Neil Goddin, Kames Capital „Nach wie vor Wachstumschancen bei Tech-Riesen“

Neil Goddin, Head of Equity Quantitative Analysis bei Kames Capital: „Ich beurteile die Technologieriesen solange optimistisch, bis Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums sichtbar werden.“ | © Kames Capital

Neil Goddin, Head of Equity Quantitative Analysis bei Kames Capital: „Ich beurteile die Technologieriesen solange optimistisch, bis Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums sichtbar werden.“ Foto: Kames Capital

Bei Kames Capital setzen wir nach wie vor auf die Aktien von Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google (FAANG). Unsere Experten erstellen im Rahmen eines Screening-Prozesses basierend auf der prognostizierten Performance eine Aktien-Rangliste. Alle Unternehmen sind auf dieser Rangliste vorgerückt. Die soliden Fundamentaldaten überzeugen, und die FAANG haben ihr Ranking dank eines bis dato soliden Gewinnwachstums in diesem Jahr verbessert. Ich beurteile die Technologieriesen solange optimistisch, bis Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums sichtbar werden und die Aktien auf unserer Rangliste nach unten rutschen.

Skepsis gegenüber Technologieriesen

Zugegeben: Skandale wie der um Cambridge Analytica unterstreichen die Skepsis gegenüber Technologieriesen. Anleger handeln daher richtig, wenn ihre Investments nach jahrelanger Outperformance auf den Prüfstand stellen. Die Aktienbewertungen scheinen zwar mittlerweile astronomisch hoch: Die Marktkapitalisierung von Apple beträgt derzeit 950 Milliarden US-Dollar, dicht gefolgt von Amazon mit 823 Milliarden US-Dollar und Alphabet mit 795 Milliarden US-Dollar. Dennoch sind die Unternehmen gemessen an den Giganten früherer Zeiten nicht überbewertet.

In der Regel vergleichen Experten die Größe der aktuellen Mega Caps im Technologiesektor mit den sagenumwobenen Riesen von damals, und ihre nicht unbefangene Sichtweise sagt, dass diese Unternehmen doch zu groß geworden sind. Wir messen die Marktkapitalisierung aber in Nominal-Dollar. Vergleicht man die Unternehmen teuerungsbereinigt in heutigen Dollar, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Die entsprechende aktuelle Marktkapitalisierung der Riesen von damals gestaltet sich wie folgt:

IBM: 233 MilliardenUS-Dollar im Jahr 1999 entsprechen heute 349 Milliarden US-Dollar.

Cisco: 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 1999 entsprechen heute 725 Milliarden US-Dollar.

General Electric erreichte 1999 einen Höchststand von 572 US-Dollar, was heute inflationsbereinigt 800 Milliarden US-Dollar entspricht.

Die Dutch East India Company beschaffte sich im frühen 17. Jahrhundert Kapital im Wert von 78 Millionen niederländischen Gulden. Heute entspräche dies einem Wert von 7,4 Billionen US-Dollar.

Bei FAANG-Unternehmen ist aufgrund ihrer relativen „Asset-light“-Modelle für jeden Dollar Wachstum weniger Kapital erforderlich und es werden weniger Führungsebenen benötigt. Meines Erachtens sind diese speziellen Eigenschaften Garant für weiteres Wachstum. Es wird noch einige Zeit dauern, bevor die Größe der Technologieriesen zum Problem wird.

Mit dem in das Wachstum ihrer Geschäftsaktivitäten investiertem Kapital haben FAANG-Unternehmen Eintrittsbarrieren für Newcomer geschaffen. Zudem haben sie Plattformen errichtet, die ihnen Zugang in die künftigen Wachstumsbereiche verschaffen, angefangen von maschinellem Lernen, über Sprachsteuerung, autonomem Fahren bis hin zu anderen bahnbrechenden Anwendungen im Bereich „Internet der Dinge“. Unter dem Strich gibt es bei den FAANG-Unternehmen quantitativ und fundamental nach wie vor zahlreiche Pluspunkte.