Negativzinsen, Teil 2 So vermeiden Publikumsfonds Strafgebühren

Freund oder Feind?: Eigentlich müssten Fondsgesellschaften dem EZB-Chef Mario Draghi (Bild) den Negativzins übel nehmen. Das tun sie aber nicht - ganz im Gegenteil. Foto: Getty Images

Freund oder Feind?: Eigentlich müssten Fondsgesellschaften dem EZB-Chef Mario Draghi (Bild) den Negativzins übel nehmen. Das tun sie aber nicht - ganz im Gegenteil. Foto: Getty Images

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Erst war es ungewiss und „Gegenstand individueller Verhandlungen“, nun ist es offiziell: Nach BNY Mellon und State Street Bank erhebt nun auch die DZ Bank Negativzinsen auf das Guthaben von Fonds. Wer in seinen Produkten Euros hortet, soll dafür ab dem 15. November 0,25 Prozent pro Jahr zahlen, teilte die Bank vor wenigen Tagen ihren Kunden mit. Auch J.P. Morgan soll nach Informationen einer Fondsgesellschaft bereits Negativzinsen erhoben haben. Als einzige der fünf größten Depotbanken stemmt sich die BNP Paribas gegen den Trend: Allerdings machen Publikumsfonds dort nur einen kleinen Teil des Depotbank-Geschäfts aus.

Und was machen die Fondsanbieter? In Panik verfallen? Unrentable Fonds schließen? Oder zumindest über die EZB schimpfen? Nichts von alledem. Auf Nachfrage von DAS INVESTMENT.com zeigten sich die Sprecher der Gesellschaften gelassen - und hoben sogar die Vorteile, die ihnen der EZB-Zinsentscheid bringt, hervor. "Lerneffekt bei den Anhängern des klassischen Sparbuchs“

„Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat dazu geführt, dass der Zins für Tagesgeld, Festgeld und Sparbücher sehr niedrig ist und meist deutlich unterhalb der Inflationsrate liegt“, erklärt ein Sprecher der Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM, ehemals DWS), der Vermögensverwaltungs-Einheit der Deutschen Bank. „Dies wird unserer Meinung auf längere Sicht auch so bleiben“. Damit verliere das angelegte Geld von Jahr zu Jahr real an Wert - ein Argument, das für risikoreichere Anlageformen wie Aktien, aber auch für Publikumsfonds spreche.

Auch der Sprecher von Universal-Investment erwartet einen "Lerneffekt bei den Anhängern des klassischen Sparbuchs“. Wenn sie für ihr Erspartes nicht nur keine Zinsen bekommen, sondern sogar noch selbst Geld zahlen müssen, würden sie Aktien und Fonds als mittel- und langfristig bessere Alternative zum Vermögensaufbau entdecken, ist er überzeugt. Belastungen „im Promillebereich“

Doch sind Fonds angesichts der Strafgebühren, die sie auf ihre Cash-Bestände zahlen müssen, wirklich die bessere Alternative? Das hängt unter anderem davon ab, ob sie die negativen Zinsen an die Anleger weitergeben werden - zum Beispiel in Form höherer Verwaltungsgebühren. „Nein“, erklärt Universal-Investment. Höhere Managementgebühren seien nicht geplant. Andere, von DAS INVESTMENT.com befragte Gesellschaften geben auf diese Frage keine so eindeutige Antwort. Allerdings erklärt DeAWM, dass die Belastungen durch einen negativen Zins für die Wertentwicklung der Fonds „im Promillebereich“ liegen.

Das bestätigt auch der Universal-Investment-Sprecher. Aktienfonds Deutschland haben laut BVI-Wertentwicklungsstatistik in den vergangenen zwölf Monaten eine Wertentwicklung von 7,5 Prozent erzielt, rechnet er vor. Bei einer durchschnittlichen Kasse-Quote von 5 Prozent und einem negativen Zinssatz von 0,1 Prozent sei der Einfluss auf die Wertentwicklung minimal und kaum zu beziffern. Bei rentenlastigen internationalen Mischfonds, die laut BVI-Statistik in den vergangenen zwölf Monaten eine durchschnittliche Performance von 3,1 Prozent erzielten, mindert ein negativer Zins bei einem Kasse-Bestand von ebenfalls 5 Prozent die Wertentwicklung um 0,1 Prozent. „In beiden Beispielen liegt der Wertzuwachs auch bei einem negativen Zins deutlich über Sparbuch & Co.“