Nebenwerte-Experten von Netfonds Darum spiegelt der Dax nicht den Zustand der deutschen Wirtschaft wider

Peer Reichelt (li.) und Dennis Etzel, Börse Frankfurt | © Netfonds

Peer Reichelt (li.) und Dennis Etzel, Börse Frankfurt Foto: Netfonds

Wir hören immer wieder die Frage, warum man überhaupt in einen Fonds mit dem Fokus auf Nebenwerte investieren sollte. Schließlich würde man mit einem breiten Index-Investment in den Dax oder einem Portfolio aus Dax-Werten besser fahren. Der Dax repräsentiere die größten börsennotierten Konzerne Deutschlands und damit ca. 70Prozent des Free Floats (frei handelbare Aktien) von börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Zudem berichten die Medien tagaus tagein über jede Regung des Dax, so dass sich die meisten Investoren ohnehin im Wesentlichen auf den Dax und dessen Unternehmen konzentrieren.

Dennoch stellt sich die Frage, ob der Dax überhaupt ein geeigneter Maßstab für Investments ist. Hierzu muss die Frage erlaubt sein, ob der Dax überhaupt die Entwicklung und die Aussichten der deutschen Volkswirtschaft adäquat widerspiegelt?

Ein Blick auf die Indexmitglieder im Dax zeigt, dass mit den Banken (Deutsche Bank, Commerzbank), Energieversorgern (EON, RWE), und Versicherungen (Allianz, Münchner Rück) eine ganze Reihe von krisengeschüttelten Branchen enthalten sind, sowie mit VW und Lufthansa noch zwei weitere Problemfälle.

Die „Flop 5“

Nicht verwunderlich ist daher, dass die 5 Unternehmen aus dem Dax mit den grössten Kursverlusten über die letzten 3 Jahre unter eben diesen genannten Unternehmen sind. Die Kursverluste der „Flop 5“ über die letzten 3 Jahre liegen allesamt zwischen 30 Prozent und 60 Prozent. Zum Vergleich: der Top Performer im Dax – Fresenius – legte ich gleichen Zeitraum weit über 100 Prozent zu.

Die Dax-Konzerne sind oft weit diversifiziert und agieren meist in reifen Märkten mit geringem Wachstum, hoher Wettbewerbsintensität und hohem regulatorischen Druck. Viele Konzerne sind auch aufgrund ihrer Größe relativ inflexibel und wenig innovativ. Dies spiegelt sich beispielsweise in den Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen wider, die bei mittelgroßen Unternehmen – relativ zum deren Umsatz – meist deutlich grösser sind als die der Big Caps, welche lediglich in absoluten Zahlen wesentlich höher F&E-Budgets zur Verfügung aufweisen.

Kleine Märkte vernachlässigt

Zudem vernachlässigen Konzerne häufig anfangs noch kleine und daher scheinbar unattraktive Märkte – sowohl regional aus auch anwendungsspezifisch. Wenn sich die Märkte später als wachstumsstark und attraktiv herausstellen, werden die Lücken im Portfolio später durch teure Akquisitionen geschlossen.

Letztendlich sind eine  ganze Reihe von erfolgreichen Konzernen in Deutschland überhaupt nicht an der Börse notiert, wie z.B. der Automobilzulieferer Bosch, das Medienunternehmen Bertelsmann, die Technologieunternehmen Trumpf und Zeiss, oder die großen Handelsunternehmen Aldi und Lidl.