Neue Spielregeln für Rentenfonds

Foto: luxuz::. / photocase.com

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Früher war alles besser. Oder zumindest einfacher. Risikofreudige Investoren spekulierten mit Aktien. Alle anderen kauften Rentenfonds und freuten sich über den stetigen Zuwachs ihres Vermögens. Kein anderer beschrieb diese Zweiteilung treffender als Börsenaltmeister André Kostolany.

Doch Kostolanys Aussage gilt längst nicht mehr uneingeschränkt. Die Rentenmärkte sind vielschichtiger geworden, zum Teil auch riskanter. „Die Finanzmärkte sind global schuldenintolerant geworden“, beschreibt Prof. Michael Hüther, Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die aktuelle Stimmung. Anders als noch vor Jahren gelten Anleihen aus den Industriestaaten nicht mehr als absolut ausfallsicher. Zudem differenziert der Markt viel stärker zwischen den einzelnen Emittenten. Die Marktschwankungen haben signifikant zugenommen. Terminhändler nutzen jede dafür geeignete Nachricht, um die Zinsterminkontrakte mal in die eine, mal in die andere Richtung zu drücken.

Nicht nervös machen lassen

Ein Markt für Profis also? – Unbedingt! Langfristig orientierte Anleger sollten sich vom Auf und Ab des Tagesgeschäfts jedoch nicht irritieren lassen. Vielmehr gilt es, die neuen Spielregeln zu akzeptieren und auf ihre Renditemöglichkeiten hin abzuklopfen. Denn der Rentenmarkt bietet weiterhin attraktive Anlagechancen, die sich mit profunden Marktkenntnissen nutzen lassen.

Fachleute wie Prof. Norbert Walter erwarten zwar anhaltend niedrige Renditeniveaus für Benchmarkanleihen. „Die Zinsen werden weiter tief stehen und sich unterhalb der Inflationsgrenze bewegen“, so der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank. An eine krisenhafte Zuspitzung, ausgelöst beispielsweise durch ein Auseinanderbrechen des Euroraums, glaubt Walter indessen nicht: „Der Euro wird überleben und gestärkt aus dieser Krise hervorgehen“, schreibt der Finanzexperte in der Zeitschrift „Politische Studien“.

Doch wie bestückt man im derzeitigen Kapitalmarktumfeld ein Portfolio mit leistungsstarken Zinspapieren? – Rentenfondsmanager achten hierbei grundsätzlich auf eine breite Streuung über unterschiedliche Restlaufzeiten und Emittenten hinweg. Bevorzugt wird aktuell eine Mischung kürzerer und mittlerer Laufzeiten von drei bis sieben Jahren. Auf diese Weise lässt sich das Zinsänderungsrisiko begrenzen. Papiere mit einer Laufzeit von zehn oder sogar 30 Jahren geben deutlich stärker nach, sollte das allgemeine Zinsniveau einmal kräftiger ansteigen. Wer kürzer laufende Papiere im Portfolio hält und die Fälligkeiten entsprechend staffelt, sichert sich bei der Wiederanlage außerdem die dann jeweils erzielbare höhere Marktrendite.

Bei der Auswahl der Emittenten hat ein Umdenken eingesetzt. Aus Gründen der Diversifikation ergänzen Rentenfondsmanager ihre Portfolios immer häufiger um Unternehmensanleihen. Verschiedene Investmentfonds haben sich sogar ganz auf das Segment der „Corporate Bonds“ spezialisiert.

Lieber Unternehmen als Staaten

Unternehmensanleihen werfen bei vergleichbaren Restlaufzeiten deutlich höhere Renditen ab als zum Beispiel deutsche Bundesanleihen. Gleichzeitig wird die Zahlungsfähigkeit von international tätigen Großkonzernen vielfach besser eingeschätzt als z.B. die Bonität der bedrängten südeuropäischen Staaten. Kaum jemand kann sich heute vorstellen, die Finanzstärke weltweit erfolgreicher Konzerne wie Nestlé oder BASF infrage zu stellen.