Negativzins Wann schafft der Staat das Bargeld ab?

Stephan Albrech ist Vorstand der in Köln ansässigen Albrech & Cie Vermögensverwaltung.

Stephan Albrech ist Vorstand der in Köln ansässigen Albrech & Cie Vermögensverwaltung.

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Wir schreiben das Jahr 2015. Die Leitzinsen der wichtigsten Notenbanken sind seit einiger Zeit an der Nulllinie, und zumindest die deutschen Anleihezinsen sind ebenfalls nicht weit davon entfernt. Zudem zahlen die Banken für Einlagen bei Notenbanken wie der EZB oder der eidgenössischen SNB Strafgebühren, die in Orwellschem Neusprech Negativzinsen genannt werden – und diese werden zunehmend an die Bankkunden weitergegeben.

Die letzte Bastion gegen Enteignung auf Ihrem Konto

Doch selbst wenn jeder Kontoinhaber eine saftige Strafgebühr zahlen müsste – noch existiert eine letzte Bastion, mit der wir uns vor dieser stückweisen Enteignung schützen können: Bargeld! Denn der Nominalwert der Geldscheine im Tresor sinkt ja auch dann nicht, wenn die Bank für Einlagen auf dem Konto „Negativzinsen“ kassiert. Heißt also: Auch wenn die Notenbanken alles tun, um die Konjunktur anzukurbeln, schaffen sie es nicht, die nominal negativen Zinsen in real negative Zinsen zu verwandeln. Solange es Bargeld, aber keine Inflation gibt, können sie die Geldhalter einfach nicht zur Ader lassen!

Politikberater: Bargeld abschaffen oder deutlich verteuern

Das haben inzwischen auch einige US-Ökonomen erkannt, die Bargeld-Bastion nun unter Beschuss nehmen. Prominente Vertreter sind Kenneth Rogoff, Larry Summers und Miles Kimball. Sie wollen das Bargeld ganz abschaffen oder den Gebrauch so verteuern, dass die Menschen lieber ein bis zwei Prozent Enteignungsgebühr im Jahr hinnehmen als Bargeld zu bunkern, wenn sie dafür vielleicht fünf Prozent Strafgebühr zahlen müssen.

Der Amerikaner Kimball argumentiert, die Notenbank sollte das Lagern von Papiergeld mit einer Gebühr auf Banknoten verhindern. Motto: Wer 1.000 Euro abhebt, bekommt 950 ausbezahlt – basta! Nur dann könnten die „Negativzinsen“ für die Banken auch die Endkunden treffen. Mit solchen Feinheiten halten sich Rogoff und Summers nicht mehr auf. Sie fordern, das Bargeld gleich ganz abzuschaffen. „Papiergeld ist das entscheidende Hindernis“, die Zentralbank-Zinsen weiter – also ins Negative – zu senken, sagt Harvard-Ökonom Rogoff. Es zu beseitigen, sei daher eine „elegante Lösung für das Problem“.