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03.06.2010 14:01
Rubrik: Themenkanal

Diesel- und Elektroloks: Schwestern unterwegs auf Europas Schienen

Die wenigsten Bahnreisenden achten darauf: Wird der Zug von einer Elektro- oder Diesellok gezogen? Wann welcher Antriebstyp eingesetzt wird, ist beim Bahnverkehr keine Geschmacksfrage, sondern eine rein pragmatische Entscheidung. Jedoch gilt Teamarbeit bei den Antriebsschwestern, beide Lokarten tragen gemeinsam zum nachhaltigen Bahnverkehr bei.

Ob E oder D ist bei Lokomotiven keine Frage des Geschmacks, sondern des Zwecks. Elektroloks (E-Loks) werden heute vor allem im Fernverkehr eingesetzt. Hier punkten sie mit hoher Leistungsfähigkeit von bis zu 6.400 Kilowatt, hervorragender Energieeffizienz und bequemem Betrieb ohne Tankstopps.

Der Rangier- und Zustellverkehr ist fast ausschließlich das Revier der Dieselloks (D-Loks). Denn in Terminals, auf Hafengeländen und im Werkverkehr stören Stromleitungen den Umschlag. Eine Ausnahme bilden moderne Anlagen des kombinierten Verkehrs: Hier fahren Elektroloks mit Schwung auf das Entladegleis ohne Oberleitung ein und erhalten nach 700 Metern wieder Stromkontakt.

###BOX_18###

Erste E-Loks gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Dieselloks kamen erst in den 1920er Jahren auf. Heute herrscht ein erstaunlich ausgewogenes Verhältnis zwischen den beiden Antriebsarten auf Europas Schienen: Elektroloks sind zu etwa 44 Prozent unterwegs. Rund 56 Prozent der Lokomotiven fahren mit Dieselmotor.

Generell gilt: Da Dieselloks keine Fahrdrähte brauchen, sind sie flexibler einsetzbar als ihre elektrisch betriebenen Schwestern. Ist der Tank voll und ein Gleis vorhanden, können Dieselloks nahezu alles ziehen. Sie können überall stehen und von dort auch aus eigener Kraft wieder wegfahren. Elektroloks dagegen müssen auf einem regulären Gleis unter Strom parken. Oder sie werden auf ein Abstellgleis gezogen – von einer Diesellok.

Eine neue vierachsige Streckendiesellok ist etwa halb so teuer wie eine neue E-Lok, allerdings mit meist um die 1.500 Kilowatt Antriebskraft auch weniger leistungsstark. Für viele Nutzungsarten, gerade bei geringeren Geschwindigkeiten und auf kurzen Strecken, reicht das jedoch aus. Eisenbahnverkehrsunternehmen überlegen daher genau, wann sie welchen Loktyp einsetzen.

In der Praxis bedeutet das: Die E-Lok fährt schnell und weit. Auf der ersten und letzten Meile ist die Diesellok erste Wahl. Bei nahezu allen Transporten gilt eine Formel beim Lokwechsel: Von D zu E zu D. Nachhaltiger Bahnverkehr, ob nah oder fern, ist nur mit beiden Antriebsgattungen möglich.

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