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08.12.2011 16:05
Rubrik: Versicherungen

Neuanfang bei Ergo: Gründer des Strukturvertriebs HMI müssen gehen

Torsten Oletzky

Die Skandale um Töchtergesellschaften der Versicherungsgruppe Ergo rissen im Sommer nicht ab. Ergo hat die Vorwürfe deshalb von PricewaterhouseCoopers untersuchen lassen. Welche Ergebnisse das lieferte, wo ein Neuanfang geplant ist und wer die Gruppe verlassen muss.

Eine der Vorwürfe war, dass Versicherungsvermittler der Ergo bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) getrickst haben sollen. Die Ergo-Versicherung bot Unternehmen bAV-Rahmenverträge mit günstigen Konditionen für die Mitarbeiter an. In Einzelgesprächen mit den Mitarbeitern sollen manche Ergo-Vertreter jedoch statt der versprochenen Sondertarife die üblichen Versicherungspolicen mit den ungünstigeren Konditionen verkauft haben. DAS INVESTMENT.com berichtete hier und hier.

"Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) stellte keine systematische Fehlberatung oder Einflussnahme auf Entscheidungsträger fest“, so Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky auf einer Pressekonferenz. Die Ergebnisse im Einzelnen:


Wurde bei Kollektivverträgen die richtige Kollektivgröße verwendet?

Für alle 40.152 seit 2002 abgeschlossenen Kollektivverträge der Ergo Versicherungsgruppe wurde geprüft, ob in dem Vertrag mehr einzelne Arbeitnehmer versichert wurden, als es der Kollektivgröße entsprach. Bei 0,7 Prozent oder 285 der Verträge stellten die Prüfer Abweichungen der Kollektivgröße fest, die sich nicht aus der Vertragsdokumentation ergeben, also zum Beispiel vom Kunden gewollt waren.

Wurden Einzelversicherungen verkauft, obwohl ein Kollektivvertrag möglich war?

Untersucht haben die Prüfer Verträge mit 77.577 Arbeitgebern, hinter denen 182.692 Einzelversicherungen stehen. Bei 0,4 Prozent oder 330 der Arbeitgeber wäre im Nachhinein auch ein Kollektivvertrag möglich gewesen.

Wurden Einzelversicherungen verkauft, obwohl ein Kollektivvertrag im gleichen bAV-Durchführungsweg vorhanden war?

Bei 808.250 Verträgen mit Arbeitnehmern wurden 0,05 Prozent oder 409 Einzelverträge gefunden, bei denen es einen Kollektivvertrag im gleichen bAV-Durchführungsweg gibt und eine Einzelversicherung nicht unmittelbar begründbar ist.

Wurden Einzelversicherungen an Arbeitnehmer verkauft, obwohl Rahmenverträge für private Riesterrenten mit Arbeitgebern vereinbart waren?

Geprüft wurde, ob für alle Riester-Versicherten in den Rahmenverträgen mit Arbeitgebern die richtigen, rabattierten Tarife verwendet wurden. Dies ergab keine Auffälligkeiten. Da im privaten Altersvorsorgegeschäft keine Angaben zu Arbeitgebern hinterlegt werden, sind die Prüfungsmöglichkeiten, ob ein Riester-Kunde Zugang zu Rahmenvertragskonditionen über seinen Arbeitgeber gehabt hätte, sehr eingeschränkt. Auf weitere Prüfungsaktivitäten hat Ergo in Absprache mit PwC verzichtet.

Gab es unzulässige Einflussnahme auf Entscheidungsträger?

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die Fälle, in denen ein Vermittler gleichzeitig Entscheidungsverantwortlicher ist und potenziell fehlerhafte Kollektivgrößen vorliegen. Bei drei Fällen erfolgt nun eine weitere Prüfung mitmöglicher strafrechtlicher Relevanz. PricewaterhouseCoopers hat keine systematische Einflussnahme auf Entscheidungsträger festgestellt.

Auffällige Verträge: Gespräche mit jedem einzelnen Kunden

Bei den auffälligen Verträgen wird Ergo die entsprechenden Firmenkunden jetzt einzeln kontaktieren. Können die Zweifel dabei nicht beseitigt werden, wird Ergo die Verträge umstellen.

Für die Zukunft hat Ergo unter anderem beschlossen, Provisionszahlungen an Entscheidungsträger und deren Angehörige zu verbieten, um unzulässige Einflussnahme zu verhindern. Frank Neuroth, im Vorstand der Ergo Lebensversicherung verantwortlich für das Geschäft der betrieblichen Altersvorsorge: „Wir werten die Ergebnisse als Bestätigung unseres guten Rufes in der bAV. Gleichzeitig geben wir uns mit der festgestellten über 99-prozentigen Sicherheit noch nicht zufrieden. Wir werden den Beratungsprozess der Kunden absolut transparent gestalten.“


Umbau der Vertriebsorganisation HMI

Auf der Pressekonferenz stellte Ergo auch klar, dass sie trotz Skandalreisen (DAS INVESTMENT.com berichtete) am Strukturvertrieb HMI festhalten möchte: „Wir sind überzeugt, dass die Vertriebsform Strukturvertrieb mit unserem Leitbild ‚Versichern heißt verstehen’ ebenso in Einklang stehen kann wie alle anderen Vertriebswege der Ergo Versicherungsgruppe “, so Torsten Oletzky. Rolf Wiswesser, im Vorstand der Ergo Versicherungsgruppe für die Vertriebe zuständig: „Es ist für mich Verpflichtung, nicht tausende von Mitarbeitern und Beratern in dieser Organisation in Mithaftung zu nehmen für das Fehlverhalten einiger.“

Um die Beratungsqualität sicherzustellen, soll HMI aber umgebaut werden. Als Zeichen für den Neubeginn wird HMI Anfang 2012 einen neuen Namen bekommen, er soll Ende Januar feststehen. Darüber hinaus will Ergo in Zukunft wesentliche Elemente der Beratungsunterlagen, der Schulungsprogramme und der Starterseminare zentral und verbindlich vorgegeben. Die unternehmerische Freiheit der HMI wird somit eingeschränkt.

Im Zuge der Neuordnung hat Ergo auch beschlossen, sich von den drei „Ur-Generälen“ und HMI-Mitbegründern Wolfgang Thust, Manfred Rump und Herbert Knoll zu trennen. Sie werden den Strukturvertrieb Anfang 2012 verlassen.

Weitere Informationen zu den Untersuchungsergebnissen erhalten Sie hier.

Holgi244, 09-12-11 11:29:
Das ist doch nichts, gegen das, was beim Marktführer Allianz abgeht!!!g
MMM, 09-12-11 13:36:
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!

Leider zu spät... liege ERGO!
Wolli, 10-12-11 17:38:
und was hat die Studie gekostet? Wer bezahlt die Studie, wie immer Versicherungsnehmer mit einer minus Rendite im Altersversorgungsbereich und überteuerten Produkten!

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