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16.01.2012 09:18
Rubrik: Märkte

Willkür bei Standard & Poor’s

Vermögensverwalter Markus C. Zschaber

Die jüngsten Herabstufungen von unter anderem Frankreich, Österreich, Italien und Spanien durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s sind weder gerechtfertigt noch nachvollziehbar. Sie sind schlichtweg willkürlich und eine politisch instrumentalisierte Farce.

Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Dr. Markus C. Zschaber

Die jüngsten Herabstufungen von acht Euroländern ist ein Angriff auf die sich gerade wieder etwas bessernde Stimmung in Europa. Fakt ist, dass die erst vergangene Woche stattgefundenen Bondauktionen von Italien und Spanien uns sehr zuversichtlich gestimmt haben, dass die Märkte die Reformprozesse und deren Wirkungskette nach all den Irrationalitäten und Störfeuern der vergangenen Wochen und Monate verstanden haben.

Die Reaktion der angelsächsischen Rating-Agenturen grenzt in der aktuellen Situation an politische Willkür. Die Agenturen haben immer wieder versucht, mit ihrem inkonsequenten Verhalten die Reformprozesse in der Eurozone zu stören, nicht selten mit Erfolg.

Wenn Reformen gelingen

Zuletzt allerdings zeigten sich die Märkte versöhnlicher mit Italien und Spanien, was belegt, dass die Märkte die Wirkungsketten die in diesen Ländern derzeit stattfinden verstanden haben. Diese Wirkungsketten, gebaut auf den massiven Reformanstrengungen sehen folgendermaßen aus:

  • Reduzierung des Wachstums (Sparen & Ausgabenkürzungen seitens des Staates)
  • Bereinigung der Wirtschaftssysteme von unprofitablen Leistungen & Unternehmen
  • Kurzfristiger Anstieg der Staatsdefizitquote
  • Fehlallokationen von Kapital (Staatswirtschaft) wird reduziert (Steuern werden effizienter erhoben)
  • Mittelfristig entsteht daraus ein fiskalpolitischer Ausgleich (Ausgaben werden reduziert / Einnahmen qualitativ gesteigert)
  • Langfristig erhöht sich durch diese Anpassungsprozesse das Potenzialwachstum

Zusammengefasst werden sich die Geschäfts‐ und Wachstumsmodelle der europäischen Nationen durch diese Reformanstrengungen zukunftsfähiger aufstellen. Dass dies ein schwerer und steiniger Weg wird, sollte jedem ausgebildeten Volkswirt bewusst sein und den vermeintlichen Experten der Rating-Agenturen ebenfalls.

Betrachtet man die Fakten, sind die Reaktionen der Märkte, die Länder wie Italien und Spanien wieder mit günstigeren Zinsen refinanzieren, die ökonomisch richtige Einschätzung der Gesamtlage. Zweifellos hätten diese Volkswirtschaften aufgrund der bereits umgesetzten Reformen nach unserer Auffassung sogar noch mehr Kapital durch den freien Markt verdient gehabt.

Agenturen versus Eurozone

Diese Kapitalströme werden aber eindeutig kontaminiert und zwar durch ein angelsächsisches Rating-System, welches nach unserer Auffassung jegliche Glaubwürdigkeit verspielt hat. Was wir hier sehen, ist eine Kampfansage an die Integrität der Eurozone.

Die Aussagen, die Rating-Agenturen, sie wären doch nur das Fieberthermometer, die die Schwere einer Krankheit feststellen und veröffentlichen, ist der blanke Hohn. Denn diese Aufgabe erledigen die Kapitalmärkte. Wenn sie der Auffassung sind, Volkswirtschaften und Staaten zeigen keinen Reformwille und einen nur unzureichenden Reformwillen, dann verlangen sie höhere Zinsen von diesen Ländern.

Die Rating-Agenturen sind dagegen ein Instrument, welches für politische Interessen eingesetzt werden kann. Sie mögen vielleicht ein Fieberthermometer sein, allerdings keins welches das Fieber misst, sondern eines welches Fieber überträgt und das Vertrauen auf Heilung kontaminiert.

Für unsere Vermögensberatung gibt es hier nur zwei Szenarien: Entweder, die Rating-Agenturen verstehen die Folgen und Wirkungen aus einem Reformprozess nicht, dann müsste ihnen aber jeglicher ökonomischer Sachverstand abgesprochen werden. Oder was wir hier sehen ist eine politische Agenda gegen die Eurozone.
Wahrscheinlicher ist das zweite Szenario.

Dr.Pötsch, 16-01-12 11:23:
In dem geschriebenen und skizzierten Sachverhalt kann ich dem Autor nur zustimmen und mein Kompliment aussprechen.

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