Neue Börsengänge „Entwicklung des Emissionsmarkts macht Hoffnung“

Motorroller mit dem Logo des Lieferdienstes Delivery Hero mit Sitz in Berlin | © Getty Images

Motorroller mit dem Logo des Lieferdienstes Delivery Hero mit Sitz in Berlin Foto: Getty Images

Nach dem verhaltenen Start in das Börsenjahr mit zwei Initial Public Offerings (IPOs) im ersten Quartal kommt zum Ende des zweiten Quartals mehr Bewegung in den Markt. „Ereignisse wie die jüngste Erhöhung des Leitzinses durch die US-Notenbank Fed Ende März sowie die zeitgleich stattfindenden Parlamentswahlen in den Niederlanden und Frankreich und die Terroranschläge in London und Manchester haben zu Beginn des Quartals für einen Anstieg der Volatilität an den Aktienmärkten und einer langen Phase der Zurückhaltung bei den IPOs im zweiten Quartal gesorgt“, erklärt Nadja Picard. „Dies scheint sich nun zu drehen“, so diePartnerin im Bereich Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS) bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) weiter.

Erst am 27. Juni wagte mit Vapiano aus Bonn das erste Unternehmen im zweiten Quartal den Schritt auf das Börsenparkett ­ bei einem Emissionspreis in der unteren Hälfte der Preisspanne und mit insgesamt 166 Millionen Euro Emissionsvolumen. Die beiden anderen Börsengänge erfolgen beide am 30. Juni mit dem Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero und dem hessischen Immobilienunternehmen Noratis.

Hier pendelten sich die Preise der Aktien in den vorher festgelegten Preisspannen bei Noratis am untersten Ende, bei Delivery Hero am obersten Ende ein. Mit 866 Millionen Euro Emissionserlös ist der Börsengang von Delivery Hero vom Volumen her nach Innogy im vierten Quartal 2016 der zweitgrößte IPO in den vergangenen zwölf Monaten. Noratis führt den zweiten Börsengang im neu eingeführten Börsen-regulierten Scale Segment durch und platziert Anteilsscheine im Wert von 17 Millionen Euro.

Drei erfolgreiche Börsengänge

„Nach dem schwachen ersten Quartal 2017 mit zwei kleineren IPOs konnten wir im zweiten Quartal bereits drei erfolgreiche Börsengänge, davon einen mit fast einer Milliarde an Erlösen beobachten“, berichtet Picard. Aufgrund der allgemein positiven konjunkturellen Entwicklung und dem starken wirtschaftspolitischen Umfeld mit weiterhin vorteilhaften Zinsbedingungen in Europa und der USA sind sehr gute Rahmenbedingungen für zunehmende Aktivitäten am Emissionsmarkt gegeben.

„Wir erwarten daher eine weitere positive Entwicklung auf dem Emissionsmarkt für den bevorstehenden Sommer und das Herbstquartal 2017 und einen weiteren Anstieg der Aktivität in 2018,“ prognostiziert die PwC-Kapitalmarktexpertin.

Zurückhaltung bei Kapitalerhöhungen

Bei den Kapitalerhöhungen ist es bei nahezu gleichbleibender Anzahl der Transaktionen zu einem starken Anstieg im Volumen gekommen. „Während im Vorjahr im zweiten und vierten Quartal jeweils um die 30 Unternehmen sogenannte Secondary Offerings erfolgreich am Markt platzieren konnten, sind es zum Stichtag lediglich 19, was seit 2013 den drittniedrigsten Wert darstellt“, stellt Picard fest.

Mit einem Gesamtvolumen von 9,2 Milliarden Euro (Q2: 2,7 Milliarden Euro) liegen die Emissionserlöse weit über dem Vorquartal. Dies wird allerdings durch die Transaktion bei der Deutschen Bank Anfang April in Höhe von 8,0 Milliarden Euro erklärt. Um diese Transaktion bereinigt ist das Volumen stark gesunken, was mit dem tendenziell geringeren durchschnittlichen Volumen der Emissionserlöse von 69 Millionen Euro (Q1: 150 Millionen Euro) pro Kapitalerhöhung zusammenhängt.

Mit Buwog (306 Millionen Euro) und Grand City Properties (198 Millionen Euro) gibt es im Berichtszeitraum bedeutende Transaktionen aus dem traditionell volumenmäßig starken Sektor Finanzdienstleistungen. Das Industrieunternehmen Kion Group (603 Millionen Euro) erzielt nach der Deutschen Bank den zweithöchsten Emissionserlös.

Fremdkapitalemissionen im Auftrieb

„Die EZB hat 2017 mehrmals das Festhalten an ihrer derzeitigen Niedrigzinspolitik im Euroraum untermauert, nachdem es im vierten Quartal 2016 hierzu im Hinblick auch in Bezug auf die Zinswende der Fed noch Unklarheiten gab“, so Picard und weiter: „Dies hat zu einem kontinuierlichen Anstieg der Aktivität im Bereich der Fremdkapitalemissionen geführt.“

Im zweiten Quartal stieg das Volumen bei den Fremdkapitalemissionen nochmals um 5 Milliarden Euro auf insgesamt 253 Milliarden Euro an. Auch bei der Anzahl kann mit 368 Emissionen gegenüber 334 im Vorquartal ein deutlicher Anstieg beobachtet werden, der sich in den kommenden Quartalen auch noch ausweiten könnte.