Neue Regulierungsmaßnahmen Diese Chancen bieten Finanzanleihen

Julien de Saussure, Verwalter Unternehmensanleihen bei Edmond de Rothschild Asset Management (France)

Julien de Saussure, Verwalter Unternehmensanleihen bei Edmond de Rothschild Asset Management (France)

// //

Durch die derzeitige Einführung neuer Vorschriften ergeben sich sowohl für Banken als auch für Versicherungsgesellschaften neue Möglichkeiten. Die Fundamentaldaten des Finanzsektors haben sich in den letzten Monaten verbessert: üppige Liquidität, bessere Bonität, Rückkehr der Rentabilität bei den Banken. Die Stresstests haben Transparenz gebracht und die Anleger beruhigt. Und die dauerhaft niedrigen Zinssätze machen dieses Marktsegment besonders attraktiv.

Finanzanleihen: Günstiges Umfeld


Mehrere Faktoren sprechen für diese Anlageklasse. Da wären zunächst einmal die regulatorischen Entwicklungen im Banken- und Versicherungssektor. Die Emittenten sind immer noch dabei, ihre Kapitalstruktur an die neuen regulatorischen Anforderungen anzupassen. Durch diese sind sie dazu gezwungen, ihr Kapital sowohl quantitativ als auch qualitativ zu verbessern, neue Quasi-Eigenkapitalinstrumente zu begeben und die alten Instrumente insbesondere durch die Ausübung der Rückrufoption zu ersetzen. Durch die Reformen haben sich die Kapitalisierung, Bonität und Liquidität dieser Unternehmen verbessert.

Die im letzten Herbst veröffentlichten Stresstestergebnisse haben darüber hinaus zu einer besseren Sichtbarkeit der von den jeweiligen Anbietern eingegangenen Risiken geführt. Die Banken sind von der Entwicklung der gesamten Realwirtschaft abhängig, können aber dank ihrer diversifizierten Aktivitäten Schocks bis zu einem gewissen Umfang absorbieren. Sie sind in Bezug auf ihr Risikoprofil und ihre Aktivitäten transparenter, und ihre Belastung durch Spannungsfaktoren wie den Ölpreis, das Griechenlandrisiko oder die Russlandkrise ist im Allgemeinen beherrscht.

Schließlich sollte das am 22. Januar 2015 in Europa begonnene Quantitative Easing sich überwiegend günstig auf die Finanzanleihen auswirken. Die Hauptnutznießer dieser expansiven Geldpolitik dürften aufgrund der sinkenden Finanzierungskosten die Banken sein.

2015 könnte die durchschnittliche Rendite der Anlageklasse 6 Prozent erreichen. Dieses Ergebnis könnte sich zum einen aus dem Anteil der Titel der alten Generation ergeben, deren Portierung (Übertragung) interessant bleibt, zum anderen aus dem attraktiven Performancepotenzial der „CoCos“ (Portierung und möglicherweise geringere Spreads).

Neue Vorschriften: Eine immer noch gewinnträchtige Thematik

Zur Erinnerung: Zu den Auflagen von Basel III und Solvency II gehörte, dass die älteren Strukturen (Legacy Tier 1) im neuen regulatorischen Rahmen nicht mehr zulässig sind, da sie den neu definierten Kriterien nicht genügen. Die Emittenten haben ein wirtschaftliches Interesse daran, diese Titel zurückzurufen und neue Instrumente zu begeben. Tier-1- und Tier-2-Anleihen sind nachrangige Anleihen: Sie sind langlaufend oder unbefristet, und ihr Coupon kann eventuell ausgesetzt werden, wenn der Emittent in Schwierigkeiten gerät.

Seit mehreren Jahren trägt diese Thematik zur guten Performance und Dynamik der Anlageklasse bei: Das Risiko-Ertrags-Verhältnis dieser Papiere bleibt attraktiv, und ihr Volatilitäts- und Maximalverlustpotenzial erscheint insgesamt gesehen begrenzt.

Auch die von den Banken angebotenen neuen Strukturen sind aufmerksam zu verfolgen. Die unter Basel III zulässigen Tier-1-Titel sind ab jetzt „Additional Tier 1 Contingent Convertibles“ (AT1-CoCos). Das AT1 (zusätzliches Kernkapital) entspricht unbefristeten Schuldinstrumenten ohne jegliche Rückzahlungsverpflichtung und ohne jeglichen Rückzahlungsanreiz. Sie unterliegen einem Mechanismus der Schuldabsorption oder der Umwandlung in Aktien, der sich an einem vorgegebenen Kapitalniveau orientiert. Zwar sind sie risikoreicher als die alte Generation, dafür bieten sie jedoch auch eine höhere Rendite von im Allgemeinen zwischen 5 Prozent und 8 Prozent.