihen auch beim Gold statt finden, wenn dort - wo keiner es für möglich hält - die Blase einmal platzen wird. Falls eine Deflation kommen sollte, wird das Geld sogar an Wert zulegen (vgl. Yen) und unsere Wirtschaft einbrechen. Alles ist möglich und in rascher Abfolge. Keiner hat die Weisheit mit den Löffeln gefressen und wegen der undurchsichtigen politischen Gemengelage in den USA und der EU sowie aufgrund der vielen Kapitalmarktakteure sind Voraussagungen nur schwer zu machen. Mehrere Szenarien sind denkbar - Inflation, Deflation, Stagflation ... und je nach Szenario wäre auch das optimale Anlageverhalten anders. Und wenn Kapitalmarktakteuere dringend Geld bräuchten, würden sie auch bisher erfolgreich verlaufende Assets (wie z.B. Gold) verkaufen und auch hier wäre über stopp-loss-order ein rascher Einbruch denkbar.

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