Ergo gelobt Besserung
Ergo ist nicht Thessa: Die gestern angekündigte Facebook-Party vor der Ergo-Zentrale spielte sich im sehr engen Kreis ab. Nur fünf Party-Gäste, dafür aber rund 30 Journalisten kamen laut Facebook-Meldungen zur Ergo-Zentrale. Wir verfolgten die Pressekonferenz per Telefon und fassen die wichtigsten Ergebnisse zusammen.
In Erwartung der mehr als 500 „Partei“-Anhänger und Gäste, die sich via Facebook zu einer Bademantel-Party vor der Ergo Konzern-Zentrale in Düsseldorf angemeldet haben, stellte Ergo einen Versicherungsstand auf. Doch der Massenansturm blieb aus. Wie Vor-Ort-Beobachter berichten, kamen von den 500 angemeldeten gerade einmal fünf zur Konzertzentrale und wurden von rund 30 Journalisten gefilmt, fotografiert und interviewt.
„Mark Benecke hat sich tapfer geschlagen und in Begleitung einer 'Natascha' schön mit der reichlich vorhandenen Presse gespielt“, berichtet der Facebook-Nutzer Martin Knepper. Ansonsten spielte sich auf dem Victoria-Platz nicht sehr viel ab.
"Größer als die Bilanz-Pressekonferenzen"
Umso besser war die Ergo-Pressekonferenz besucht. „Die heutige Konferenz ist größer als unsere Bilanz-Pressekonferenzen“, erklärte der Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky.
Die wesentlichen Vorwürfe seien im Kern berechtigt, so das Fazit der Pressekonferenz. Gemeint waren die Sex-Reise nach Budapest, die Panne mit den fehlerhaften Riester-Formularen, überflüssige Umdeckungen von Lebens- in die Unfallversicherung und die Unterschlagung der billigeren Unternehmenstarife für Firmenversicherte in der bAV. Nur einzelne Aspekte treffen nicht oder nicht ganz zu.
Sex-Reise nach Budapest „gänzlich inakzeptabel“
Die Sex-Reise nach Budapest, an der mehr als 60 Vertriebsmitarbeiter und zwei Führungskräfte teilgenommen hatten, bezeichnete Oletzky erneut als „gänzlich inakzeptabel“. Die verantwortlichen Organisatoren hätten es gewusst und gaben sich größte Mühe, alle Spuren zu verwischen. So habe es keine Fotos und sehr wenige Belege von der Veranstaltung gegeben, was bei Firmenreisen eher unüblich sei.
Riester-Formulare: Das Problem ist nicht der Fehler an sich, sondern die Reaktion
Auch die Vorwürfe bezüglich fehlerhafter Riester-Formulare, die den Kunden im Jahr 2005 zu hohe Verwaltungskosten in Rechnung stellten, seien berechtigt, erklärte Oletzky und versuchte zugleich, die Verantwortung weiterzureichen: Das Dementi, das das Unternehmen kurz nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe verschickt hatte, sei voreilig gewesen. „Wir haben uns auf den Jahreswechsel 2004/2005 konzentriert und dachten zunächst, dass es sich nur um Einzelfälle handelt“, sagte Oletzky. In Wirklichkeit ginge es jedoch um die Formulare aus dem Juni 2005.
Aufgrund der veränderten Beratungsdokumentation habe man den Formularen ein paar weitere Punkte hinzufügen müssen. Daher habe man Nachdrucke in Auftrag gegeben, bei denen jedoch lediglich nur die Vorderseite hätte geändert werden müssen. Dabei sei jedoch der Fehler passiert: So habe man anstatt der aktuellen Rückseite aus dem Januar 2005 die veralteten Angaben von 2004 genommen. Ob der Fehler beim Unternehmen, dass eine falsche Druckvorlage geschickt, oder bei der Druckerei gelegen habe, könne man mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, da die Druckerei in der Zwischenzeit Insolvenz anmelden musste.
„Das Problem ist jedoch nicht der Fehler an sich, sondern die Tatsache, dass er nach Entdeckung nicht umgehend beseitigt worden ist“, erklärte der Ergo-Chef. Denn bereits im Oktober 2005 wies ein Kunde Ergo auf fehlerhafte Riester-Formulare hin. Man habe es jedoch als Einzelfall abgetan und sei der Sache nicht weiter nachgegangen. Dabei hätte es offensichtlich sein müssen, dass hier ein systematischer Fehler vorliege. Auch spätere Kundenbeschwerden blieben ohne Reaktion seitens der Ergo.





















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